"Pilz-Production" dreht Fantasy-Film im Stiberturm - Amazone Rondriane drei Tage in der Rüstung
Freizeit-Helden vor der Linse

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
28.08.2006
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Einmal zur falschen Zeit am falschen Ort und einmal zu oft "Ja" gesagt, und schon ist man dabei - bei der Pilz-Production. Natürlich nur, wenn man authentisch genug wirkt, schließlich soll ja alles so echt wie möglich sein. Das wird es auch, wenn sich die Schauspieler in 60 Kilogramm schwere Rüstungen zwängen, mit Zweihändern, Beuteln und Mänteln behängen und durch die Wälder streifen: Ein Fantasy-Film entsteht - auch in Sulzbach-Rosenberg.

Aus ganz Bayern - u.a. Kelheim, Forchheim, Erlangen und Sulzbach-Rosenberg - kommen die Fantasy-Freunde zu diesem Projekt zusammen. Es ist Rafael Friebes zweiter Mittelalter-Fantasy-Film, nachdem er bei der UFA schon Regie- und Filmerfahrung gesammelt hat.

Tolle Rolle

Bei "Life action role play"-Treffen sucht er sich seine Schauspieler, die meistens schon so gewählt werden, dass sie die auszufüllende Rolle bereits voll und ganz ausleben. So erzählt Mira Singer aus Sulzbach-Rosenberg, die im aktuellen Projekt "Schatten über Windenfels" die Amazone "Rondriane" spielt, dass sie bei solchen Rollenspielen bis zu drei Tagen in ihrer Rüstung steckt.

Um das Drehbuch kümmert sich Dominik Fischer alias "Tjorgi", der als gelernter Buchhändler mit Spezialgebiet "Fantasy" wie geschaffen dafür ist. Christine Ullrich ist als Aufnahmeleiterin die "Elfe für alles" und organisiert von Zeitplänen, über Requisiten bis zur Verpflegung von 25 "Sterberollen" alles bis ins letzte Detail.

Auch die anderen Laiendarsteller stehen trotz ihres Hobbys mit beiden Beinen fest im Leben. Als Student oder in verschiedensten Berufen opfern sie meist ihre Wochenenden und ihr Gehalt, um den Film voranzutreiben.

Denn die Pilz-Production finanziert ihre Projekte zum Großteil aus privater Hand und ist auf die Unterstützung der Städte und Gemeinden angewiesen, die alte Gemäuer oder Kerker kostenlos zur Verfügung stellen.

Immer Spaß dabei

Trotz des knappen Budgets kommt der Spaß am Drehort nie zu kurz. So beschwert sich der Doppelrollen-Darsteller Alex Straub über sein Kostüm - "Immer darf die Elfe was auf der Stirn haben und ich nicht! Die sagen, ich seh dann aus wie ein Ninja-Turtle".

Steckdosen tarnen

Kleine "Unfälle" und Störungen durch Fußgänger oder grellbunte Kinderschaukeln sorgen für allgemeine Belustigung. Überhaupt hat die heutige Zeit viele kleine und versteckte Hindernisse zu bieten.

Vor jedem Dreh müssen Steckdosen, Kabel oder Heizkörper abmontiert oder getarnt werden, um ein glaubwürdiges Mittelalter-Feeling zu schaffen, und darum kann die Vorbereitung einer Szene schon mal etwas länger dauern.

Spontanität wird bei den Freizeit-Rittern, Gnomen und Magiern auch groß geschrieben, denn den perfekten Drehort gibt es nicht. Einmal spielt das Wetter nicht mit, ein andermal gleicht eine Höhle mehr einer Räucherkammer als der benötigten düsteren Kulisse, und dann wird kurzerhand umdisponiert und umgeschrieben.

Spontane Einfälle

Zudem leben die Rollen von spontanen Einfälle und Änderungen. Wenn es beim Take 1 noch "Habt ihr Interesse?" heißt, lautet der Text bei Take 2 "Wie sieht's aus, seid ihr interessiert?". Nach einem bis zu 14 Stunden dauernden Drehtag schleichen sich derartige Änderungen leicht ein, und kleine Fehler machen durchaus Spaß.

Erfolgreiche Suche

Die Kulissensuche für "Schatten über Windenfels" war erfolgreich. Im ganzen Landkreis ist das Filmteam herumgekommen und hat sich sowohl mit Schulklassen auf Burg Hohenstein bei Kirchensittenbach als auch mit toten Spinnen im Stiberturm und störrischen Pferden arrangiert, um im vorgesehenen Zeitplan zu bleiben.

Interessenten, Helfer und Sponsoren sucht die "Pilz-Production" immer, und die können sich unter http:// pilz-production.de.vu über vergangene und aktuelle Projekte in Sachen Film informieren.