27.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Irma Axt über Migration im Landkreis und der Stadt und laufende Projekte "Das A und O ist die Sprache"

Fußballer mit ausländischem Hintergrund schießen Deutschland zum WM-Titel. In die Bundesrepublik kommen immer mehr Asylbewerber. Inwieweit der Landkreis und die Stadt Sulzbach-Rosenberg davon betroffen ist, erklärt Irma Axt, die für die Integrationsarbeit in Amberg-Sulzbach zuständig ist, unserer Zeitung.

Irma Axt hat gut lachen, denn das Bündnis für Migration und Integration sei ein großer Erfolg, ein interkultureller Abend steht bevor, und auch sonst gehen die Projekte nicht aus. Bild: doz
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Dass Integration funktioniert, hat die deutsche Nationalmannschaft vor ein paar Wochen gezeigt. Das Team ist mit Spielern wie Özil, Boateng und Khedira Weltmeister geworden. Wie läuft die Integration denn in Amberg-Sulzbach?

Die Gründung des Bündnisses für Migration und Integration 2012 war ein großer Erfolg. Ich bin die Geschäftsführerin für den Landkreis und muss sagen, dass die Kooperationsarbeit wunderbar funktioniert. Alle Beteiligten ziehen an einem Strang. Niemand kocht sein eigenes Süppchen. Wir sind schon vorwärts gekommen. Zum Beispiel was die anstehende interkulturelle Woche oder eine Einbürgerungsfeier betrifft

Welche Projekte haben Sie in den vergangenen Jahren angepackt?

Ganz viele. Die Volkshochschule etwa war die erste Institution, die Migranten unterstützt hat, die keinen Anspruch auf einen Sprachkurs hatten. Die VHS hat ihnen diese Möglichkeit gegeben. Außerdem gibt es ein Projekt, das es Jugendlichen mit Migrationshintergrund erlaubt, den Quali nachzuholen. Auch bieten wir Tagespflege für Kinder an. Hinzu kommt, dass die VHS die einzige Institution ist, die im Landkreis und der Stadt Amberg "Mama lernt Deutsch" anbietet. Weitere Projekte: Deutschkurse für Asylbewerber, Integrationskurse, berufsbezogene Sprachkurse oder das BIG-Projekt (BIG heißt "Bewegung als Investition in die Gesundheit"), bei dem es um Gesundheitsprävention geht.

Wie hat sich die Installation eines Zukunftscoaches für den Landkreis ausgewirkt?

Für mich ist das eine große Unterstützung, vor allem im Bereich Beruf. Die Zeugnisanerkennung für Migranten ist ein großes Thema. Denn Sprachkurse sind gut - aber was passiert anschließend? Wichtig ist, dass die Menschen danach nicht alleine gelassen werden. Es geht um Fragen wie: Wie bewerbe ich mich? Welche Behörden sind für was zuständig? Man muss die Menschen begleiten. Es gibt welche, die man an die Hand nehmen muss - das ist so. Es tauchen auch viele Fragen zu rechtlichen Sachen auf. Auch was die Selbstständigkeit betrifft, sehe ich Bedarf. Für viele stellt sich die Frage: Wo bekomme ich die Informationen her? Wie gehe ich Schritt für Schritt vor?

Sie veranstalten im Oktober einen interkulturellen Abend, was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung?

Wir werden acht Länder vorstellen. Es ist eine große Begegnung, bei der alle gegenseitig kennenlernen und voneinander profitieren können. Ziel ist es, Missverständnisse zu beseitigen und Toleranz zu schaffen.

Viele Firmen klagen über den Fachkräftemangel. Ist es da nicht wichtig, gezielt um Migranten zu werben?

Ja und Nein. Warum? Es gibt gute Spezialisten bei den Migranten, die schon länger da sind. Aber ich glaube, es hängt alles von der Sprache ab. Ich habe einen Fall, da wollte wer als Koch arbeiten, aber er war sprachlich nicht fit genug und musste wieder nach Ungarn zurückkehren. Das A und O ist die Sprache, nicht nur im Alltag, sondern auch im Beruf. Hier sind wir nicht vorbereitet. Da müssen wir ansetzen.

Kleiner Themawechsel: Rund um den Globus kriselt es. Um nur Stichpunkte zu nennen: Ukraine, Israel, Irak. Kommen Sie denn in Sulzbach-Rosenberg auch mit Menschen in Berührung, die davon betroffen sind?

Ja. Vor einer Woche hatte ich mit einer Familie zu tun, die aus der Ukraine kommt. Da geht es um ein Asylverfahren. Die Beteiligten sagen, was im Fernsehen gezeigt wird, ist nicht das, was da läuft. Es ist schlimmer. Die Leute dürfen bis Ende November hier bleiben. Danach entscheidet sich, ob sie zurück müssen. Ansonsten sind mir keine Fälle bekannt.

Wenn wir schon bei den überregionalen Themen sind: Kürzlich gab es Kritik des bayerischen Innenministers Joachim Hermann aufgrund steigender Asylbewerberzahlen in Bayern. Er sagte wortwörtlich: "Es ist Fakt, dass Italien absichtlich in vielen Fällen weder Personaldaten noch Fingerabdrücke aufnimmt, damit die Flüchtlinge in einem anderen Land Asyl beantragen können und nicht wieder nach Italien zurückkehren." Ihre Meinung dazu?

Zu diesen politischen Themen möchte ich kein Kommentar abgeben, auch wenn ich eine klare Meinung dazu habe. (Angemerkt)

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