Tag des Buches mit Schülern aus Kastl im Seidel-Saal
Fasziniert von Druck und Geschichte

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.04.2013
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Sapperlot, die haben echt was drauf: Nur staunen konnten die Organisatoren im Seidel-Saal darüber, wie versiert Schüler zweier Klassen aus Kastl historische Drucke lesen konnten. Zum "Welttag des Buches" waren sie mit ihrem Lehrer Martin Sekura von der Seyfried-Schweppermann-Grundschule per Bus nach Sulzbach gekommen.

Spannende Stunden

Nach einer Stippvisite im Schloss tauchten sie für zwei Stunden in die geheimnisvolle Welt der Bücher und des Buchdrucks ein. Hannelore Mayr-Dorner und ihre Mitarbeiterin, die Germanistin Mirjam Henkelmann sowie Stadtheimatpfleger Markus Lommer begrüßten die Kinder im historischen Wotschack-Anwesen. Während die eine Hälfte schnurstracks in den einstigen Maschinensaal der Druckerei stiefelte, gab's für die andere eine spannende Schnitzeljagd durch die Regale der Buchhandlung. Fragen zur Geschichte des Hauses, zum Ladensortiment und über die eigenen Leseerfahrungen der Kinder sorgten für reichlich Diskussionsstoff.

Henkelmann erläuterte, dass der Uneso-Welttag des Buches nun schon zum 17. Mal in ganz Deutschland, aber auch international, als großes Lesefest begangen wird. Rund eine dreiviertel Million Kinder etwa nehmen jährlich daran teil. Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken und Schulen arbeiten Hand in Hand. Natürlich durfte jedes Schulkind auch ein Geschenkbuch mit nach Hause nehmen, gesponsert von der "Stiftung Lesen" und dem "Börsenverein des Deutschen Buchhandels".
Auf der Bühne fanden sie dann jede Menge alter Bücher aufgebaut. Die meisten waren "made in Sulzbach". Das älteste stammte aus dem Jahr 1702, sogar drei hebräische Drucke konnten die Kinder sehen, ebenso eine riesige Allioli-Bibel in Prachtausgabe mit Goldschnitt.

Überraschend gut gelesen

Auch ein Einzelblatt einer 1483 in Nürnberg gedruckten Bibel war zu entdecken. Der Heimatpfleger erläuterte, dass am Druck dieser Bibel wahrscheinlich auch der gebürtige Sulzbacher Georg Stuchs mitgewirkt hatte, ehe er sich 1484 mit einer eigenen Werkstätte in Nürnberg selbstständig machte. Nicht wenige Kinder verstanden sich überraschend gut in der Kunst, alte Druckschriften fast fließend lesen zu können. Überhaupt zeigten sich die Buben und Mädchen überaus interessiert. Besonders faszinierten sie die Druckversuche mit Plakatlettern an der Handpresse.

Nicht zuletzt lernten die Gruppen, dass im "Seidel-Saal" jahrzehntelang auch die Lokalzeitung gedruckt wurde. Fazit: Bücher begeistern auch heute noch Kinder, vor allem im passenden Ambiente einer alten Druckerei und Buchhandlung. Pädagogisch gesehen ein wertvoller Tag, hervorragende Alternative zur elektronisch-medialen Reizüberflutung!
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