Heroin für Eigenbedarf: Bewährung und 160 unentgeltliche Arbeitsstunden für 48-Jährigen
Drogendeal mit Nachspiel

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
19.04.2013
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Der Mann hatte knapp sechs Kilo Heroin im präparierten Autotank. Fahnder nahmen den aus dem Raum Amberg Stammenden vor zwei Jahren in Franken fest. Das Nürnberger Landgericht verurteilte ihn nun zu neuneinhalb Jahren Gefängnis.

Jetzt holt sich die Justiz nach und nach Leute in die Sitzungssäle, die im Verdacht stehen, aus dem Umfeld des Großdealers Rauschgift erworben zu haben. Manche haben Glück und schrammen an den Mauern einer Haftanstalt noch vorbei. Was Staatsanwalt Jürgen Konrad dem auf der Anklagebank sitzenden 48-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach vorhielt, waren primär vier Heroinkäufe, bei denen jeweils rund 30 Gramm den Besitzer gewechselt haben sollten. Ihre Informationen hatten die Behörden aus Unterlagen von Telefonüberwachungen, die im Zusammenhang mit der Festnahme des Hauptdealers angeordnet worden waren. Im Zuge der umfangreichen Nachforschungen hatte es 16 Haftbefehle gegeben.

Beim Abhören der Telefonate fielen Spitznamen potenzieller Abnehmer. Darunter auch der des 48-Jährigen. Er selbst stritt jetzt vor dem Amberger Schöffengericht jegliche Beteiligung an den Deals ab. Kurz danach kam ein Zeuge, der ihm die Drogen verkauft haben sollte.
Er, mutmaßlich zum engen Umfeld des Hauptdealers zählend, verweigerte die Aussage. Das durfte der Mann. Denn gegen ihn laufen noch Ermittlungen.

Keine einfache Situation für die Staatsanwaltschaft. Der in Drogenfällen ermittelnde Jürgen Konrad entschloss sich, im Hinblick auf die Heroingeschäfte die Verfahrenseinstellung anzuregen. Der Angeklagte und sein Verteidiger Dr. Jan Bockemühl (Regensburg) stimmten zu, das Schöffengericht schloss sich an.

Doch damit war der Prozess noch nicht beendet. In einem zweiten Teil der Anklageschrift ging es um den Ankauf von jeweils einem Gramm Heroin und von zehn Gramm Marihuana. Das geschah, wie die Richter hörten, ausschließlich zum Eigenverbrauch. In diesem Zusammenhang bekamen sie eine Art Lebensbeichte des 48-Jährigen: Von jemand, der mit 14 mit Drogen und Alkohol in Verbindung kam, später durch einen Unfall dauerhaft am Bein geschädigt, seit Jahren von Schmerzen geplagt und ohne Arbeit ist. Bei einer Ärztin absolviert der Mann ein sogenanntes Substitutionsprogramm und versucht nach Jahrzehnten, Schritt für Schritt von der Sucht loszukommen.
Da es Vorverurteilungen wegen Drogendelikten gab, plädierte Staatsanwalt Konrad auf 21 Monate Haft mit Bewährung. "Ein Jahr ist genug", hielt Verteidiger Bockemühl dagegen und führte das Geständnis seines Mandanten ins Feld. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Markus Sand verhängte 18 Monate zur Bewährung und schickte den nach seiner Verurteilung erfreuten Angeklagten zu 160 Arbeitsstunden.
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