20.06.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Familienvater muss sechs Jahre in Haft - Zwei Töchter über Jahre hinweg missbraucht Tiefer kann man nicht sinken

Nach dem Urteil blieb eine Frage zurück: Wie tief muss ein Familienvater sinken, um sich sexuell an den eigenen Kindern zu vergehen? Weil er das über einen langen Zeitraum hinweg tat, muss ein 52-Jähriger aus dem westlichen Kreis Amberg-Sulzbach sechs Jahre hinter Gitter. Nach zweitägigem Prozess nahm der Mann das Urteil reglos an. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre verlangt.

von Autor HWOProfil

Der seelische Schaden, den er anrichtete, kann wohl nie mehr behoben werden. Das unterstrich die Strafkammervorsitzende Roswitha Stöber am frühen Mittwochabend und lenkte in der Urteilsbegründung den Blick auf zwei junge Frauen, die während ihrer Kinderzeit immer wieder erdulden mussten, dass der Vater nach ausgiebigem Alkoholgenuss betrunken aus Wirtshäusern heim kam, sich zu ihnen ins Bett legte und die Mädchen missbrauchte. Erst 2011 gingen sie zur Polizei.

Das war kein Geständnis

"Was Sie hier zum Besten gegeben haben, war kein Geständnis", kreidete die Vorsitzende Richterin und Landgerichtsvizepräsidentin dem Beschuldigten an. Der Mann hatte hinter verschlossenen Türen wissen lassen, er könne sich an sexuelle Übergriffe nicht erinnern und vermute ein innerfamiliäres Komplott. "Von einem Komplott gegen Sie kann keine Rede sein", fuhr die Strafkammervorsitzende fort und ließ erkennen, dass sich die Richter in ihrem Urteilsspruch auf rund ein Dutzend im Detail nachgewiesener Missbrauchsfälle stützten würden.
Mutmaßlich seien es wesentlich mehr Fälle gewesen, gab die Vorsitzende zu erkennen. Doch ahnden könne man nur dort, wo es konkrete Tatsachen gebe. Staatsanwältin Michaela Frauendorfer hatte in ihrer Anklageschrift über 100 einzelne Delikte notiert und sich darauf gestützt, dass die Opfer in Vernehmungen sagten, die Übergriffe seien über Jahre hinweg nahezu wöchentlich erfolgt. Die Mutter der beiden Mädchen bekam davon nichts mit, sie arbeitete abends und nachts.

Voll verantwortlich

Dem 52-Jährigen, einschlägig wegen eines Sexualdelikts vorbestraft, wurde im Urteil negativ angerechnet, "dass er es" - so die Richterin - "zur Vernehmung seiner Töchter kommen ließ." Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte den Mann für voll verantwortlich gehalten und ihn als "geübten Trinker" bezeichnet. Er verfüge außerdem über vollstes Erinnerungsvermögen. Diese Expertenmeinung befand sich in krassem Gegensatz zu dem, was der Angeklagte im Hinblick auf die Geschehnisse in den Kinderzimmern ausgesagt hatte. Auch das rechnete die Kammer dem 52-Jährigen nachteilig an.
Bei der Urteilsfindung hatte das Gericht insofern mehrere Hürden zu nehmen, als sich die einschlägige Gesetzgebung während der Zeit von 1995 bis 2008, als die Verbrechen geschahen, mehrfach änderte. Die Kammer musste von daher die seinerzeit jeweils gültigen Gesetze anwenden und daraus eine Gesamtstrafe bilden.

Verteidiger Frank Neubauer hatte für seinen Mandanten eine fünfjährige Freiheitsstrafe verlangt. Rechtsanwalt Jörg Jendricke, der die beiden Töchter des Angeklagten vertrat, schloss sich der Staatsanwältin an. Die sagte in ihrem Plädoyer: "Die Mädchen hatten keine Chance gegen ihren gewalttätigen Vater."

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