31.08.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Maria Boßle über chronischen Schmerz Therapiezentrum dringend nötig

Sulzbach-Rosenberg. (ge) Er kann einen Menschen zermürben, fertigmachen, schlussendlich zerstören: Chronischer Schmerz ist eine noch immer relativ unterschätzte Erscheinung mit vielfältigen Gründen. Maria Boßle, Betroffene und Leiterin der Herzogstädter Selbsthilfegruppe, erklärt den Lesern unserer Zeitung, wie es um die Betroffenen steht.

Sechs Seiten lang ist die Titelgeschichte des Magazins der Deutschen Schmerzliga, Nova. Maria Boßle beschreibt hier ihre Geschichte und Ziele.
von Redaktion OnetzProfil

SRZ: Frau Boßle, warum gründeten Sie in Sulzbach-Rosenberg eine Selbsthilfegruppe der Deutschen Schmerzliga?

Auf der Suche nach Schmerzärzten in der Umgebung lernte ich die Deutsche Schmerzliga und ihr Angebot kennen. 2001 wurde ich Mitglied der Patientenorganisation. Weil es in Bayern nur eine DSL-Selbsthilfegruppe gab, gründete ich zum Vermächtnis meiner verstorbenen Münchner Schmerztherapeutin und mit Unterstützung der DSL 2003 die Selbsthilfegruppe "Chronischer Schmerz" Sulzbach-Rosenberg.

Von Anfang an war das Interesse sehr groß. Inzwischen, nach neun Jahren, sind wir 52 Mitglieder. Die Unterstützung durch die persönlichen Kontakte mit dem Präsidenten der Deutschen Schmerzliga und der Geschäftsleitung sind für unsere Öffentlichkeitsarbeit eine große Hilfe. Das Motto der DSL "Zuhören, verstehen, helfen" wird hier in Sulzbach-Rosenberg praktisch umgesetzt.

Welchen Flächenbereich deckt die Gruppe ab?

Unsere Mitglieder kommen aus Theuern, Paulsdorf, Amberg, Hirschau, Vilseck, Hahnbach, Neukirchen, Edelsfeld, Königstein, Auerbach, sogar bis aus Pegnitz hilfesuchend ins St.-Anna-Krankenhaus. Was sind die Hauptziele?

Zu dem erklärten Ziel der DSL (Verbesserung der Lebensqualität) gehört jetzt noch unbedingt die verbesserte therapeutische Versorgung chronisch Schmerzkranker. Für viele Schmerzpatienten ist stationäre, interdisziplinäre Behandlung nötig. Vor allem die Einstellung auf Morphin-Therapie sollte bei älteren Menschen und Risikopatienten vollstationär erfolgen, da Übelkeit, Schwindel, Atemnot, Müdigkeit auftreten können. Zudem besteht absolutes Fahrverbot (bis zu sechs Wochen) in Ein- und Umstellungsphase.

Schmerzpatienten fühlen sich oft "im Regen stehen gelassen", haben das Gefühl, von der Schmerzerkrankung mehr zu verstehen als manche Ärzte. Wo finden sie Hilfe?

Hier können wir als Selbsthilfegruppe Beratung sowie Unterstützung anbieten. Maßgeblicher Erfolg für unsere Arbeit ist die hervorragende Unterstützung durch das St.-Anna-Krankenhaus, von Räumlichkeiten für Erfahrungsaustausch, Tagungen bis zu Fachvorträgen von Ärzten und Pflegepersonal. Bei drei bisherigen Sulzbach-Rosenberger-Schmerztagen waren Ärzte, Schmerztherapeuten und Rechtsanwälte hier im St.-Anna-Krankenhaus zu hören und zu sprechen. Erfahrten Sie auch Zuspruch von anderen Stellen?

Ja, natürlich. Viele Ärzte, Therapeuten und Heilpraktiker aus dem Landkreis informieren uns bei den monatlichen Treffen mit Fachvorträgen über verschiedenste Therapieformen. Inzwischen vermitteln zahlreiche Sulzbach-Rosenberger Ärzte ihren Patienten den Kontakt zu unserer Gruppe. Ich selbst gebe den Schmerzpatienten vor Ort persönliche wie telefonische Hilfe und Beratung bei medizinischen und sozialrechtlichen Problemen.

Wie ist die Versorgung der Schmerzpatienten der Umgebung?

Zur Zeit steht im Umkreis von 45 Kilometer kein einziger Schmerztherapeut zur Verfügung. Durch die hohen Auflagen für Zulassung und Arbeit als Schmerztherapeut mussten bei uns vor sechs Jahren die wenigen Schmerzpraxen schließen. Erfreulicherweise bemühen sich inzwischen einige Haus- und Fachärzte um eine, ihrem Zeitbudget entsprechend, gute Schmerzversorgung.

Wohin müssen Sie sonst fahren?

Die nächsten Schmerzambulanzen sind in Regensburg, Erlangen, Nürnberg; die nächste vollstationäre Schmerztherapie gibt es in Regensburg, Erlangen, München, Schmerztageskliniken sind in Weiden, Neumarkt, Nürnberg und Erlangen. Was sind Ihre Wünsche?

Dass wir für chronische Patienten mit akuten Schmerzschüben hier im Umkreis keine stationären Betten, keine teilstationäre Behandlungsmöglichkeit sowie keinen einzigen Schmerztherapeuten zur Verfügung haben, zeigt, wie dringend notwendig seit langem ein Schmerztherapie-Zentrum, vor allem eine Schmerzambulanz, im Landkreis Amberg-Sulzbach ist.

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Das Programm der SHG findet man auf der Homepage unter www.shg-chronschmerz-suro.de

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