22.12.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Rumänische Bande zapft Diesel aus Fahrzeugen ab - Haftstrafen zwischen 15 und 24 Monaten vom ... Von bitterer Armut nach Deutschland getrieben

von Autor HWOProfil

Als die sechs Männer nach viermonatiger Untersuchungshaft auf der Anklagebank des Amberger Amtsgerichts saßen, warteten in Rumänien 17 Kinder auf ihre Väter. Nicht alle werden den Papa zu Weihnachten in die Arme schließen können. Denn obwohl das diebische Sextett wegen schweren Bandendiebstahls mit Bewährungsstrafen davon kam, gibt es gegen zwei der Täter sogenannte Anschlusshaftbefehle in Deutschland.

"Wir sind keine Räuber"

Der jüngste Beschuldigte war 20 Jahre alt, der älteste 44. Sie stammen aus einem der ärmsten Gebiete in Rumänien. Mit der Folge: keine Arbeit, kaum Geld zur Ernährung der Familien, bitterste Armut. "Wir sind keine Räuber. Uns hat die Not nach Deutschland getrieben", ließ einer der Männer vor dem zur Aburteilung zuständigen Amberger Jugendschöffengericht übersetzen. Das war die eine Seite, die von den Richtern zu beachten war. Die andere: Wer einreist, um mit ein paar mitgebrachten Euros gebrauchte Reifen zu kaufen und dann Fahrzeugtanks knackt, um für zwei Lieferwagen Dieselkraftstoff abzusaugen, handelt kriminell und kann nicht auf Straffreiheit hoffen.
Die Rumänen kannten sich. Sie stammten alle aus einer Familie bzw. deren Umfeld. Heuer im August kamen die sechs nach Deutschland, fuhren nachts im Oberviechtacher Gewerbepark vor, sprengten die Tankdeckel zweier Lkw ab und zapften 500 Liter Diesel. Damit begann eine Serie von Diebstählen.

Tags darauf wurde in der Stadt Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) ein Altkleidercontainer ausgeräumt, führte die Tour weiter nach Luhe-Wildenau (Kreis Neustadt/WN). Dort holten sich die Rumänen 120 Liter Diesel aus einem Bagger. Sie knackten außerdem den Tank eines Lkw, wurden aber durch ausgelösten Alarm in die Flucht getrieben.

Auch Sulzbach-Rosenberg

Die Diebstähle setzten sich fort. Abermals in Luhe-Wildenau wurde eine abgestellte Teermaschine um Diesel "erleichtert". Erneut tauchten die sechs Männer auch in Oberviechtach auf und versuchten erfolglos, aus einem Lastzug Sprit abzuzapfen. Nur wenige Stunden später wurden die "Sprinter"-Lieferwagen in Kauerhof bei Sulzbach-Rosenberg gesichtet. Dort holten sich die Rumänen aus einem Bagger 100 Liter Kraftstoff.
Danach begann eine Verfolgung durch die Polizei. Sie führte in Nabburg (Kreis Schwandorf) zur Festnahme. Während des Verfahrens legten die Beschuldigten umfassende Geständnisse ab. Wer sich zum Diebstahl verabredet, der handelt bandenmäßig. Genau diesen Tatbestand des schweren Bandendiebstahls lastete die Staatsanwältin den Angeklagten nun an und führte den Männern vor Augen, dass der angerichtete Schaden bei solchem Handeln keine Rolle spiele. Das stellten die sechs Verteidiger nicht in Abrede. Aber sie verwiesen während des Prozesses auf die prekäre Lage der Männer, deren Angehörige - so einer der Anwälte - "momentan bei 40 Grad Minus in unbeheizten Wohnungen ihr Dasein fristen müssen."

Für vier der Angeklagten forderte die Staatsanwältin Haftstrafen zwischen 18 und 24 Monaten zur Bewährung. Für die beiden anderen verlangte sie zweieinhalb Jahre und damit eine Strafhöhe, die Bewährung nicht zulässt. Die Verteidiger plädierten allesamt auf weitaus niedrigere Ahndungen und hatten beim Jugendschöffengericht Erfolg damit. Die Richter verhängten Haftstrafen zwischen 15 und 24 Monaten, wobei sie sich in allen Fällen für Bewährung entschieden. "Es war schwerer Bandendiebstahl, aber nicht gewerbsmäßig", sagte die Vorsitzende Petra Froschauer in der Urteilsbegründung.

Gesicherte DNA-Spuren

Vier der Rumänen durften Deutschland danach in Richtung Heimat verlassen. Gegen die anderen zwei bestehen wegen anderer Straftaten Anschlusshaftbefehle. Beim Prozess hatte sich verdeutlicht, dass die Männer durch gesicherte DNA-Spuren verdächtig sind, weitere Gesetzesverstöße begangen zu haben. Auch in Spanien, wie das Bundeskriminalamt nach Amberg mitteilte.

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