26.01.2005 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Offene Sonderpädagogische Beratungsstelle bietet Eltern und Pädagogen Hilfen an Wenn Erziehung an Grenzen stößt

Ein Lichtblick für ratlose oder überforderte Eltern: Wenn sie sich mit der Erziehung nicht mehr zu helfen wissen, weil ihre Kinder Sprach-, Lern- oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen, gibt es jetzt für sie wie auch für Pädagogen eine kompetente Adresse: Die Offene Sonderpädagogische Beratungsstelle am Sonderpädagogischen Förderzentrum Sulzbach-Rosenberg. Als zweite Beratungseinrichtung dieser Art in der Oberpfalz hat sie vergangene Woche ihre Arbeit aufgenommen.

von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Sonderschulrektor Manfred Schießl freute sich bei der offiziellen Eröffnung der Beratungsstelle an seiner Schule im Schulzentrum Krötensee sichtlich über das rege Interesse, das schon in der Anlaufphase Lehrkräfte, erzieherisches Fachpersonal, aber auch Eltern signalisiert haben.

Viele "Problemkinder"

"Die ersten Anrufe von Eltern zur Vereinbarung von Terminen sind bereits eingegangen", so Schießl, der in diesem Zusammenhang nachdrücklich die Bereitschaft dieser neuen Einrichtung zur Zusammenarbeit mit allen beteiligten Personen und Institutionen (Frühförderstellen, Kindergärten, Schulen, Schulpsychologen, Beratungslehrern, Jugendsozialarbeit, Pädagogen, Eltern, Ärzten, Therapeuten usw.) unterstrich.

Immer mehr lern- und leistungsbeeinträchtigte, verhaltensgestörte, sprachbehinderte und entwicklungsverzögerte Kinder besuchen unsere Kindergärten und Volksschulen, beschrieb Manfred Schießl die aktuelle Situation. Neben den sichtbaren Verhaltenstörungen nehmen bei den betroffenen Kindern auch die Sprechprobleme zu. Interesse und Begeisterungsfähigkeit verringern sich, der Gemeinschaftssinn nimmt ab, Verantwortung wird auf andere geschoben.

Falsche Konsequenzen

In ihrer Ratlosigkeit ziehen viele Eltern die falsche Konsequenz: Es wird gar nicht mehr erzogen, nach dem Motto "Wer nichts macht, macht nichts falsch". Es fehlt an ruhiger Zuwendung und Auseinandersetzung, gegenseitigem Verstehen, geduldiger Suche nach Ursachen, Anstrengungsbereitschaft von Vater und Mutter.

Begleitende Autorität ist wichtig. Grenzen setzen bringt den Kindern bei, dass Konflikte zum Leben gehören und bewältigt werden können. Mit Zuwendung nur in Form von Leistungsangeboten überfordern hyperehrgeizige Väter und Mütter ihre Sprösslinge. Kinder brauchen in der multimedialen Welt mehr soziale Orientierung als jemals zuvor, wobei sie zunehmend in die Rolle selbstbewusster, digitaler Experten aufrücken.

Inmitten dieser Entwicklungen suchen Eltern, Erzieher und Lehrer zunehmend Hilfestellungen. Hier liegen die Aufgaben des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes (MSD). Es kann aber nur ein Teil der Grund- und Hauptschule mit MSD-Stunden versorgt werden und damit auch nur ein Teil der förderbedürftigen Kinder eine entsprechende Betreuung erhalten. Viele Auffälligkeiten erfordern unmittelbares Handeln, und hier setzt die neue Sonderpädagogische Beratungsstelle an, indem sie ein sonderpädagogisch fundiertes Angebot an fachlich orientierten Förderideen und -materialien für interessierte Eltern, Lehrer und Erzieher vorhält.

Nachbarn interessiert

Die Anwesenheit der Sonderschulrektoren Hermann Gnahn von der Willmannschule Amberg, Franz Beyerlein und Michel Zirngibl von den Sonderförderzentrum Weiden und Schwandorf unterstrich den Stellenwert, den man in pädagogischen Fachkreisen dieser Offenen Beratungsstelle beimisst. Auch in den genannten Schulen der Nachbarstädte sollen je nach räumlichen und personellen Möglichkeiten in absehbarer Zeit solche Beratungsstellen entstehen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.