"Poetry Slam" in der Historischen Druckerei Seidel - Fünf junge Männer begeistern das Publikum
Große Emotionen fast im Minutentakt

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
02.12.2011
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Eine neue Generation Literaturschaffender mischt die Szene auf - die Poetry Slammer. Fünf von ihnen waren in der Historischen Druckerei Seidel zu Gast und machten der modernen Gattung "Live-Literatur" alle Ehre.

Mit verstaubten Dichterlesungen hat ein "Poetry Slam" wenig zu tun. Da regiert statt Betulichkeit die überschäumende Freude am Wort, das Streben, starke Emotionen zu erzeugen. Es ist eine ganz neue Lust am Erzählerwettbewerb, die eine junge Poetengeneration auf die Bühne lockt. Dichtung als Event? Warum nicht, wenn es gut geschriebenes Wort unter die Leute bringt.

An diesem Abend betreten fünf junge Männer die Bühne, Jonathan Baumgärtner, Eny 42, Sage Dragon, Oliver Graf und Kornelius Friz, die unter Moderation einer redegewandten "Halbschottin", Loony Lorna, ihre Texte nach den strengen Regeln eines "Poetry Slams" vortragen. Also nur Selbstgeschriebenes, keine Requisiten, keine Kostüme oder Musik.

Ein bisschen Gesang ist in den beiden Runden gestattet, jeweils sieben Minuten Vortragsdauer dürfen nicht überschritten werden. Die Texte sind breitgefächert; mit einem kleinen Lächeln registriert man, dass die Liebe mit ihren Irrungen und Wirrungen auch im 21. Jahrhundert noch viel Raum in jungen Köpfen einnimmt. Loony Lorna trägt die Regeln und ein englisches Gedicht vor, dann kommt als erster Jonathan Baumgärtner auf die Bühne. Texte mit lustigen Tiertiteln hat er dabei, aber auch nachdenkliches "Unterwegs-Sein" in Traumlandschaften, später im "Lebensüberdruss".
Eny 42, der einzige Oberpfälzer, provoziert mit politisch umgedeuteten Gebeten; als seine Traumfrau stirbt, findet er beklemmende Annäherung an das Geschehen.

Schlüssel zur Seele

Mit einer "Reise nach der Poesie" und den Augen als Schlüssel zur Seele zeigt sich Sage Dragon philosophisch tiefgründig, während Oliver Graf mit packenden Momentaufnahmen im zweiteiligen "Alles gelogen" Haarrissen im Beziehungsgeflecht nachspürt. Für Kornelius Friz ist "Treppenhaus" das zu bewältigende Leben, der Dialog mit dem Opa fein gezeichnete Abwehr und Zuneigung.

Mit ihrer Applaus-Stärke sorgten die Zuhörer für eine Vorentscheidung mit Kornelius, Oliver und Jonathan als Gewinnern, bei der Endausscheidung machte das Rennen Jonathan Baumgärtner, der als Preis eine Blumenelfe erhielt. Die Laien-Literaten bescherten dem Publikum einen unterhaltsamen Abend, nur an der Besucherstärke haperte es, was dem Applaus aber keinen Abbruch tat.
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