Kabarettist Uli Masuth gastiert im Seidel-Saal
Harte Pointen oft im Nebensatz

Einigen blieb das Lachen im Halse stecken: Uli Masuth ist ein Meister der versteckten Anspielungen. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
16.04.2013
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Der Satiriker wird nicht mehr gebraucht, wenn ein Hartmut Mehdorn Fluhafenchef in Schönefeld werden kann. Andererseits herrschen goldene Zeiten für das Kabarett dank der Bundesregierung unter Angela Merkel.

So konnte Uli Masuth bei seinem Auftritt im Seidel-Saal zwar thematisch aus dem Vollen schöpfen, manchmal beschränkte er sich aber darauf, die Politiker wörtlich zu zitieren, weil das Leben aberwitziger ist viele sorgsam konstruierte Pointen.

Geld und Schwerkraft

Masuth begann sein Programm "Ein Mann packt ein" mit der - immer wieder ergiebigen - Bundespolitik. Die FDP verschonte er weitgehend: aus Mitleid. Aber er hatte durchaus auch Respekt für die Liberalen, denn diese Splitterpartei sei wie die Rolling Stones, einfach nicht totzukriegen.

Mit scharfsinnigen Analysen überzeugte er bei der Finanzkrise. Geld, stellte er fest, unterliegt der Schwerkraft. Die großen Scheine bleiben oben hängen, und unten kommt nur das Kleingeld an.

Zumindest für die Umwelt sei die Eurokrise ein Segen, denn Urlaub in südeuropäischen Ländern sei jetzt günstig, so dass viele Flüge nach Asien entfallen. Er fasste zusammen: "Das Problem bei den Finanzen ist das Geld - durch die Bank." Immerhin werde die Erderwärmung durch die soziale Kälte aufgehalten.

Frauen sind schuld

Als das Publikum langsam auftaute, wurde auch Masuth lockerer. Das Lachen wurde deutlicher, der Applaus häufiger. Wirklich munter wirkten alle, als der Kabarettist sich dem ewigen Thema Mann und Frau zuwandte. Eingeleitet hatte er es mit zwei Urologenwitzen, die er erst auf massives Drängen der Zuhörer zum Besten gab und keinesfalls in der Zeitung zitiert wissen wollte.

Dann ging es um die Nachwuchsprobleme in Deutschland. Ob man vielleicht auch die Produktion von Deutschen ins Ausland verlagern sollte? Schuld sind jedenfalls die Frauen, die seit Jahrzehnten die armen Männer "exmannzipiert" hätten.

Nur scheinbar absichtslos

Arbeitslosigkeit, Übergewicht und Bundeswehr wurden in scheinbar absichtsloser Plauderei abgehandelt. Dabei blieb Masuth meistens ruhig. Die härtesten Pointen versteckte er in den Nebensätzen, oft fiel den Zuhörern erst einen Moment später auf, was sie da gerade gehört hatten. Nicht alle im Publikum waren amüsiert, als der ehemalige Kirchenmusiker sich die Religion vornahm. Glaube, erfuhr man, sei religiöser Optimismus, und "Optimismus ist nichts anderes als Mangel an Information". Wohl auch deshalb verließen immer mehr Steuerzahler ihren Religionsanbieter.
Manche User wollten auch das Angebot des Religionsanbieters in Anspruch nehmen, ohne Steuern zu bezahlen. Immerhin könne man aus der Kirche austreten. "Diesen Service bieten ARD und ZDF nicht!" Immer wieder illustrierte Masuth seine Texte mit Melodien auf dem Piano. Da war das "Lied der Deutschen", das in Moll viel besser zu uns passen würde als im fröhlichen Dur, aber auch viele eigene Kompositionen. Die bot er als Klaviernoten und auf CD zum Kauf an, man müsse schließlich jetzt schon an Weihnachten denken!

Tango am Schluss

Mit "Stille Nacht", das alle zu Masuths Pianospiel summten, und "O du fröhliche" als einem leidenschaftlichen Tango endete der gelungene Abend: kräftiger, ausdauernder Applaus!
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