22.09.2004 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

MdB Rudolf Kraus informierte Frauenunion über Entwicklungshilfe - Spenden für Uganda Auch Westen braucht starkes Afrika

Er musste seine Meinung, dass Entwicklungshilfe nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung interessant ist, revidieren, zumindest bei seinem Vortrags- und Diskussionsabend mit der CSU-Frauen-Union Sulzbach-Rosenberg: Bei MdB Rudolf Kraus interessierten die Situation verschiedener Entwicklungs- und Schwellenländer, Formen der deutschen Entwicklungshilfe, Finanzierung von Projekten und deren Erfolg und Nutzen.

von Helga KammProfil

Gleichzeitig gab es eine Entwicklungshilfe im kleinen: Die Frauen-Union spendete 200 Euro für Pater Gerner, einen Oberpfälzer, der in Uganda lebt und arbeitet.

Als herben Dämpfer für die weltweite Armutsbekämpfung bezeichnete der CSU-Bundestagsabgeordnete Rudolf Kraus, seit sechs Jahren Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Kürzung des Entwicklungsetats 2005. Angesichts der vielfältigen Probleme im eigenen Land aber, so Kraus, werde sich der Aufschrei darüber in Grenzen halten, dass die Bundesrepublik ihr Ziel nicht erreichen werde, in absehbarer Zeit 0,33 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe zu verwenden.

Der Abgeordnete betonte, dass Entwicklungshilfe aber in jedermanns Interesse liegen müsse, denn ein Leben ohne Hoffnung und Zukunftsperspektive bereite den Boden für Terrorismus, führe zu Verrohung, fördere die dramatische Ausbreitung von Aids und habe einen erheblichen Zuwanderungsdruck auf die Industrieländer zur Folge.

"Wir müssen unseren Nachbarn helfen, schon im eigenen Interesse", forderte Kraus, "und deshalb darf die Entwicklungs-zusammenarbeit haushaltspolitisch nicht so stiefmütterlich behandelt werden." Eine Reihe von Staaten, vor allem in Südostasien, so der Politiker, habe sich vom Entwicklungsland zum Schwellenland aufschwingen können.

Hilfe ist sinnvoll

Andere, z.B. Togo, hätten es nicht geschafft, ihren Standard zu erhalten und seien zurückgefallen. Lesotho, Botswana oder Simbabwe drohten durch die extreme Zunahme von Aids verheerende volkswirtschaftliche Folgen. Der Westen könne an einer immer schnelleren sozialen, ökonomischen und politischen Talfahrt der afrikanischen Länder aber kein Interesse haben, er brauche eine positive Entwicklung, Handelspartner, die auf dem Weltmarkt mithalten können.

Entwicklungshilfe sei deshalb sinnvoll und habe in einigen Ländern bereits viel erreicht. Sie einzustellen, wäre eine Bankrotterklärung. Es gelte Hilfen in die Länder zu bringen, "sonst laufen wir Gefahr, dass diese Menschen einmal alle vor unserer Tür stehen." Interessenskonflikte, so der Abgeordnete, bestünden zwischen weltweitem Umweltgedanken und den berechtigten Interessen der einheimischen Bevölkerung in der Dritten Welt.

Im eigenen Interesse

Das Abholzen des Regenwaldes, Klimaveränderungen oder das Aussterben von Tierarten seien dort eben weniger wichtig als z.B. Ölpalmen, die man auf den gerodeten Urwaldflächen pflanzen könne. Auch hier, so Kraus, sei "in unserem eigenen Interesse" Hilfe nötig. In der Diskussion kamen auf den Redner viele Fragen aus den Reihen der Mitglieder von Frauenunion, Junge Union und dem Wehrpolitischen Arbeitskreis zu.

Kritisiert wurden die großen amerikanischen Konzerne, die in den Entwicklungsländern vielfach den Markt beherrschen und die Einheimischen zu Tagelöhnern degradieren. Die deutsche Entwicklungshilfe dagegen, so Kraus, "exportiere" berufliche Bildung, führe in der technischen Zusammenarbeit Projekte durch, vergebe Kredite und Zuschüsse. Oberstes Ziel hierbei sei die Hilfe zur Selbsthilfe im jeweiligen Land.

Als momentane Schwerpunkte deutscher Entwicklungshilfe bezeichnete MdB Kraus Mali und Niger. Afghanistan erhalte enorme Hilfen, der Irak eigentlich nur medizinische Hilfe, weil kaum jemand zur Zeit zu einem Einsatz dort bereit sei.

In diesem Zusammenhang würdigte er die Arbeit vieler "Einzelkämpfer", von "Afrika Luz" und Dr. Erös über die Familie Taubmann bis hin zu den Eine-Welt-Läden oder "Bananen-Joe", die vor Ort in den Entwicklungsländern Strapazen auf sich nehmen oder sich hier ehrenamtlich engagieren.

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