Lesung mit Lothar Müller im Literaturarchiv - Araber als Schlüssel für Erfolgsgeschichte
Epoche des Papiers als weiße Magie

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.04.2013
0
0
Man kann viel damit machen, es zum Schreiben oder zum Drucken verwenden. Letztere Anwendung ist zumindest seit Gutenberg unabdingbar für größere Auflagen von Büchern etwa. Die Rede ist von Papier. Genauer, welche Möglichkeiten und welche Magie in diesem "Beschreibstoff" innewohnt. All das zeigte Lothar Müller im Literaturarchiv auf.

Er erzählt in seinem Buch "Weiße Magie. Die Epoche des Papiers", wie das aus China stammende Papier durch die Araber nach Europa kam und zu einem wichtigen Grundstoff der modernen Zivilisation wurde. Wie Müller Moderator Peter Geiger verriet, waren es zwei Interessensgebiete, die ihn zu diesem Buch inspirierten, nämlich sein Faible für die Literatur schlechthin und sein berufliches Metier Journalismus.

Lothar Müller, Jahrgang 1954, studierte Germanistik und Geschichte. Er war Dozent für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin und von 1997 bis 2001 Redakteur im Literaturblatt der FAZ. Heute ist er Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung mit Sitz in Berlin. Was macht das Papier letztendlich so bedeutsam? Nun, ohne Papier gäbe es die moderne Welt wohl gar nicht. Bildung wäre nur Einzelnen vorbehalten. Langsam, aber stetig, ging der Weg der Rohstoffe vom Papier-Maulbeerbaum, über Kleider und Lumpen bis hin zur Gewinnung aus Holz vonstatten. In der arabischen Welt, so Müller, fand, nachdem man das Geheimnis der Papierherstellung in China entdeckt hatte, quasi der Probelauf statt.

Stromer ein Vorreiter

Überall, wo die Araber hinkamen, brachten sie diesen magischen Stoff mit. Zunächst nach Italien, von dort auch nach Deutschland. Viele Papiermühlen entstanden in Nürnberg. Die Familie Stromer war hier Vorreiter. Seine Zeugen hierfür holt er sich aus der Literatur von Rabelais und Grimmelshausen, über Melville, von James Joyce bis Paul Valéry.

Man könnte meinen, Papier und Druckerpresse hätten sich gesucht und gefunden. Denn dadurch, dass diese Maschine erfunden wurde, gehörte die mühevolle Handarbeit der Vergangenheit an. Nicht mehr in den Skriptorien der Klöster wurden die Kopien durch Abschreiben hergestellt, sondern der Druck machte es jetzt möglich, eine größere Verbreitung von Schriftgut zu erreichen. Bücher konnten leicht vervielfältigt werden. Auch die Tageszeitungen konnten nur durch Papier und durch den Druck gemeinsam ihre Verbreitung finden. Immer wieder hört man, das digitale Zeitalter beende die Vorherrschaft des Mediums Papier. Weit gefehlt, stellte Lothar Müller fest, denn er meint, die Epoche des Papiers ist noch lange nicht vorüber.

Danach gab es noch eine Leseprobe aus dem Buch Müllers, der den Schriftsteller Herman Melville, Autor von Moby Dick, über die Dämonie der Farbe Weiß zu Wort kommen ließ. Bei Melville findet diese Farbe eine Entsprechung, denn weiß ist sowohl der unbesiegbare Wal Moby Dick, als auch das Papier im Büro des unwilligen Schreibers Bartleby - Melvilles Werk nach Moby Dick.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.