27.09.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Geldstrafe für 42-Jährigen: Mit 2,3 Promille Mutter zum Arzt gefahren - Führerschein ist weg Gericht: Keine Ausnahmesituation

Die interessante Frage lautete: Wenn eine plötzlich unter Atemnot leidende Mutter ihren Sohn bittet, sie sofort in die Stadt zum Arzt zu fahren und der im Zustand der Volltrunkenheit dies tut, ist das dann eine vom Gesetz her zu berücksichtigende Ausnahmesituation? "Nein", befand Amtsrichterin Dr. Barbara Tutsch und entzog dem Angeklagten, der seit März bereits führerscheinlos ist, für weitere fünf Monate die Fahrerlaubnis.

von Autor HWOProfil

"Trunkenheit am Steuer" ist in der Regel ein alltägliches Verfahren. In diesem Fall nicht. Der beschuldigte Landwirt aus dem westlichen Landkreis hatte ausgiebig gezecht und sich dann an einem Sonntag im März dieses Jahres zum Schlaf hingelegt. Nicht lange darauf wurde der 42-Jährige von seiner Mutter geweckt. Sie litt unter Atemnot, wollte unbedingt zu ihrem Arzt in Sulzbach-Rosenberg und lehnte angeblich die Alarmierung eines Notfallmediziners ab.

Polizei riecht die Fahne

Was in der Folge geschah, führte jetzt zu längeren Debatten vor der Richterin Dr. Barbara Tutsch. Der Bauer, aus dem Schlummer gerissen, holte sein Auto, ließ die Mutter einsteigen und machte sich auf den Weg ins zehn Kilometer entfernte Sulzbach-Rosenberg. Bis zum Arzt schaffte er es jedoch nicht. Eine Streifenwagenbesatzung der Polizei stoppte ihn, stellte Alkoholgeruch fest und machte den Röhrchen-Test. Was heraus kam, erstaunte die Beamten angesichts eines relativ stabilen Zustands des Fahrers: 2,3 Promille.
In der Verhandlung stellte sich noch eine weitere Frage: Durfte die Justiz dem Landwirt gestatten, angesichts einer von ihm ins Feld geführten existenzbedrohenden Lage, zumindest Traktoren zu steuern? "Reiner Horror", beschrieb der 41-Jährige seine momentane Lage und wies darauf hin, dass er seit der Führerscheinsicherstellung im März ständig auf das Wohlwollen anderer angewiesen sei. Denn in einem bäuerlichen Betrieb seien nahezu ständig Arbeiten zu verrichten und ein Bauer ohne Fahrerlaubnis deshalb zur Untätigkeit verdammt.

Beweisantrag abgelehnt

Die Verteidigung wollte mittels Beweisantrag einen Sachverständigen, "der prüfen soll, ob eine Eignung zumindest zum Führen von landwirtschaftlichen Maschinen gegeben ist." Diesen Wunsch lehnte die Richterin mit der Bemerkung an, sie sei selbst in der Lage, die Eignung zu beurteilen. 2000 Euro Geldstrafe und weitere fünf Monate Führerscheinentzug forderte die Staatsanwältin. "Es war eine Notfallsituation", hielt die Verteidigerin entgegen und fügte hinzu: "Die Mutter lehnte eine Alarmierung des Notarztes ab. Deshalb hat er sich ans Steuer gesetzt."

Eine andere Möglichkeit

Die Richterin verhängte 1750 Euro Geldstrafe, hielt aber an dem Antrag von weiteren fünf Monaten Führerscheinentzug fest. Fraglos habe die Trunkenheitsfahrt in einer außergewöhnlichen Situation stattgefunden. Gleichwohl aber "bestand die Möglichkeit, einen Notarzt zu holen."

Das Führen von Traktoren erlaubte sie dem Landwirt nicht. "Da kann es bei 2,3 Promille keine Ausnahmen geben", so Tutsch. Wer sich in einem solch volltrunkenen Zustand an das Lenkrad setze, müsse schon eine Führerscheinsperre von insgesamt einem Jahr hinnehmen. Auch wenn davon die Existenz bedroht werde.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.