11.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Thomas Friese gibt Damian Hruban Ferienjob Gastpapa und Chef zugleich

Viele, die schon einmal als Austauschschüler in einem anderen Land waren oder selbst einen bei sich hatten, kennen das Problem. Man verspricht in Kontakt zu bleiben und sich regelmäßig zu besuchen und zu Beginn klappt das auch ganz gut. Fleißig werden E-Mails geschrieben und Besuchspläne geschmiedet. Aber in vielen Fällen lässt das nach einer gewissen Zeit nach. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Damian lernt schnell, wie man mit allen nötigen Werkzeugen und Maschinen umgeht, die ein Metallbauer so braucht. Bilder: elr
von Autor ELRProfil

Am Ende schreibt man sich nur noch zum Geburtstag oder an Feiertagen. Doch es gibt auch Ausnahmen. 2012 nahm der tschechische Schüler Damian Hruban bei einem Austauschprogramm des Herzog-Christian-August-Gymnasiums teil. Die Familie Friese aus Großalbershof hatte den Jungen mit offenen Armen aufgenommen. Vor allem mit Samuel, genannt Sammy, dem Sohn der Familie, hatte sich der tschechische Schüler auf Anhieb verstanden. Beide wurden gute Freunde.

Selbst nach Damians Abreise brach der Kontakt nicht ab. Sammy besuchte Damian zweimal in Tschechien und in den Sommerferien hatte Damian einen besonderen Wunsch. Er bat darum, im Metallbaubetrieb von Vater Thomas, eine Ferienarbeit zu machen. Der hatte dagegen nichts einzuwenden und so kam Damian wieder nach Sulzbach-Rosenberg.

Für die Ferienarbeit hat er sich entschieden, um neue Erfahrungen zu sammeln, da er in diesen Bereich noch nie gearbeitet hat. Außerdem kann er so sein Deutsch verbessern. Die Arbeit ist sehr anstrengen, macht aber trotzdem viel Spaß, versichert Damian. Am meisten gefallen ihm die großen Maschinen.

Engagement und Fleiß

Auch der Chef ist zufrieden mit seinem Arbeiter. "Super", sagt Thomas Friese nur und lobt Damians Engagement und Fleiß. "Er ist sein Geld wert." Interessant ist natürlich auch, was Damian von Friese hält. Auf die Qualitäten seines Chefs angesprochen ist Damian zunächst etwas schüchtern. Schließlich ist es der Vater eines guten Freundes und derzeit auch sein Gastgeber. "Es ist schön mit ihm zu arbeiten. Er findet immer den Mittelweg zwischen Chef und Freund und macht oft Scherze mit den Arbeitern", erzählt der tschechische Schüler.

"Zu Hause" in Sulzbach-Rosenberg ist Damian ebenfalls bereits voll integriert. Vor allem Sammys jüngere Geschwister können kaum genug von ihm bekommen. "Immer wenn ich weg bin, fragen sie nach mir", erzählt er und ergänzt: "Sobald ich nach Hause komme, überrennen sie mich beinahe."

Auch in Sammys Clique ist Damian angekommen. "Du bist einfach neu und jeder starrt dich an. Das ist stressig", erinnert er sich an die ersten Begegnungen. Aber sobald man sich etwas besser kennen lernt, sei das dann kein Problem mehr. "Zum Glück hab ich diese App", meint Damian lachend und zeigt auf seinem Smartphone einen Deutsch-Tschechisch-Übersetzer. "Ohne die wäre ich komplett aufgeschmissen."

Besonders begeistert ist Damian von den bayerischen Kirchweihen: "Jeder trägt Tracht und es wird die ganze Nacht durchgefeiert." In Tschechien gebe es nur kleine Umzüge und etwas Musik.

Was die Zukunft so bringt

Der Ferienjob gibt Damian auch Erkenntnis. Und zwar darüber, dass ein Beruf im Metallbau zwar interessant, aber sehr anstrengend sei. "Ich glaub ich würde mich damit kaputt machen", gibt er zu. Der tschechische Schüler hat andere Pläne. Nach dem Abitur will er Geografie in Prag studieren: "Ich habe festgestellt, dass es das einzige Schulfach ist, das mir wirklich gefällt."

Noch ist es aber nicht soweit. Erst einmal genießt Damian die Ferien. Vier Wochen arbeitet er insgesamt bei Thomas Friese, danach wird Damian sich eine Woche Urlaub mit Freunden gönnen, bevor es dann wieder zurück in die Schule geht.

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