05.10.2009 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Rundes Jubiläum für Rosenberger Kriegerdenkmal - Einflussnahme der Maxhütte bei Standortwahl 80 Jahre lang kontrovers diskutiert

80 Jahre thront es schon auf dem ehrwürdigen Rosenberger Schlossberg - das Kriegerdenkmal der Gemeinde. Dabei wurde und wird der exponierte Standort nicht von allen Seiten positiv bewertet. Zeigt sich doch bei Nachforschungen im Stadtarchiv, dass das Denkmal der Rosenberger schon vor über 80 Jahren für Kontroversen sorgte.

von Autor MPIProfil

Alles andere als einfach gestaltete sich seinerzeit in den 1920er Jahren die Idee der Errichtung eines Kriegerdenkmals in Rosenberg, wie Stadtarchivar Johannes Hartmann zu berichten weiß. Etliche Dokumente, die sich mittlerweile im Stadtarchiv befinden, belegen, dass es bereits im Jahr 1925 zahlreiche Diskussionen im Gemeinderat um den idealen Standort für ein solches Ehrenmal gab.

Ort zum Gedenken

Der Erste Weltkrieg war bereits seit sieben Jahren zu Ende und viele Gemeindeglieder wünschten sich einen Ort zum Gedenken der Kriegsopfer. Der Veteranen- und Kriegerverein Rosenberg beispielsweise wandte sich mit einem Brief vom 25. Februar 1925 an den Gemeinderat Rosenberg, in der Hoffnung, die Planungen zur Errichtung voranzutreiben, "wenn die Sache mit Ernst und Eifer in Angriff genommen wird".

Allerdings verwies der Stadtrat in seiner Antwort auf die Zuständigkeit des bereits seit 1924 bestehenden Denkmalsausschusses, der mit der Planung betraut war. Dessen Vorsitzender Oberingenieur Kohler war wohl auch maßgeblich mit an den Verzögerungen beteiligt, die dazu führten, dass das Projekt "Kriegerdenkmal" immer wieder einschlief.
Ein Brief vom 31. Oktober 1927 des damaligen Maxhütten-Chefs Eugen Böhringer an Kohler macht die Einflussnahme des wichtigsten Rosenberger Arbeitgebers offensichtlich:

Wünsche berücksichtigt

Böhringer sprach sich für den Schlossberg als geeignetsten Platz für das Kriegerdenkmal aus und machte deutlich, dass sich ein Zuschuss der Maxhütte "wesentlich darnach richten" wird, "wo das Denkmal aufgestellt werden soll und ob dabei der eine oder andere Wunsch unsererseits (...) berücksichtigt werden wird".

Damit war der eigentlich geplante Platz in der Dorfmitte nahe dem "Lohrer-Haus" ad acta gelegt, da auf die umfangreichen Zuwendungen der Maxhütte nicht verzichtet werden konnte. Allerdings regte sich gegen diesen Vorschlag auch von anderer Seite Widerstand. Im Jahr 1926 erhielt der Denkmalsausschuss eine Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege. Darin äußerte der zuständige Hauptkonservator seine Bedenken hinsichtlich des Schlossberges als Denkmalsstelle: "Wir möchten dringend davon abraten, auf dem Schloßberge von Rosenberg ein Kriegerdenkmal zu errichten!"

Turmstumpf ummauert

Der Turmstumpf der alten Rosenberger Burg, der bis dato das Dorfbild bestimmte, sollte von dem neuen Gebilde ummauert werden. Das Landesamt für Denkmalpflege zeigte sich jedoch darüber sehr besorgt und äußerte den Wunsch, dass der Rest der Rosenburg "in seiner malerischen Einsamkeit nicht gestört werden" dürfe. Das neue Monument würde den Schlossberg seines "altertümlichen Charakters" und der "rein historischen Stimmung berauben".

Jedoch blieben die Einwände des Amtes schlussendlich unberücksichtigt. Offensichtlich wog der finanzielle Aspekt der Maxhütte schwerer als eventuelle ästhetische und historisch-konservative Bedenken. Dass sich Ansichten im Laufe der Jahrzehnte deutlich verändern können beweist ein Brief des Landesamtes für Denkmalpflege aus dem Jahr 2002, in dem offen für den Erhalt des Kriegerdenkmals geworben wird, da dies doch im "Interesse der Allgemeinheit" liegen würde. Trotz aller Querelen konnte zu Beginn des Jahres 1929 schließlich mit dem Bau begonnen werden.
Der Kostenvoranschlag der Firma Amschler aus Amberg, die mit den Arbeiten betraut wurde, belief sich auf etwa 30 000 Reichsmark, die Maxhütte übernahm davon 10 000 Reichsmark, 5000 jeweils in bar und in Materialien. Als Architekt wurde Hans Heckmann aus Rosenberg verpflichtet, der Entwurf stammte von dem Nürnberger Philipp Kittler.

Mit einem Lastenaufzug wurden die schweren Steine und andere Baumaterialien den steilen Schlossberg hinaufbefördert, so dass nach jahrelangen Diskussionen binnen zehn bis zwölf Wochen das Rosenberger Kriegerdenkmal sein endgültiges Gesicht verliehen bekam.

Wahrzeichen geworden

Bis heute bestimmt das monumentale Werk nun das Rosenberger Dorfbild - für einige ist es mittlerweile zum Wahrzeichen geworden, das nicht mehr wegzudenken ist, andere monieren die Größe des Steindenkmals und seine dominante Position. Jedoch darf nicht vergessen werden, dass das Rosenberger Kriegerdenkmal auch ein Zeugnis seiner Zeit ist und in seiner Funktion auch eine Mahnung sein soll, den Frieden im Land zu bewahren.

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