08.02.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Jugendschöffengericht in schwieriger Lage - Zwei 20-Jährige wegen Körperverletzung verurteilt Nichtiger Anlass, schmerzhaftes Ende

von Autor HWOProfil

Das Datum formte sich zur "Schnapszahl" - und es war tatsächlich viel Schnaps im Spiel. Am 1. 1. 11 um 1.15 Uhr wurde in einer Gasse in der Sulzbach-Rosenberger Altstadt ein heute 23-jähriger Student übel zusammengeschlagen. Der Übergriff, für den jungen Mann mit schweren Gesichtsverletzungen endend, beschäftigte nun zwei Tage lang ein Jugendschöffengericht in Amberg.

Ein Heer von Zeugen, jeder mit anderen Erinnerungen an diese Neujahrsnacht ausgestattet. Schwierig also für die Richter, denen sich eine verworrene Situation darbot. Zwei zur Tatzeit 20 Jahre alte Russlandübersiedler aus Sulzbach-Rosenberg auf der Anklagebank, beide irgendwie geständig. Der eine gab zu, dem Opfer einen Kopfstoß versetzt zu haben, der andere räumte Fausthiebe ein.

Die Frage lautete allerdings: Schlugen die Beschuldigten allein auf den Studenten ein oder waren da noch andere an der Auseinandersetzung beteiligt? In der Urteilsbegründung sagte jetzt die Gerichtsvorsitzende Petra Froschauer: "Wir können nach langer Beweisaufnahme nicht ausschließen, dass weitere Personen zuschlugen."

Böller geworfen

Die Auseinandersetzung hatte sich aus nichtigem Anlass heraus angebahnt. Zwei Gruppen junger Leute hielten sich in der Gasse auf, als angeblich unsachgemäß ein Böller detonierte. Der 23-jährige Student verbat sich das, Augenblicke darauf war eine Schlägerei im Gang. Das spätere Opfer soll sie, so argumentierten jetzt die beiden Verteidiger Jürgen Mühl und Jörg Jendricke in ihren Plädoyers, mit vom Zaun gebrochen haben.

Das Opfer kam mit schweren Gesichtsverletzungen erst ins St.-Anna- Krankenhaus und dann in eine Würzburger Spezialklinik, wo der Bruch von Gesichtsknochen mühsam operiert werden musste. "Als ich den OP-Bericht gelesen habe, sind mir die Nackenhaare zu Berg gestanden", sagte Staatsanwalt Dr. Johannes Weber während der Verhandlung.

Weber forderte 15 Monate mit Bewährung für einen der Angeklagten, und wollte den anderen Beschuldigten für zwei Wochen in Dauerarrest genommen haben. Dem widersetzten sich die Verteidiger. Durch Geständnisse, so argumentierten sie, hätten ihre Mandanten wohl eine Beteiligung an der Schlägerei eingeräumt. Doch fraglich sei, ob sie bei ihrem Vorgehen die schweren Verletzungen hervorriefen.

Eine Woche Jugendarrest

Das Jugendschöffengericht verhängte gegen einen der 20-Jährigen neun Monate mit Bewährung, schickte den zweiten für eine Woche in den Jugendarrest. Beide wurden wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt, sie müssen jeweils mehrere Hundert Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten zahlen.

"Wir können nicht eindeutig zuordnen, von wem die schweren Verletzungen stammen", ließ Richterin Froschauer in ihrer Urteilsbegründung anklingen.

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