Familienschätze neu entdeckt: Kunst-Veranstaltung mit drei Experten kommt bestens an
Kostbares aus Speicher und Keller

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
14.04.2013
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Der Ammerthaler Pfarrer Klaus Haußmann war ganz entzückt: "Dieses kostbare Väschen aus Satsuma-Steingut mit feinster Malerei japanischer Szenen ist ganz etwas Besonderes. Ein nicht alltägliches Stück." Mit Kulturpreisträger Hans Wuttig und Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer nahm er sich bei der Veranstaltung "Familienschätze neu entdeckt" im Stadtmuseum viel Zeit.

Die drei Experten gingen nach dem Vorbild des Fernsehformats "Kunst und Krempel" in den Themen Keramik, Gemälde und Bücher auf Spurensuche.Und tatsächlich hatten die vielen Besucher, die bis aus der Nürnberger Gegend gekommen waren, ungewöhnliche Stücke, Raritäten und Besonderheiten von zu Hause mitgebracht.

Spannend für alle

"Toll, wir waren voll ausgebucht. Es gab enormes Interesse, spannende Augenblicke für beide Seiten", schwärmte Dr. Markus Lommer. Die Co-Produktion von Stadtmuseum und Förderverein erwies sich als echter Magnet und schreit förmlich nach Wiederholung...

Gleich neben dem Museumscafé hatte Pfarrer Klaus Haußmann seine "Praxis" eingerichtet, in der er Sprechstunde hielt. Im Viertelstundentakt begutachtete er seine "Patienten" und war am Ende zufrieden: "90 Prozent aller Fälle konnte ich auflösen. Bei zehn Prozent muss ich nachrecherchieren."

Der ausgewiesene Kenner und Keramiksammler von Oberpfälzer Steingut, dessen Rat unter anderem auch bei der Jahresausstellung im Schloss Theuern gefragt war, sprach von einer echten "Herausforderung" für ihn. Denn schließlich galt es, quasi aus dem Stand die Stücke einzuordnen. "Die Zeit ist vergangen wie im Flug", so der Ammerthaler Pfarrer.
Einiges stach Haußmann besonders ins Auge. So die kleine Vase aus Satsuma-Steingut mit feinster Malerei japanischer Szenen, die als Exportware vor 1900 in Japan produziert wurde. "Kunsthistorisch das Beste, was ich an diesem Tag gesehen habe". Auch zwei flache Schalen aus Steingut mit Blumenbouquet der Firma Wimpf-Weilburg an der Lahn fanden Beachtung. Die ungewöhnlichen Stücke mit Scharffeuer-Farben sind von tadelloser Qualität und im Frankfurter Raum hoch gehandelt.

St. Martin und die Vertreibung aus dem Paradies waren die religiösen Motive auf zwei Wandttellern mit hochplastischem Reliefdekor. Die in Fayence ausgeführten Stücke im Art-Deco-Stil konnte Haußmann als Entwurf von Siegfried Möller einordnen, der auch in der Steingutfabrik Hirschau schon gewirkt hatte.

Auffällig auch ein Kaffeeservice auf Platte, das aus Tirschenreuther Porzellan gefertigt ist. Der Künstler G. Rosenstengel hat es überreich im persischen Stil bemalt.

"Da herrschte wirklich Hochbetrieb", fasste Hans Wuttig zusammen, der sich als freischaffender Künstler dem Bereich Bilder, Gemälde und Grafiken angenommen hatte. Er freute sich darüber, dass die Leute stolz waren, ihre Kunstschätzen zeigen zu können und eine fachmännische Beurteilung mit nach Hause nehmen zu können. Von Kitsch bis Besonderheit reichte die Palette der Aquarelle, Ölbilder und Drucke.

Original oder nicht?

Besonders fiel ihm ein Aquarell auf, das er dem im Jahre 1800 in Aschaffenburg geborenen Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner zuordnete. Ob es sich dabei aber tatsächlich um ein Original handelt, müsste erst eine weitere Begutachtung klären. "Ich wurde natürlich schon etwas ins kalte Wasser geworfen. Nicht immer ließen sich Alter, Herkunft und Wert gleich an Ort und Stelle klären", so Wuttig, der auch Ratschläge zur Pflege und Restaurierung gab.

Und so waren es am Freitag im Stadtmuseum spannende Momente mit vielen Fragen und fast ebenso vielen fachkundigen Antworten. Schon jetzt denkt man an einen Wiederholungstermin vielleicht im kommenden Jahr.

"Denn es ist auch über die Pflege der musealen Werte hinaus eine wichtige Aufgabe des Museums, als Berater tätig zu sein", so Lommer.
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