01.09.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

In Breitenbrunn lebt das Brauchtum weiter Kirwa-Köichln und Kraftakte

Sorgenvolle Blicke gen Himmel waren heuer ein viel geübtes Kirwa-Ritual in Breitenbrunn. "Es wird doch niat wieder ... ?" Die Erinnerung an die "Wasserschlacht" des Vorjahres, als der Regen die Kirwapaare beinahe vom Podium schwemmte, war noch nicht verblasst. Das Wetter zeigte Nachsicht, wenigstens am Kirwasamstag, wo nicht nur das Baumaufstellen bei Sonnenschein ablief, sondern sich zu spätsommerlich- milden Temperaturen der Wirtsgarten mit Hunderten Gästen füllte.

Vier erfahrene Köchinnen produzierten in der Kuchl auf der "Alm" die begehrten schmalzgebackenen Köichln geradezu im Akkord.
von Autor RLÖProfil

Sie hat eben traditionell ihren eigenen Stellenwert unter den "Stood-Kirwan", die Kirchweih im Breitenbrunner Tal. Eine kirwa-narrische Schar junger Leute um Sebastian Sörgel bürgt auch in diesem Jahr dafür, dass das überlieferte Brauchtum dabei nicht vernachlässigt wird. Also hieß es nach anstrengender Schlachtschüssel und wenig Schlaf zeitig am Samstag Morgen raus zum Baumholen.

Rätsel für die US-Boys

Ein Mords-Lackl, der da im Wald bei den Sieben Quellen zu Boden ging, lediglich im Wipfelbereich ramponiert. Aber solche Kleinigkeiten stellen für Kirwa-Geübte kein Problem dar. "Des ka' ma allas richt'n!" Gesagt, getan, und damit präsentierte sich das Kirchweih-Wahrzeichen, gestiftet von Wirtin Kuni Mutzbauer, von seiner schönsten Seite, als die Kirwaburschen und andere Helfer mit den "Schwalben" anrückten, um gut eine Tonne frisches Fichtenholz von der Waagrechte in die Senkrechte zu stemmen.

Rätsel für die US-Boys

Zwei US-Boys, stilecht in Lederhosen, halfen auch mit. Sie brachten den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Einer war sogar direkt aus den Staaten eingeflogen, um eine richtige Kirwa zu erleben. Jetzt weiß er Bescheid. Oder auch nicht . . . außerhalb des bajuwarischen Kulturkreises mutet es nämlich eher wie ein unlösbares Rätsel an, was Moila und Boum da fast eine ganze Woche lang so treiben.

Apropos Moila. Sie hatten sich um den Baumschmuck zu kümmern und die Mannsbilder beim Muskelspiel zu motivieren. Ein eingespieltes Team rund um Zimmerermeister Richard Götz aus Rothsricht sorgte dafür, dass nach gut zwei Stunden der Breitenbrunner Kirwabaum, sicher im Standloch verankert, weit übers Tal grüßte. An den Kränzen flatterten die bunten Bänder: Rot und Grün für Rosenberg, Rot und Weiß für Sulzbach, Weiß und Blau für Bayern.

Etwa 50 Meter Luftlinie von der Festwiese entfernt war aber auch schweißtreibende Schwerarbeit angesagt: Ein Quartett von erfahrenen "Köichl-Bacherinnen" produzierte in der Küche auf der "Alm" die begehrten Schmalzgebackenen schier im Akkord. Wär' ja auch - bei allem Respekt für die Kirwapaare - keine richtige oberpfälzische Kirwa, so ganz ohne Köichla.

Eins geht immer

Sie passen auch nach sechs Bratwürstl oder dem Schweinsbraten noch in den Magen, besonders gut rutschen sie mit kräftigem Zug aus dem Maßkrug die strapazierte Gurgel hinunter - o Kirwa, lou niat nou!

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp