Verein zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter schult Pflegekräfte aus der Oberpfalz
"Individuelle Pflege ist das Ziel"

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
19.04.2013
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"Aus der ganzen Oberpfalz sind sie angereist zum Seminar, ausschließlich Damen aus den Pflege- und Heilberufen", stellte Dipl.-Sozialpädagoge (FH) Georg Pilhofer fest. Sie alle diskutierten und lernten weiter beim gerontopsychiatrischen Aufbaukurs. Dazu hatte der Verein zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter (SEGA) Fachleute mit Grundwissen ins St.-Anna-Krankenhaus eingeladen - mit großem Erfolg, wie sich herausstellte.

Der Aufbaukurs umfasste jeweils 32 Unterrichtsstunden, die Themengebiete der Fachreferenten reichten von der Humortherapie bis zur Hospiz- und Trauerbegleitung. Die motivierten Fachkräfte hatten während des Seminars Gelegenheit zum Austausch ihrer Erfahrungen aus dem Pflegealltag.

Übereinstimmung herrschte, dass sich die Gesellschaft durch den demografischen Wandel verändere. Die Entwicklung zeige, so die Referenten des Tages, dass nicht nur physische, sondern auch alterspsychiatrische Erkrankungen, insbesondere Demenz, stark zunähmen. Hilflosigkeit und Angst seien oft die Reaktionen der Betroffenen und Angehörigen.

Benötigt werde in diesen Fällen fachliche, zeitnahe und unkomplizierte Hilfe. Den kranken Menschen individuelle Pflege zukommen zu lassen, damit für sie der Alltag wieder erträglich wird, sei oberste Priorität.

Bis zur Humortherapie

Die wahre Vielfalt der gesammelten Fachthemen reichte in diesem Seminar von der Humortherapie bei Demenz über das Krisenmanagement, das Burnout-Syndrom, die Probleme der älteren Migranten, die Aufklärung vonseiten der geriatrischen Pharmazie bis hin zur Versorgungsformen bei Schmerzen und Verwirrtheitszuständen psychisch Erkrankter sowie die Hospiz- und Trauerbegleitung.
Alle Informationen der Fachreferenten waren sehr aufschlussreich und gaben Anregungen, Aufklärung und Hilfe für den Pflegealltag. Aufschlussreich waren ebenfalls die Berichte der Seminarteilnehmer über ihre Erfahrungen im alltäglichen Pflegebereich. Um es vorweg zu nehmen: Es herrschen in diesem Berufszweig Dauerstress, Fachkräftemangel, manchmal Hilflosigkeit und Angst (siehe untenstehenden Artikel). Ein Umdenken in unserer Gesellschaft sei nötig.

Die Pflege von alten Menschen, besonders wenn diese demenziell verändert sind, sei sehr anstrengend, so wurde weiter berichtet. "Wir bemühen uns nach Kräften - so weit die Zeit dafür reicht - die Patienten aus ihrer geistigen Isolation herauszuholen und ihnen eine individuelle Pflege zukommen zu lassen."

Im alltäglichen Umgang spiele die Biografie des Einzelnen eine wesentliche Rolle. Man bat um Verständnis bei den Angehörigen für bestimmte Abläufe und Handlungen. Positive Ergebnisse erziele man nur im Zusammenwirken mit den Verwandten, den zuständigen Ärzten sowie den Kollegen, war die einhellige Meinung.
"Sehr unterschiedlich gestaltet sich oft der Nachtdienst im Pflegeheim. Es kann einmal sehr ruhig sein, ein anderes Mal Bewohner geben, die den Schlaf- und Wachrhythmus nicht einhalten können und durch Haus und Zimmer geistern, einige, die starke Schmerzen bekommen oder im Sterben liegen. Diese Situation in Ruhe zu meistern verlangt viel Disziplin und Kraft von uns", berichtete eine Pflegekraft in der Runde.

Unter einen Hut bringen

Familie und Pflegeberuf unter einen Hut zu bringen sei ein weiteres Problem, stellten die Kursteilnehmer fest. Selbst in der Freizeit könne der Gedanke an die ihnen anvertrauten Heimbewohner nicht ganz ausgeklammert werden.

Es gebe kein Patentrezept für diesen Beruf, lautete das Fazit. Einstellung, Haltung und Situationen müssten täglich neu eingeschätzt und optimal gelöst werden, und das koste unendlich viel Lebenskraft. Für die angebotenen Kurse vonseiten der SEGA in Zusammenarbeit mit den Fachreferenten und dem Meinungsaustausch sei man sehr dankbar.
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