11.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sommerkonzert des Bayerischen Landesjugendorchesters im Schlosshof Dynamik und Präzision

Hannes Krämer dirigierte das BLJO mit dem ganzen Körper, zeigte dabei ausdrucksstarke Gesten. Bilder: sed (2)
von Autor COGProfil

Immer wieder gingen besorgte Blicke gen Himmel: "Wird es regnen?" Und tatsächlich, kurz vor Beginn des Sommerkonzerts des Bayerischen Landesjugendorchesters (BLJO) begann es zu tröpfeln. Aber als die Musiker ihre Plätze einnahmen, kam die Sonne wieder durch. Als Einstieg präsentierte das BLJO Ludwig van Beethovens "Egmont-Ouvertüre". Schon bei diesem ersten, kurzen Stück zeigte sich, dass das Orchester mit seinen hundert Instrumentalisten nicht nur groß, sondern vor allem in allen Instrumentengruppen großartig besetzt war.

Unter dem inspirierenden Dirigat von Hannes Krämer überzeugten die jungen Musiker mit ausgefeilter Dynamik und absoluter Präzision. Krämer schien vor Energie zu vibrieren. Er dirigierte mit dem ganzen Körper, malte die Musik mit seinen Händen, riss die Musiker mit seinen ausdrucksstarken Gesten und seiner expressiven Gestik mit.

Didgeridoo-Solo

Klaus J. Burger ist ehemaliges BLJO-Mitglied, Weltklassetubist, Komponist und Didgeridoo-Spieler. Seine Komposition "Ab origine", lateinisch für "Vom Ursprung ausgehend", verbindet das Didgeridoo mit einem symphonisch besetzten Orchester. Der Komponist selbst spielte den Solopart. Der dunkle, erdige Ton wirkte archaisch, die langen Schwingungen übertrugen sich unmittelbar auf die Zuhörer. Eine Pauke untermalte vorsichtig den Ton, dann nahmen die Kontrabässe den dunklen Klang auf.

Burger entlockte seinem urtümlichen Instrument unerhörte, vielfältige Klänge. Durch Zirkularatmung erzeugte schier endlose Töne wechselten mit klagenden Seufzern, abgehacktem Stöhnen und lustvollem Schnurren. Burger spielte barfuß. Der direkte Kontakt zur Erde schien ihm Kraft zu geben.

In "Ab origine" begegnete das Didgeridoo als Symbol für den jüngsten Kontinent der Kultur des alten Europas. Das Orchester und der Solist traten in einen Wettstreit miteinander ein, dessen wilde Dramatik auch aggressive Nuancen hatte. Dabei war das Zusammenwirken so unterschiedlicher Instrumente aber immer stimmig. Das Experiment Kulturkontakt, das hier musikalisch durchgeführt wurde, zeigte, dass eine solche Begegnung über die Kontinente und Traditionen hinweg zu eigenartigen und sehr bunten Ergebnissen führt und dadurch Horizonte weitet, eine Bereicherung bedeutet.

1940/41 schrieb Dimitrij Schostakowitsch seine "Symphonie Nr. 7 op. 60 C-Dur". Stalinistische Repression und die Bedrohung durch die einmarschierenden deutschen Truppen schufen ein Klima der Todesangst, das der Komponist mit ironischen Zitaten musikalisch verarbeitete.

Entfesselte Bläser

Lyrische Sanftheit und zauberhafte Soli einer Flöte, einer unwirklich zarten Geige, einer lieblichen Klarinette, eines behutsamen Fagotts standen in schmerzhaftem Gegensatz zur Trommel, die zu den Waffen rief, und zu den entfesselten Blechbläsern, die als Sirenen vor Luftangriffen warnten. Das Zusammenspiel des Orchesters mit den vielen Solisten war stets vollendet, ausgewogen und harmonisch.

Besondere Spannung hatten immer gerade die leisesten Stellen. Das Piano der Streicher, gerade auch der Bratschen, drückte eindringlich die Widerstandskraft der Leningrader Bürger gegen die faschistische Invasion, gleichermaßen aber auch gegen die kommunistische Diktatur aus.

Siegeswillen und eine Selbstvergewisserung der eigenen Kraft brauste auf im letzten Satz, den die großartigen Schlagzeuger zu einem unvergesslichen Erlebnis machten. In einem hochdramatischen Finale kulminierte das Konzert. Den Zuhörern blieb buchstäblich die Luft weg. Als der letzte bombastische Ton verklang, brach stürmischer Beifall los und laute Bravorufe erklangen.

Mit nicht enden wollendem Applaus feierte das begeisterte Publikum das BLJO, den Dirigenten und insbesondere auch die herausragenden Solisten.

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