26.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Riesenbärenklau im Stadtgebiet ein Problem Invasion durch Giftstaude läuft

Ein unerwünschter Gast steht am Waldrand. Imposant, schmuck anzuschauen, aber hochgiftig, nicht auszurotten und eigentlich nicht erwünscht in der Oberpfälzer Pflanzenwelt: Der Riesenbärenklau, die "Herkulesstaude", macht sich auch bei uns zunehmend breit, zum Beispiel im Bergbau-Bruchgebiet, aber auch im Umland, im Wald, an Bahnstrecken und im Ödland finden sich ganze Wälder dieser Staude.

Herrliche Korbblüten locken die Insekten. Für Menschen ist allerdings höchste Vorsicht geboten. Bilder: Gebhardt (4)
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Das Bundesamt für Naturschutz hat eine klare Meinung zu den "Neubürgern", den Neophyten oder "invasiven Arten". Von der Behörde wird die Pflanze als problematisch eingestuft, es gibt viele Tipps zu Gegenmaßnahmen, die aber nicht einfach sind (siehe Info-Kasten "Bekämpfung").

Auch die Stadtgärtnerei hat damit ihren Ärger: Gärtnermeister Klaus Herbst tüftelt schon lange immer neue Bekämpfungsmethoden aus. Schließlich müssen seine Leute in kompletten Schutzanzügen arbeiten, wenn sie der giftigen Staude zuleibe rücken.

"Wird der Bärenklau gemäht, treibt er so lange wieder aus, bis er einmal zum Blühen kommt." Momentan erforscht Klaus Herbst, was passiert, wenn die Blüten vor der Reife abgeschnitten werden, um die Samenausbreitung zu verhindern.

Wie ein kleiner Baum

Die Stängel der zwei bis fünf Meter hohen Korbblütler-Staude sind hohl, sie können am Grund bis zu zehn Zentimeter dick werden - wie ein kleiner Baum. Die Blätter sind bis zu drei Meter lang. Der tellerförmige Blütenstand kann bis zu 80 Zentimeter Durchmesser erreichen und besteht aus weißen bis rosafarbenen Blüten. Als Bienenweide ist die Pflanze weitgehend überflüssig, sie nimmt aber anderen durch ihre großen Blätter das Licht.

Lange Wurzel

Besonderes Problem: Der Riesen-Bärenklau entwickelt eine mächtige Pfahlwurzel, bis 60 Zentimeter lang, oben bis 15 Zentimeter dick. Das bloße Berühren der Pflanze kann in Verbindung mit Tageslicht zu gefährlichen Hautreaktionen führen, denn der Pflanzensaft enthält Furanocumarine.

"Heracleum mantegazzianum" oder "Heracleum giganteum", so der lateinische Name, ist eine kurzlebige Pflanze, die im Jahr ihrer Keimung zunächst eine Rosette bildet. Im Folgejahr produziert sie ihren auffälligen Blütenstand und stirbt danach ab - nicht ohne ihre Samen im weiten Umkreis verstreut zu haben. Sie wird deshalb auch als "Zweijährige" bezeichnet.

Aber sie lebt unter Umständen auch länger: Wenn die Pflanze an ungünstigen Standorten wächst oder wenn sie vor dem Ende der Blütezeit abgeschnitten wird, kann sie in späteren Jahren Blüten bilden. Die Vermehrung geschieht ausschließlich durch Samen. Die Gesamtzahl einer Pflanze kann 50 000 überschreiten. Die Samen werden durch den Wind bis 100 Meter weit ausgebreitet, die meisten Jungpflanzen aber weniger als zehn Meter von der Mutterpflanze entfernt gefunden.

Aus dem Kaukasus

Woher kommt der "Neophyt", der Eindringling in die einheimische Pflanzenwelt? Der Riesenbärenklau stammt aus dem Kaukasus, wurde als Zierpflanze wahrscheinlich zuerst nach Großbritannien eingeführt. Auch in anderen europäischen Ländern war die Art Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts zur Gartengestaltung bekannt.

Der weiten Verbreitung als Gartenpflanze folgte die Verwilderung. Auch Gärtnerei-Chef Klaus Herbst kann sich noch erinnern, dass der Bärenklau als Zierpflanze verkauft worden ist. Das Heracleum ist heute in Deutschland weit verbreitet, von den Alpen bis zur Küste. Seit den 80er Jahren werden immer mehr Fundorte bekannt.

Auf "Schwarzer Liste"

In vielen Nachbarländern gilt die Pflanze als problematisch: In der Schweiz steht sie auf der "Schwarzen Liste" aus Sicht des Naturschutzes. In Österreich und Frankreich gilt sie als potenziell invasiv. Auch in Dänemark verdrängt sie heimische Pflanzen.

Die größten Sorgen bereitet aber die phototoxische Wirkung, die den Riesenbärenklau zur Gesundheitsgefahr macht. Die für Menschen gefährlichen Furanocumarine werden als Abwehr gegen Pflanzenfresser produziert, sie sind für einige Tiere giftig und haben pilzabwehrende Wirkung.

Schafe, Ziegen, Rinder und auch Schweine sollen den Riesenbärenklau dennoch fressen, sie helfen durch Beweidung oft entscheidend bei der Bekämpfung. "Heracleum mantegazzianum" gehört zu den am intensivsten bekämpften Neophyten. In den meisten Fällen blieben die Maßnahmen jedoch erfolglos.

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