12.10.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Grundlose Attacken", befindet das Amtsgericht - 36-Jähriger erst gewürgt und dann geschlagen Heftige Hiebe nach dem Faschingszug

von Autor HWOProfil

Nach dem Faschingszug ging die Gaudi erst so richtig los. Allerdings in einer Weise, die nun das Amtsgericht mehrere Stunden beschäftigte. Zu klären waren die Umstände einer sehr einseitigen Schlägerei, bei der ein 36-Jähriger schwere Verletzungen erlitt.

Das ist so üblich: Nach dem Faschingszug wird in der Regel eingekehrt und mit Freunden noch ein wenig gefeiert. Nicht anders im Februar dieses Jahres bei einem "Gaudiwurm" im nördlichen Landkreis. Die Leute zogen sich in Lokale zurück und waren bester Stimmung. Die sei dann plötzlich getrübt worden, behauptete ein Mann jetzt vor der Amberger Amtsrichterin Dr. Barbara Tutsch und schilderte aus seiner Sicht ("Ich sage hier die Wahrheit, die anderen lügen"), warum denn ein mit Perücke maskierter 36-Jähriger von ihm erst gewürgt wurde und dann Hiebe bezog.

Freundin beleidigt?

"Er ist gegen meine Lebensgefährtin handgreiflich vorgegangen und hat sie beleidigt", berichtete der Angeklagte und fügte im gleichen Atemzug die Frage hinzu: "Was hätte ich anderes tun sollen, als einzugreifen." Dieses Einschreiten war massiv: Das Opfer wurde am Hals gepackt und heftig in Kehlkopfnähe gewürgt. So brutal, dass der 36-Jährige später Blut spuckte. Damit war noch nicht Schluss: Draußen vor dem Lokal erhielt der Mann anschließend, zu Boden gebracht, heftige Hiebe. "Und warum das?", wurde der Täter gefragt. "Er hat meine Lebensgefährtin wieder beleidigt und geschubst."
Wahrheit oder frei erfunden? Während der 35-Jährige auf der Anklagebank noch immer wissen ließ, er sei ein durch und durch ehrlicher Mensch, marschierten Zeugen auf, die alles ganz anders erlebt hatten. Erst das Opfer. "Die Frau ist an mich herangetreten, hat geschwankt und mich gefragt, warum ich sie nicht leiden kann." Er habe ihr einen Korb gegeben. Gleich danach sei er von deren Freund am Hals gewürgt und nur kurze Zeit später vor dem Lokal durch Hiebe übel zugerichtet worden. Daran habe noch ein zweiter Täter mitgewirkt. "Er hat mir die Füße hochgehoben." Damit war jegliche Gegenwehr endgültig unterbunden. Wer dieser Helfer des 36-Jährigen war, ist bis heute unbekannt.

Zeugen zu überzeugend

"Der benahm sich friedlich und hat die Frau nicht angemacht", hörte die Richterin anschließend von Leuten, die sich mit im Lokal befunden hatten. Sie schilderten auch sehr detailliert, wie es quasi aus heiterem Himmel zu der plötzlichen Würge-Attacke und den Schlägen kam. Damit war die Version des Beschuldigten endgültig geplatzt. Auf Anraten seines Verteidigers räumte der Arbeiter schließlich seine Angriffe ein.
Der unerfreuliche Faschingszug-Ausklang brachte dem 35-Jährigen seine erste Vorstrafe ein. Er bekam acht Monate zur Bewährung und muss 800 Euro Geldauflage zahlen. Die Richterin ging bei den Schlägen von gefährlicher Körperverletzung aus, stufte das Würgen allerdings als einfache Körperverletzung ein. Auch da war die Staatsanwaltschaft zunächst von einem gefährlichen Angriff ausgegangen.

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