Kabarettist Helmut Binser mit bissigen Aussagen im Seidel-Saal
Belastungen durch C, S und U

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
02.05.2013
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(bba/lz) Den roten Faden hatte er gleich mitgebracht, der Kabarettist Helmut A. Binser, und entführte sein Publikum verschmitzt und ironisch, aber auch satirisch und tiefgründig in seine Geschichten rund um das Leben und die Menschen: Ein charmantes Naturell legte witzig und bissig die Finger auf die Dellen in der Gesellschaft.

Kurzweil und Vergnügen

Dazu schmückten 14 Lieder seine Ansichten, die von amourösen Abenteuern in Fast-Food-Restaurants bis zu philosophischen Aussagen wie "lieber gescheit greislich als schee bleed" reichten: Ein kurzweiliger und vergnüglicher Abend stand in den Startlöchern.

Die "Quetschn" und die "Klampfen" hatte sich "der Binser" aus dem oberpfälzischen Bayerwald als seine musikalischen Begleiter auf die Bühne gebracht. Der Künstler informierte seine Zuhörer gleich, dass sein musikalisches Können mit rudimentär geradezu euphorisch umschrieben sei, denn sein Gitarrenlehrer habe ihm damals nur beigebracht, wie man mit der Gitarre eine Bierflasche öffnen könne.
Er sei der beste Beweis dafür, dass man es in Bayern mit wenig Talent und als fauler Mensch zu etwas bringen könne. Dieser Weg könne sogar bis zum Finanzminister führen, aber er, "der Binser", wolle ja sein Publikum nicht "vollsödern". Es gehe im Programm also nicht um Äußerlichkeiten, sondern um innere Werte wie Bluthochdruck oder das Cholesterin.

So legte er denn gleich zünftig zupfend los mit der elegischen Geschichte von Gisela, der Perle der Systemgastronomie in Wörth an der Isar. Dann gewährte der Musiker einen Einblick in seine Kindheit und Jugend, in der sein Opa ihn immer ins Wirtshaus statt in die Kirche mitnahm. Dazu passte natürlich die "traurige" Ballade "Durst ist stärker als Heimweh" und mit poetischem Esprit gstanzelte "der Binser" seine Verse: "In Trauer, Freud und Leid - trink alle Zeit."

Die Katastrophen in seiner Vita hatten 1986 ihren Durchbruch: Das Jahr von Tschernobyl mit seinen Schwammerlauswirkungen bis heute durch die Belastungen von C (Cäsium), S (Strontium), U (Uran). Ein Blues notierte die Daseinserfahrungen eines Azubis, und dann blätterte der Künstler in seinen Bundeswehrerlebnissen und beschrieb pointiert das Kasernenleben.

Ruhe in der Arbeit?

In der folgenden Phase als Industriekaufmann verdiente er sich seine Meriten als "Sleepaholic", denn "eigentlich wollte ich in der Arbeit meine Ruhe haben". Somit forderte sein sehr "hektisches Lied", die Augen bei der Berufswahl zu öffnen. "Bluthochdruck und Krawatten seien die Begleiter der beruflichen, 250-prozentigen Stressmenschen, "denn dessen Elan haut jeden vom Hocker, der Typ ist voll mit Beta-Blocker".

"Bist jetzt staad"

Im zweiten Durchgang beschäftigte sich das Auditorium zunächst mit der Frage, wie man Kindern einen schlechten Musikgeschmack beibringen könne. Danach rief Binser zu seinem Kampf gegen Lärmterrorismus auf: "Bist jetzt staad", hieß sein Werk über die Stille - Aussagen, die man auch beim Anruf des Ex-Bundespräsidenten auf der Mailbox der Bildzeitung wieder finden könne.

Der noch junge Künstler nahm dann sein Publikum mit auf die Reise eines "Waldlers" nach "Minga" und zu den dortigen Preisen. Binser hinterfragte die Biografie seiner Klassenkameraden. Aufgeschreckt aus seinen Träumen suchte der Provinzneurotiker seine Jugend und stellte quasi fast schon hochwissenschaftlich fest: "Scheiß Dir nix, dann fehlt Dir nix!"
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