24.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Unsachgemäße Pflege" und tierisches Leid als Streitpunkt vor dem Richter - Landwirt muss 750 ... Ein 30 Jahre altes Pony und seine Vorderhufe

von Autor HWOProfil

Schmerz lässt sich nicht messen und ist bei Menschen nur unter unmittelbarer Beteiligung des Patienten in einer Skala einzuordnen. Beim Tier sind Einschätzungen ausschlaggebend, auf die sich dann ein Richter verlassen muss. Sie gingen grundlegend auseinander, als darüber zu verhandeln war, ob ein 30 Jahre altes Pony durch angeblich unsachgemäße Hufpflege körperliche Qualen erlitt.

Polizei: "Verwahrlost"

Der Angeklagte, ein 48-jähriger Landwirt aus dem südlichen Landkreis, wehrte sich vehement gegen den Vorwurf der Misshandlung. Dies geschah so heftig, dass Richter Jan Prokoph mehrfach zur Sachlichkeit mahnen musste. Der Bauer, zuständig für die Hufpflege des Vierbeiners einer Angehörigen, ließ aber nicht locker in seinem bisweilen lautstarken Bemühen, die einwandfreie Versorgung des Ponys zu versichern und denen mit Gegenmaßnahmen rechtlicher Art zu drohen, die etwas anderes sagten.

Das kleine Pferd, so viel stand von Beginn an fest, leidet seit seiner Geburt vor drei Jahrzehnten an einer Fehlstellung der Vorderläufe. Tierschützer machten dann Aufnahmen von dem Vierbeiner, holten die Polizei. Sie kam auf den Hof, besah sich den Zustand ("verwahrlost", wie ein Beamter feststellte) und verständigte die Veterinärbehörde. Denn an den Vorderhufen hatten sich schnabelartige Hornauswucherungen gebildet.

Die zu Rate gezogene Tierärztin schilderte jetzt dem Richter ihre Beobachtungen in Einzelheiten und kam zu dem Schluss: "Das Pony hatte definitiv Schmerzen." Dies sei durch unsachgemäße Hufpflege ausgelöst worden. "Die Fehlstellung der Vorderbeine", sagte sie, "war dafür nicht ausschlaggebend." Bei ihrer Bestandsaufnahme hatte die Medizinerin angeordnet, sowohl einen weiteren Veterinär als auch einen Hufschmied beizuziehen. Das geschah dann auch.

Musste das Pony leiden? "Jetzt leidet es, nachdem der Hufschmied da war und an dem Tier gearbeitet hat", warf der 48-Jährige in die Waagschale. Danach vernahm er, was der zweite auf das Anwesen geholte Experte zu sagen hatte. "Schlechter Allgemeinzustand, Hufpflege sicher nicht sachgemäß", berichtete er. Gleichwohl: "Als ich da war, hatte das Pony offenbar keine Schmerzen." Doch Schmerz könne auch chronisch werden und womöglich einen Zustand mit sich bringen, der selbst beim Tiermediziner keine gesicherten Schlüsse zulasse.

"Jetzt hat es Schmerzen"

Der Staatsanwalt forderte 600 Euro Geldstrafe, "weil die Hufpflege keineswegs sachgemäß stattfand". Das rief den heftigen Widerspruch des Angeklagten hervor. "Ich habe mich nicht strafbar gemacht", unterstrich er und fügte hinzu: "Jetzt, nach der Behandlung durch den Hufschmied, hat das Pony Schmerzen."

Richter Prokoph überlegte lange. Dann kam er zu einem Schuldspruch wegen Tiermisshandlung. Dabei konzentrierte er seine Entscheidung auf einen einzigen Fall der unsachgemäßen Hufpflege, der während des Prozesses näher erörtert worden war. In seiner Ahndung ging er allerdings über den Antrag der Anklagebehörde hinaus: Er verurteilte den Landwirt zu 750 Euro Geldstrafe.

Ist das Pony nach wie vor auf seiner seit 30 Jahren angestammten Koppel? Eine als Zeugin vernommene Tierschützerin bezweifelte das. Doch der 48-Jährige entgegnete: "Bevor ich hier nach Amberg gefahren bin, habe ich es gestreichelt." Ein "Gnadenbrotpferd von Anfang an", wie er hinzufügte. Aber der Familie ans Herz gewachsen.

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