12.05.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Nach drei Prozessen: 37-Jährige erhält für Beihilfe nur Bewährungsstrafe Doch keine Haft für verhinderte Drogenkurierin

Mehrere Jahre lang musste sie mit der Befürchtung leben, irgendwann hinter Gitter zu wandern. Erst nach der dritten Prozessrunde steht jetzt fest: Die Beihilfe zu einem spektakulären Rauschgifttransfer geht für eine 37-Jährige aus dem nördlichen Kreis Amberg-Sulzbach mit 21 Monaten zur Bewährung ab. In die juristische Auseinandersetzung hatte sich auch das Oberlandesgericht in Nürnberg eingeschaltet.

von Autor HWOProfil

Im August 2008 hatten Zöllner an der Grenze von Schweden nach Norwegen zwei Frauen aus der Oberpfalz festgenommen. Sie sollten als bezahlte Kuriere insgesamt 16 Pfund Heroin und Kokain im Marktwert von 1,5 Millionen Euro zu skandinavischen Dealern bringen. Als umfangreiche Ermittlungen begannen, wurde auch die Staatsanwaltschaft in Amberg eingeschaltet. Der Grund: Im nördlichen Landkreisgebiet gab es einen damals 34-Jährige, die zunächst an dem Drogentransport hätte teilnehmen sollen. Weil sie aber aus dienstlichen Gründen nicht mitfahren konnte, telefonierte die Frau mit einer Nachbarin und bot ihr an, gemeinsam mit einer Zivilamerikanerin aus Grafenwöhr die etliche Hundert Kilometer lange Tour von Amsterdam quer durch Europa auszuführen.

Die Amberger Anklagebehörde holte die Mutter zweier Kinder wegen Beihilfe und Anstiftung zum unerlaubten Rauschgifthandel vor ein Schöffengericht. Am Ende gab es zwei Jahre und neun Monate Haft. Die Richter sahen damals sowohl die Beihilfe als auch die Anstiftung als gegeben an. Wenige Monate später kam es vor der 2. Strafkammer des Amberger Landgerichts zu einer Berufungsverhandlung. Ergebnis dabei: Die Anstiftung wurde im Urteil fallen gelassen, wegen Beihilfe gab es 22 Monate mit Bewährung.

3000 Euro "Entlohnung"

Die Staatsanwaltschaft wollte sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden. Sie legte Revision zum Nürnberger Oberlandesgericht ein. Dort wurde das in Amberg ergangene Urteil überprüft, in einigen Passagen aufgehoben und zur erneuten Verhandlung an das Landgericht Amberg zurück verwiesen.

Unter Vorsitz von Richter Gerd Dressler gab es nun den dritten Prozess in gleicher Sache. Er dauerte nur zwei Stunden, wobei die reinen Fakten als geklärt galten. Fest stand, dass die heute 37-Jährige einer eng mit ihr befreundeten Nachbarin den Kurier-Job angeboten und rund 3000 Euro als "Entlohnung" angekündigt hatte. Fraglich aber blieb bis zum Schluss, ob sie wusste, dass 16 Pfund Kokain und Heroin bis nach Norwegen gebracht werden sollten. Erneut unterstrich die Frau jetzt: "Ich hatte angenommen, dass es um Marihuana oder Haschisch gehen sollte."

In seinem Plädoyer blieb Staatsanwalt Jürgen Konrad bei seiner während des gesamten Verfahrens vertretenen harten Linie. Konrad erinnerte die Strafkammer daran, dass es "um acht Kilo harter Drogen ging". Er hielt es deshalb für geboten, "zur Verteidigung der Rechtsordnung" durchzugreifen. Daraus resultierte sein Antrag auf zweieinhalb Jahre ohne Bewährung. "Ich bin sehr überrascht", konterte Verteidiger Jürgen Mühl. Die Revision zum Oberlandesgericht, schrieb er dem Staatsanwalt ins Stammbuch, sei "von vornherein nicht begründet gewesen". Aus diesem Grund und im Einklang mit der Urteilsprüfung durch das Oberlandesgericht komme nur eine Haftstrafe mit Bewährung in Frage.

Keine Anstiftung

Diese Auffassung vertrat auch die 4. Strafkammer. Sie verhängte 21 Monate zur Bewährung und gab der Frau auf, 150 unentgeltliche Arbeitsstunden zu leisten. "Es war Beihilfe", hieß es in der Urteilsbegründung. Damit rückte die Kammer vom Vorwurf der wesentlich schwerer wiegenden Anstiftung ab und hielt, so Richter Dressler, "eine Vollstreckung der Haft nicht für notwendig". Die Entscheidung wurde noch im Sitzungssaal rechtskräftig.

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