30.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

PC sichergestellt - Hausdurchsuchung bei notorischem Internet-Beleidiger - Schon wieder online Die Kripo zieht den Stecker raus

Der Mann, der nach dem Hinauswurf aus einem Freibad im Landkreis ein ganzes Dorf und ihm in die Quere kommende Menschen per Internet-Blog kübelweise mit Beleidigungen überschüttet (wir berichteten), musste für kurze Zeit schweigen. Bei einer Hausdurchsuchung stellten Polizeibeamte seinen PC sicher. Doch die Blog-Unflätigkeiten gehen weiter.

von Michael Zeissner Kontakt Profil

Nachdem die AZ das Treiben des 61-Jährigen aufgegriffen hatte, erstattete eine ganze Reihe von Betroffenen Anzeige gegen den einschlägig gerichtsbekannten Mann. Die deshalb angelaufenen Ermittlungen zogen jetzt einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss nach sich, der in der zurückliegenden Woche vollzogen wurde. Das bestätigte Leitender Oberstaatsanwalt Harald Riedl. Seither sind die Behörden im Besitz eines PCs des Mannes. Offenbar hegen sie den dringenden Verdacht, auf strafrechtsrelevante Dateien zu stoßen. Nach was die Beamten suchen, dazu schweigt Riedl.

"Unzulässige Inhalte"

Die ausufernden bis exzessiven Ausfälligkeiten des 61-Jährigen griffen immer öfter sexuelle und gewaltverherrlichende Bezüge auf. Die unter anderem von den Landesmedienanstalten unterstützte Stelle Jugendschutz.net spricht hinsichtlich der beiden Blogs des 61-Jährigen von "unzulässigen Inhalten", die unter anderem dem "rechtsextremen Spektrum" zuzuordnen seien. In einem Fall macht das Portal einen "Verstoß gegen die Menschenwürde" geltend und sieht die Anwendung des Strafgesetzbuch-Paragrafen 131 "Gewaltdarstellung" für gegeben an.

Ausgangspunkt des Hinauswurfes des Mannes aus dem Freibad war jedoch ein anderer. Mehrere Mädchen aus dem Ort im Alter von 13, 14 Jahren hatten sich von dem 61-Jährigen wegen wiederholter Anzüglichkeiten belästigt gefühlt, manche waren verängstigt. Zudem sprach er sie über seine öffentlich zugänglichen Blogs namentlich an und brachte sie mehr oder minder direkt mit seinem unverhohlen spannerhaften Gebaren in Verbindung. Im Dorf hatte sich deshalb offener Unmut breit gemacht und bei Eltern kamen Ängste um die Sicherheit ihrer Töchter auf. Das bestätigte eine Mutter der AZ.

Verbale Exzesse

Nach einer verbalen Auseinandersetzung mit Jugendlichen aus dem Ort und dem zuständigen Aufsichtspersonal flog deshalb der 61-Jährige per mündlichem Hausverbot Anfang Juli aus dem Freibad, und die Gemeinde leitete ein Verfahren für ein längerfristiges Badeverbot ein. Seither werden der Bürgermeister des Orts, das Bäderpersonal und das gesamte Dorf per Internet mit Unflätigkeiten, Beleidigungen und Anzüglichkeiten überschüttet. Entsprechende neue Anzeigen gegen den Mann - einschlägige Verfahren sind bereits bei Gericht anhängig - ließen nicht lange auf sich warten, nachdem die Ausfälligkeiten immer tiefer unter die Gürtellinie gerutscht waren.

Konfrontation gesucht

Bei bloßen Diffamierungen per Blog-Publikationen blieb es inzwischen nicht mehr. Der 61-Jährige suchte auch die direkte Provokation und stattete als Inhaber einer Saisonkarte dem Bad nach dem Hinauswurf einen Besuch ab, um offenbar gezielt einen Eklat heraufzubeschwören. Auch diesen Auftritt nutzte er, um seine Beleidigungsexzesse per Internet auszuleben. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung soll der Mann unbestätigten Informationen zufolge Widerstand gegen Polizisten geleistet haben. Trotzt der Sicherstellung des PCs herrscht keine Ruhe auf den Blog-Seiten. Bis zur nächsten Unflätigkeit dauerte es keine 48 Stunden.

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