17.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Gericht prüft: Vergewaltigung oder intim mit Einverständnis Matratze und eine SMS

Die Geschichte wird immer verworrener, allerdings mangelt es ihr nicht an Spannung. Die Frage lautet: Ist eine 22-Jährige aus dem nördlichen Landkreis während einer Party in ihrer eigenen Wohnung vergewaltigt worden oder geschahen die Intimitäten mit ihrem Einverständnis?

von Autor HWOProfil

Unterdessen sind zahlreiche Zeugen vor Amtsrichter Jan Prokoph aufgetreten. Zu ihnen zählten am zweiten Verhandlungstag Teilnehmer an der Feier. Mehrere von ihnen widersprachen den Angaben des angeblichen Opfers, das nun wegen Straftatenvortäuschung und Freiheitsberaubung auf der Anklagebank sitzt. Freiheitsberaubung deshalb, weil der junge Mann, der sie (nach ihren Angaben) im Schlafzimmer sexuell missbrauchte, vorübergehend in Polizeiarrest gekommen war.

Richter Prokoph hat es in diesem Verfahren nicht leicht. Vieles deutete zunächst darauf hin, dass die Geschehnisse im Schlafzimmer der 22-Jährigen in beiderseitigem Einvernehmen stattfanden (AZ berichtete). Doch dann erschien am zweiten Verhandlungstag eine Therapeutin aus Weiden, die - von der Schweigepflicht entbunden - über lange Gespräche mit der jungen Frau berichtete und in der Zusammenfassung ihrer Schilderungen zum Ergebnis kam: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie gelogen hat." Also doch ein Verbrechen?

Großer Fehler

Die Polizei hatte ein der jungen Frau gehörendes Handy überprüft und war dabei auf eine SMS gestoßen, in der sie sich für die von ihr erstattete Anzeige entschuldigte und dem als Täter bezichtigten Mann sinngemäß wissen ließ, sie habe "einen großen Fehler gemacht." Dieser Feststellung ging Richter Prokoph genau nach und erfuhr: Als die Nachricht abgesetzt wurde, wussten nur zwei Personen vom Sachverhalt. Zum einen die Angeklagte selbst, daneben ihre Mutter. Beide wollen es nicht gewesen sein und können sich angeblich nicht erklären, wer die SMS schrieb.

Nun Vorführung

Der "Kronzeuge" in diesem Verfahren glänzte auch am zweiten Prozesstag durch Abwesenheit. Trotz Ladung erschien der angebliche Sexualtäter erneut nicht. Er wird aber kommen müssen. Zur dritten Verhandlungsrunde lässt ihn der Richter vorführen. In seinen polizeilichen Vernehmungen hatte der Mann jeglichen Verdacht von sich gewiesen und angegeben, die Intimitäten auf einem Matratzenlager im Schlafzimmer seiner Bekannten seien einvernehmlich vonstatten gegangen.

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