Linde von Kasberg markiert auch den Sitz einer uralten mittelalterlichen Gerichtsstätte
1000 Jahre Rechtsgeschichte

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
16.04.2013
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"Grün ist Leben", lautet ein Spruch. Und dieses Leben kann mitunter Jahrhunderte oder länger währen. Lange waren heuer Natur und insbesondere die laubtragenden Bäume trist und kahl, ein Zustand, der sich mit steigenden Temperaturen nun jedoch schlagartig ändern wird. Auch wenn es derzeit nicht so scheint, wird die mehr einem Baumtorso gleichenden Linde von Kasberg in der Fränkischen Schweiz demnächst wohl wieder kräftiges Grün tragen.

Fragt sich nur, was die längst bessere Zeiten gesehene Linde aus jenem Ortsteil von Gräfenberg in Oberfranken mit den beiden Städten im Westen des Oberpfälzer Landkreises gemeinsam hat? Die Kasberger Linde ist nicht nur ein einmaliges Naturdenkmal von ehemals gewaltigen Ausmaßen, sondern sie markiert auch den Sitz einer uralten mittelalterlichen Gerichtsstätte, die ursprünglich von Sulzbacher und nach deren Rückzug von Auerbacher Landrichtern betreut wurde.

Weit ins fränkische Land

Die rechtssprechende Gewalt der Sulzbacher und Auerbacher Gerichtsherren erstreckte sich ab dem 14. Jahrhundert bis weit in fränkisches Land. Ihr Gerichtssprengel war faktisch identisch mit dem Territorium der Sulzbacher Grafschaft und reichte im Westen bis an die Regnitz, also bis in die Gegend von Forchheim und Erlangen.

Eine urkundliche Nachricht aus dem Jahre 1359, stammend vom Bamberger Bischof Lupolt (Leopold) an den Kaiser Karl IV., nennt vier Gerichtsorte im Norden und Westen der Grafschaft, die zum Bezirk des Landgerichts Sulzbach gehörten, darunter eben auch "Kapfsberg", heute Kasberg in Oberfranken.
Unter der einst mächtigen Linde in diesem hochgelegenen Juradorf hielt 1360 - so wird berichtet - der Sulzbacher Landrichter Volkelt von Taun (Tanne) jeweils am Mittwoch Gerichtstag. Fanden die Gerichtsverhandlungen ursprünglich unter freiem Himmel statt, zog man später feste Behausungen und zentrale Orte zur Urteilsfindung vor. Im Jahre 1373 fällt die Hauptstadt von "Neuböhmen" Sulzbach und der südliche Teil von Grafschaft und Landgericht nach dem Willen von Kaiser Karl IV. an die Wittelsbacher. Lediglich der Norden des Territoriums verbleibt unter der Krone Böhmens. Auerbach wird nunmehr Mittelpunkt und Hauptort "Neuböhmens" und gleichzeitig auch Sitz eines Landgerichts.

Das den vom ehemaligen Sulzbacher Gerichtssprengel losgelösten Bereich von der Regnitz im Westen bis nach Grub bei Pressath im Osten übernimmt (nach Fritz Schnelbögl) Auerbach in der Oberpfalz.
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