24.02.2011 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fachvortrag von Chefarzt Dr. Walter Luyken über ein "heikles Thema" - Seit 3500 Jahren bekannt: Hämorrhoiden als treue Begleiter

"Hämorrhoiden haben uns Menschen wahrscheinlich schon immer begleitet. Die erste Beschreibung dieser Erkrankung findet sich im Papyrus Ebers, das vor über 3500 Jahren geschrieben wurde", so Chefarzt Dr. Walter Luyken bei einem Vortrag im St.-Anna-Krankenhaus. Die Hämorrhoiden seien Vergrößerungen kleiner Gefäßpölsterchen im Enddarm, die für einen guten Verschluss des Afters sorgen und somit für die Zurückhaltung von dünnem Stuhl und Gas verantwortlich seien.

von Redaktion OnetzProfil

"Allein die Tatsache, dass diese Pölsterchen vergrößert sind, stellt keine Erkrankung dar", erklärte der Mediziner. Man spreche von einem Hämorrhoidalleiden oder von einer Krankheit wenn diese Vergrößerung Probleme bereite. Dies können Blutungen, Juckreiz, Ausschlag oder lokale Veränderungen sein. Hämorrhoiden seien schmerzlos und verursachen nur Beschwerden, wenn diese sich einklemmen.

"Bei Patienten, die Hämorrhoiden haben und zusätzlich unter Schmerzen leiden, sind meistens zusätzliche Erkrankungen wie zum Beispiel kleine Risse an der Schleimhaut verantwortlich. Die Blutung ist das häufigste Symptom, aber nicht jede Blutung entsteht im Rahmen von Hämorrhoiden, so dass in solchen Fällen immer eine Darmspiegelung zu empfehlen ist", lautete der Rat von Dr. Luyken.

"Wir wissen nicht genau, warum Hämorrhoiden entstehen - verschiedene Ursachen werden vermutet. Als wichtigste Ursachen finden sich das Pressen beim Stuhlgang aber auch chronische Durchfälle oder die Einnahme von großen Mengen an Abführmitteln, Alkohol, Kaffee und scharfen Gewürzen. "Über 70 Prozent der erwachsenen Menschen sind im Laufe der Zeit irgendwann betroffen." In Deutschland würden jährlich rund 3,5 Millionen Hämorrhoidalleiden-Fälle behandelt und zirka 50 000 Operationen durchgeführt. Frauen und Männer seien gleichermaßen häufig betroffen, erläuterte der Experte.
Hämorrhoiden träten meistens zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr auf. Um entscheiden zu können, welche Behandlung die beste für den Patienten sei, müsse der Arzt den lokalen Befund mit und ohne Pressen beobachten, eine digitale Untersuchung und eine sogenannte kleine Spiegelung durchführen. Diese Untersuchungen könnten ohne Narkose und ambulant durchgeführt werden.

Im Vortragsraum des Krankenhauses nannte der Fachmann drei verschiedene Möglichkeiten: 1. Medikamente in Form von Zäpfchen, Cremes oder Salben, die an der erkrankten Stelle aufgetragen werden. 2. Verödung oder Unterbindung der Hämorrhoiden und 3. Die Operation. Früher, so Chefarzt Dr. Luyken weiter, habe man immer die Entfernung der Hämorrhoiden empfohlen. Bei dieser Behandlung könne aber die Abdichtungsfunktion der Gefäßpölsterchen verloren gehen, da man einige davon entferne. Seit 1992 sei es nun möglich, eine Schleimhautbrücke oberhalb der Hämorrhoiden zu entfernen, so dass diese nach oben gezogen werde.
Diese sogenannte Operation nach Longo zeige gute Ergebnisse, könne aber manchmal zu Beschwerden führen, wenn die Klammernahtreihe nicht an der richtigen Stelle angebracht werde. Eine Alternative biete die ultraschallgesteuerte Unterbindung der Hämorrhoidenarterien, hierbei werde im Rahmen einer kleinen Spiegelung, die genaue Stelle der Gefäße, welche die Hämorrhoiden speisen, ausgemacht und mit einer Naht umstochen. Zusätzlich bestehe bei dieser Methode die Möglichkeit, eine Raffung der Schleimhaut durchzuführen.

Klares Resümee

Vorteil dieser Methode gegenüber der Klammernaht-Operation sei die Tatsache, dass bei diesem Eingriff kein Fremdmaterial verbleibe und der Faden sich mit der Zeit auflöse. "Die ideale Behandlung hängt vom Befund ab und muss vom Spezialisten zusammen mit dem Patienten ausgewählt werden. In einigen Fällen ist die Kombination verschiedener Verfahren notwendig", resümierte der Chefarzt.

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