03.09.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

SRZ befragt Kommunalpolitiker zum Thema Minenjagdboot "Sulzbach-Rosenberg" "Kein Zweifel an der Patenschaft"

Die Wellen schlagen hoch, nicht nur in der Ostsee: Beim Antikriegstag hatte Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz König, ehemaliger SPD-Stadtrat, das Ende der städtischen Patenschaft mit dem Minenjagdboot "Sulzbach-Rosenberg" gefordert. Im Vorfeld des 50. Jubiläums zeigen sich einige Stadträte und Organisatoren zum großen Teil absolut nicht einverstanden mit dieser Haltung.

Wappen und Schriftzug künden in Kiel und auf den Weltmeeren von der Freundschaft mit der Oberpfalz. Nach dem Willen der Stadträte soll das auch so bleiben. Bild: Gebhardt
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Die SRZ sprach mit Kommunalpolitikern über die Forderung Königs: "Diese Patenschaft der Stadt mit einem Kriegsschiff sollte aufgelöst werden!", hatte der Gewerkschafter und Ex-Stadtrat beim Antikriegstag am Friedhofsberg erklärt, als er auch die Abschaffung der deutschen Rüstungsindustrie insgesamt forderte.

Bürgermeister Michael Göth: "Ich gestehe jedem das Recht auf freie Meinungsäußerung zu. Herrn Königs Meinung ist nur seine eigene. Ich habe zu diesem Thema eine andere. Die Kontakte zum Patenboot sind gewachsene Verbindungen, aber auch persönliche Kontakte, auch Freundschaften und Einzelverbindungen zur Stadt, zu Vereinen und zu Privatpersonen.

Diese wollen wir beim Jubiläum festigen und ausbauen. Wir wollen Rückschau halten auf 50 Jahre Patenschaft. Wenn von Seiten der Stadt und des Stadtrats fraktionsübergreifend Besuche in Kiel abgehalten wurden, sind alle Teilnehmer immer mit rundum zufriedenen Gesichtern zurückgekehrt. Ich freue mich persönlich und als 1. Bürgermeister auf den Besuch der Delegation - der ehemaligen als auch der jetzigen Besatzung."

2. Bürgermeister Günter Koller: "Natürlich ist das Schiff militärisch, aber der Auftrag ist doch in erster Linie die Beseitigung von Schäden - die wir Deutsche übrigens zum großen Teil mit angerichtet haben. Der Minenjäger ist kein klassisches Kriegsschiff und hat defensiv-humanitäre Aufgaben. Einsätze vor Somalia haben nichts mit Kriegsführung zu tun. Die Patenschaft muss auf jeden Fall aufrechterhalten werden."

3. Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein: "Die 'Sulzbach-Rosenberg' war noch nie im Kriegseinsatz. Sie hat zum Beispiel in der Somme-Bucht vor Nordfrankreich Minen und Bomben beseitigt. Der Kommandant sagte damals, es sei ein gutes Gefühl, Gefahren für Schifffahrt und Fischerei abgewendet zu haben. An der Patenschaft besteht kein Zweifel, es existiert ja auch ein entsprechender Stadtratsbeschluss."

Stadtrat Hermann Völlger (Jubiläums-Festausschuss): "Meine Meinung: Das Schiff wird ausschließlich zur Verteidigung eingesetzt. Die Patenschaft sollte man beibehalten!".

Peter Ehm (Mitglied im selben Ausschuss): "Ich habe 30 Jahre beste Erfahrung mit den Besatzungen, das sind bestens ausgebildete Leute. Das Boot schützt die Schifffahrt vor den Hinterlassenschaften des 2. Weltkrieges, auch in anderen Ländern. Angesichts der politischen Lage brauchen wir eine Armee, und da muss man dann auch dahinterstehen."

Karl-Heinz Herbst (Grüne): "Diese Diskussion gibt es seit der Friedensbewegung der 70er Jahre. Allerdings waren damals die Machtverhältnisse klar definiert in Ost und West. Ich denke, die Forderung von Karl-Heinz König ist zu pauschal. Obwohl ich mich selbst stets kritisch zu dieser Patenschaft sah, habe ich in den letzten Jahren erkennen müssen, dass sie in erster Linie der Anerkennung junger Menschen dient, die auf dem Patenboot Dienst leisten und eben im Ernstfall den Kopf für unsere Demokratie hinhalten müssen. Sicher sollte man wegen der veränderten weltpolitischen Rolle Deutschlands die Notwendigkeit einer Patenschaft nach der 50-Jahr-Feier überdenken."

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