02.09.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Jobcenter möchte Alleinerziehenden Wege zur Rückkehr in Beruf ebnen Wo ein Wille ...

Sie ist das Paradebeispiel: Eine alleinerziehende Mutter, der Sohn fünf Jahre alt, beginnt eine Teilzeit-Ausbildung im Einzelhandel, setzt sich als 26-Jährige wieder auf die (Berufs-)Schulbank und versucht mit viel Motivation die Mehrfachbelastung zwischen Kindererziehung und Haushalt einerseits sowie Arbeit und Lernstoff andererseits zu meistern. Der Sohn geht derweil in den Kindergarten.

von Redaktion OnetzProfil

Das Jobcenter AM-AS kennt aber noch weitere Fälle, bei denen das Projekt "KAJAK II" (Kombinierte Integrationsbemühungen für Alleinerziehende und Jugendliche in Arbeit und Ausbildung ergänzt durch Kinderbetreuung) Betroffenen geholfen hat, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und selbst für sich und die Familie sorgen zu können.

Morgen Aktionstag

Und weil die Bundesagentur für Arbeit den 3. September als Aktionstag "Einstellungssache! Jobs für Eltern" ausgerufen hat, möchte das Jobcenter AM-AS morgen gezielt Arbeitgeber ansprechen, damit sie diesen Müttern und Vätern eine Chance geben, sich zu bewähren und somit zu beweisen, dass Familie und Beruf sehr wohl unter einen Hut zu bringen sind. "Unter den arbeitslosen und arbeitsuchenden Eltern findet sich ein hohes Potenzial an motivierten und qualifizierten Arbeitskräften", stellt dazu Jobcenter-Geschäftsführerin Sonja Schleicher fest.

Wie vielfältig die Unterstützungsangebote sind und was Alleinerziehende schaffen können, zeigen laut Pressemitteilung folgende Beispiele aus jüngster Zeit: Eine Alleinerziehende wagt mit 48 Jahren und drei Kindern (16, 14 und 12) einen kompletten Neuanfang. Sie ziehen ins Erzgebirge, wo der Sohn bereits eine Ausbildungsstelle als Metallbauer gefunden hat und die Mutter selbst in der Tourismusbranche eine Vollzeit-Stelle antreten kann. Wenn alles läuft wie geplant, wird diese Familie in Zukunft keinerlei finanzielle Unterstützung durch das Jobcenter mehr benötigen.

Eine 39-Jährige mit Migrationshintergrund trifft es als alleinerziehende Mutter einer neunjährigen schwerbehinderten Tochter besonders hart. Ihr ausländischer Berufsabschluss wurde in Deutschland nicht anerkannt und so gestaltete sich die Stellensuche in den vergangenen Jahren nicht einfach. Nach mehreren Mini-Jobs als Reinigungskraft ist es ihr nun gelungen, im Bürobereich Fuß zu fassen. Aktuell absolviert sie eine Weiterbildung in der Buchhaltung. Wenn sie diese erfolgreich abschließen kann, hat ihr der Arbeitgeber bereits zugesichert, den Minijob zu einer sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigung aufzustocken beziehungsweise umzuwandeln.

Der fehlende Führerschein war das Problem der alleinerziehenden Mutter eines Sechsjährigen. Die 26-Jährige hat eine verständnisvolle Arbeitgeberin gefunden, die ihr vor drei Monaten die Chance zum beruflichen Wiedereinstieg gab. Sie arbeitet in der ambulanten Altenpflege und kann aktuell nur in Teilzeit Pflegebedürftige innerhalb Ambergs versorgen. Sie wird nun mit Unterstützung des Jobcenters ihren Führerschein erwerben und so flexibler einsetzbar sein. Einem weiteren Ausbau der Beschäftigung steht dann nichts mehr im Wege. Wenn ihr Sohn nächstes Jahr eingeschult wird, möchte sie finanziell auf eigenen Füßen stehen.

Alle Probleme lösbar

Alle bisher im Projekt KAJAK betreuten Alleinerziehenden hatten Probleme, die es zu lösen galt. Die Beispiele beweisen aber, dass kein Problem unlösbar ist, betont das Jobcenter. Und sie zeigten noch etwas: Es muss immer ein Zusammenspiel aller Beteiligten sein - der Familie, des Arbeitgebers, der Betreuungsmöglichkeiten durch Kindergärten und Schulen, der Fortbildungsangebote vor Ort - nur wenn alle das gleiche Ziel verfolgen, ist es auch zu schaffen.

"Das Jobcenter und meine Mitarbeiter sind (Ver-)Mittler in diesem Zusammenspiel. Manchmal müssen sie auch den Anstoß geben, die Ideen weiterentwickeln und manchmal müssen sie einfach auch hartnäckig sein, nicht aufgeben und dranbleiben am Fall", sagt Sonja Schleicher.

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