Pferde helfen beim Schulprojekt "Zukunftswald Stephansricht": Waldumbau auf Ausgleichsfläche
Tonnenschwere Spezialisten

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
04.05.2013
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Ausgleich muss sein: Fällt hier ein Wald, werden dort wieder Bäume gepflanzt. Die Stadt nimmt dies ernst und kompensiert die Rodung für das Industriegebiet Kauerhof durch eine Waldbau-Maßnahme in Stephansricht: Dort halfen sogar schwere Rückepferde mit bei der anspruchsvollen Holzarbeit.

Wegen der notwendigen Rodung für Eine ökologische Ausgleichsmaßnahme ist es, die im Stadtwald läuft: Auf einer 3,7 Hektar großen Fläche, die sich in ca. 1,6 Hektar Wald (Westteil) und 2,1 Hektar Ackerfläche (Ostteil) gliedert, wird sie durch naturschutzfachliche Aufwertung realisiert.

Die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt hatte verschiedene Auflagen festgesetzt, die in mehreren Schritten innerhalb von fünf Jahren umgesetzt werden müssen. Diese Gelegenheit nutzten die Verantwortlichen, um im Stadtwald das Schulprojekt "Zukunftswald Stephansricht" ins Leben zu rufen.

Mehr Laubholzanteil

2011 halfen bereits zwei Schulklassen unter dem Motto "Schüler pflanzen ihren Zukunftswald", einen stufigen Rand entlang der Wald-Wiesen-Grenze zu begründen. 2013 nun soll eine weitere Auflage umgesetzt werden: Der dortige Wald, ein Kiefern-Fichten-Buchen-Altbestand, muss von aktuell lediglich ca. zehn Prozent Buchenanteil auf rund 70 Prozent Laubholzanteil umgebaut werden.
Die Stadt lässt ihren Wald von der Bayrischen Forstverwaltung "beförstern", so der Fachausdruck für die Bewirtschaftung. Zuständig dafür ist das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, das acht Reviere besitzt.

Förster Volker Binner leitet das Revier Sulzbach-Rosenberg. Eine der Aufgaben von Forstamtsrat Binner ist die Ausbildung von Forstanwärtern und Praktikanten. Aktuell wird Forstanwärterin Silvia Pflug in Sulzbach-Rosenberg geschult. In ihrer Ausbildung ist sie als Einsatzleiterin mit der Waldumbaumaßnahme auf der Ausgleichsfläche Stephansricht betraut.

Um den Waldumbau realisieren zu können, mussten zunächst Bäume entnommen werden. Da jede Pflanze neben Nährstoffen auch Wasser, Sonnenlicht und Wärme zum Wachsen braucht, muss das Sonnenlicht am Waldboden ankommen. Die alten Buchen auf der Fläche fungieren als Samenbäume und sollen sich natürlich verjüngen. Andere Baumarten wie Tanne, Ulme, Eisbeere oder Linde gibt es im Altbestand nicht, sie werden deshalb gepflanzt.
Auf 30 Prozent der Waldfläche, das sind knapp ein halber Hektar, werden im Herbst mit Tanne, Ulme, Eisbeere und Linde wachsen. Auch hier setzen die Planer natürlich wieder auf tatkräftige Unterstützung durch die Schulkinder.

Licht auf den Boden

Zunächst musste aber das Rückegassensystem, also die Abtransportwege, vervollständigt werden, um das geschlagene Holz möglichst ohne Schäden an Bäumen und Boden aus dem Wald zu bringen.Um die Samenproduktion der Altbuchen anzuregen, brauchen diese viel Energie, die sie aus Sonnenlicht gewinnen. Deshalb entnahmen die Förster vor allem die Nachbarn der Samenbäume.

Ebenfalls mit "Lichtgabe" halfen sie der bereits vorhandenen Buchennaturverjüngung. Dort, wo sich Pflanzung anbietet, wurden Baumgruppen gefällt, wodurch Lücken im Kronendach entstanden. Durch sie gelangt Licht auf den Waldboden, was überlebensnotwendig für die jungen Bäume ist, deren Pflanzung in diesem Herbst ansteht.

Den Holzeinschlag übernehmen die Waldarbeiter (Holzhauer) des Forstunternehmers Markus Graf, Schönlind. Die Rückung, also den Transport der gefällten Bäume aus dem Wald, bewerkstelligt Karl Wölker aus Vilseck mit Rückeschlepper und seinen Helfern Olli (zehn Jahre) und Titan (sechs Jahre).

Über zwanzig Zentner

Die beiden Kaltblutpferde der Rasse Percheron stammen aus Frankreich, wo sie Karl Wölker als zweijährige Fohlen nach Bayern geholt hat, um sie zu Rückepferden auszubilden. Die Ausbildung ist aufwendig, aber nach etwa drei Monaten verstehen die Pferde die Kommandos: Jeweils über eine Tonne Lebendgewicht bringen sie mit, aber einen fleißigen Charakter...
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