14.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Tagebucheinträge erzählen über die Zeit des Kriegsbeginns in Rosenberg Patriotische Lieder und Tränen

Im August vor 100 Jahren herrschte Krieg. In Sulzbach-Rosenberg sangen die Menschen nach dem Mobilmachungs-Befehl die ganze Nacht patriotische Lieder. Am darauffolgenden Tag strömten viele junge Männer in die Herz-Jesu-Kirche, um sich auf eine ungewisse, kriegerische Zukunft vorzubereiten. Der damalige Expositus von Rosenberg, Dr. Johannes Markstaller, schrieb diese Geschichten in einem Tagebuch auf.

Heinrich Stubenvoll hat sehr lange an der Aufarbeitung eines handschriftlichen Tagebuchs, das Dr. Johannes Markstaller verfasste, gearbeitet. In seiner Mappe befinden sich Transkripte, Fotos und Kopien. Bild: doz
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Diesen historischen Schatz hob der ehemalige Herz-Jesu-Kirchenpfleger Heinrich Stubenvoll schon vor Jahrzehnten. 1993 tippte er die handschriftliche Vorlage auf der Schreibmaschine ab. Zum Glück, denn das Tagebuch sei "aktuell nicht auffindbar". Der Redaktion ließ der 79-jährige Rosenberger nun die ersten acht Seiten des Transkripts zukommen. Die Zeilen vermitteln einen Eindruck von der damaligen Stimmung am Beginn der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.

Die deutsche Kriegsbeteiligung traf die Sulzbach-Rosenberger mit voller Wucht. Markstaller schrieb: "Am Montag (3. August 1914; Anm. d. Red.), dem 2. Mobilmachungstag, mussten bereits viele fort von Weib und Kind und Heimat. Da gab es viele Tränen." Frauen durften ihre Männer nicht bis zum Bahnhof begleiten. Der ehemalige Expositus beschrieb die Stimmung damals wie folgt: "Es war eine große Begeisterung der ausziehenden Soldaten da und lauter Jubel der Kinderscharen begleitete die teilweise laubgeschmückten Militärtransportzüge durch unser Dorf."

Hurrarufe und Gesänge

So sei es zwölf bis 14 Tage fortgegangen. "Jeden Morgen empfingen viele andächtig die heilige Beichte und Kommunion, jeden Tag liefen sechs bis acht Züge durch mit einrückenden Feldzugsoldaten, jede Stunde hörte man Hurrarufe und vaterländische Gesänge von Jung und Alt. Jede Nacht legte sich mehr und mehr der Ernst der Zeit über die Gemüter der Zurückgebliebenen: Krieg!"

Die anfängliche Hoffnung der Sulzbach-Rosenberger, bald wieder in die Heimat zurückzukehren, starb recht bald. Markstaller schreibt: "Zwar sagte man anfangs: 'Mobilmachung ist noch nicht Krieg' oder 'Wir sind bald wieder zu Hause'. Allein die vielen folgenden Kriegserklärungen von England, Frankreich, Japan, Serbien und an Deutschland zeigten bald klar den Ernst der Lage und die nach einlaufenden Nachrichten vom Kriegsschauplatz ließen bald erkennen, dass nicht alle wiederkehren, die da hoffnungsvoll und mutig hinausgezogen waren von Rosenberg, hinweg von den rauchenden Essen der brotbringenden gewohnten Arbeit."

Maxhütte produziert weiter

Der Krieg wirkte sich auch auf die Produktion der Maxhütte aus. Markstaller beschrieb, dass es das Unternehmen schaffte, den Betrieb aufrechtzuerhalten, indem sie einige Hochöfen stopfte oder löschte und die Doppelschichten oder Nachtdienste aufhob.

"So wurde ungefähr der halbe Betrieb fortgeführt und von unserer Ortschaft wenigstens die Arbeitslosigkeit und die dadurch verknüpfte Not, gottseidank, im ersten Winter des Krieges abgehalten." Markstaller berichtet, dass bereits an Allerseelen 1914 "nur mehr ein geringer Teil junger Männer und eine große Anzahl besorgter, weinender Frauen und Kinder" an den Gottesdiensten in der Herz-Jesu-Kirche teilnahmen.

Josef Lehner war laut den Aufzeichnungen des Geistlichen einer der ersten katholischen Rosenberger, die fielen: "Man fand ihn, von der Kugel durchbohrt, am Morgen des 19. August, in den Weinbergen vor Neukirch. Das blutige Gebetsbuch aus der blutbefleckten Brusttasche und sein Herz-Jesu-Medaillon des Tapferen schickte der würde Herr Pfarrer von Neukirch mit einem ausführlichen Brief an die hiesige Witwe." Im Tagebuch steht, dass Lehner noch 59 Männer der Herz-Jesu-Gemeinde folgten, die ihr Leben im Ersten Weltkrieg ließen.

Expositus in Rosenberg Das Tagebuch, aus dem zitiert wird, stammt von Dr. Johannes Markstaller. Er ist am 5. August 1875 geboren. In Rom erhielt er die Priesterweihe. Vom 14. Februar 1914 bis 1921 war er in Rosenberg Expositus. Der Geistliche starb 1939 in Dorfen.

Zitate aus dem Tagebuch sind im Artikel zum Teil so abgeändert, dass sie der aktuellen Rechtschreibung und der orthografischen Richtigkeit entsprechen.

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