22.12.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Reichlich verworrene Holz-Posse mit vielen Darstellern beschäftigt Staatsanwalt und Richterin - ... Ein Kirschbaum und keine Leberkässemmeln

von Autor HWOProfil

Es geht um Bretter, Brennholz, Leberkässemmeln und einen Kirschbaum. Gemeinsam wurden all diese Utensilien zu einem Fall für den Staatsanwalt, obgleich sich die ganze merkwürdige Begebenheit eher als Stoff für eine herzhafte Komödie eignen würde. Zu diesem Stück mit dem Titel "Die Säge im Stamm" wird es nun in den ersten Tagen des neuen Jahres einen zweiten Akt vor dem Amberger Amtsgericht geben.

Im Vorgarten eines Mehrparteienhauses, das im nördlichen Landkreis steht und mehrfach schon in den Fokus polizeilicher Ermittlungen geriet, fand heuer eine Art Säuberungaktion statt. Die Hecke wurde geschnitten, ein Kirschbaum gefällt. Der Stamm blieb liegen. Er hätte - wie man jetzt erfuhr - vom Grundstückseigentümer und Baumbesitzer an einen Schreiner abgegeben werden sollen, der aus solchem Holz "nette Sachen" macht. An der Aktion waren mehrere Männer beteiligt. Unter ihnen ein Hausbewohner, der in seiner selbst beschriebenen Eigenschaft als guter Mensch um Gottes Lohn arbeitete und für seine Dienste "noch nicht einmal Leberkässemmeln" erhalten haben will. Der 50-Jährige, momentan in längerer Strafhaft und von dort zum Amberger Amtsgericht gebracht, las nach getaner Arbeit eher zufällig im Anzeigenteil der Presse von einem Zeitgenossen, der sich erbot, anfallendes Brennholz kostenlos abzuholen. Den rief er an und stellte Fracht in Aussicht.

Interesse geweckt

Der erfreute Brennholzabholer setzte sich ins Auto, kam aus dem Raum Weiden in das Dorf im nördlichen Kreis Amberg-Sulzbach und nahm zunächst alte Bretter mit, die dem 50-Jährigen gehörten. Bei dieser Gelegenheit wurde wohl auch über den im Garten liegenden Kirschbaum gesprochen. Und dabei soll die Andeutung gefallen sein, den könne er wohl auch abholen.

Völlig ahnungslos

Was der Mann nicht wusste: Der von einem Nachbarn gefällte Baum gehörte dem Hausbesitzer und hätte, sorgsam in längere Bretter geschnitten, schreinerischen Zwecken zugeführt werden soll. Der Holzabholer kam wieder, hatte eine Säge dabei und wollte den Stamm in Stücke zerlegen. Als sich das Sägeblatt eben durch die Rinde fraß und (amtlich genau eruiert) einen etwa zwei Zentimeter tiefen Schnitt hinterließ, will der 50-jährige Hausbewohner erfahren haben, dass seine avisierte Abgabe zum Nulltarif eine fatale Fehleinschätzung war.

"Daraufhin", so ließ der Beschuldigte vernehmen, "habe ich sofort Einhalt geboten". Zu spät, denn der senkrecht eingebrachte Schnitt, die Teilung in Bretter ab dann verhindernd, war bereits gesetzt. So stellten es auch Polzieibeamte fest, die an den "Tatort" alarmiert worden waren.
Vor der Amtsrichterin Jacqueline Sachse geht es nun um Sachbeschädigung. Die hatte zwar der Holzabholer begangen, allerdings in völliger Unwissenheit. Also wird dieses Delikt nun dem 50-Jährigen angelastet, der (ohne dafür zuständig zu sein) die Genehmigung zum Sägen erteilt haben soll. Dass er diese Kompetenz niemals besaß, bestätigte jetzt der von weit her angereiste Hausbesitzer. Er will seinerzeit über seinen Bruder telefonisch von den Vorgängen um den gefällten Stamm erfahren haben.

Bevor sich die Richterin entschloss, weitere Zeugen zur Causa "Kirschbaum" zu laden, bekam sie vom Beschuldigten einen längeren Vortrag darüber, wie schlimm ihm mitgespielt werde. Und das, "weil ich so gut bin" und bedauerlicherweise nicht einmal Brotzeit ausgereicht worden sei. Der Hausbesitzer, bis dahin schon in mancherlei Auseinandersetzungen mit seinem Mieter verwickelt, konterte: "Ich habe ihn nicht um seine Hilfe gebeten."

Droht Ungemach?

Fortsetzung im Januar. Wie es ausgehen könnte, ließ ein Hinweis der Vorsitzenden an den Angeklagten erahnen: "Sie können doch nicht einfach Holz verschenken, das anderen gehört."

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