15.01.2013 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Verfahren im Kirschbaum-Fall eingestellt - Zwei Zentimeter tiefe Kerbe im Holzstamm bleibt ... Keine Strafe und keine Leberkässemmel

von Autor HWOProfil

Erst die gute Nachricht für den Beschuldigten: In der einem Stück aus dem Bauerntheater gleichenden Causa "Kirschbaum" geht er straffrei aus. Dann die schlechte: Auch diesmal gab es keine Leberkässemmeln für den 50-Jährigen, der an zwei Prozesstagen seine Eigenschaft als Gutmensch hervorgehoben und das Fehlen von Brotzeit für seine Hilfsbereitschaft beklagt hatte.

Der eher einer Posse gleichende Kleinkriminalfall hatte sich vergangenes Jahr in einem Dorf nördlich von Amberg zugetragen. Dort war unter Mithilfe des jetzt Beschuldigten der im Vorgarten eines Mietshauses stehende Kirschbaum gefällt worden. Die Äste kamen zum Kompost, der Stamm war nach Vorstellungen des Grundstücksbesitzers einem Schreiner zur weiteren sinnvollen Verwendung zugedacht.

Danach kamen Protagonisten ins Spiel, die ein Regisseur des "Komödienstadels" nicht profilierter hätte aussuchen können. Zum Beispiel der nun angeklagte 50-jährige Hausbewohner, der sich einer Zeitungsannonce erinnerte und folglich wusste, dass es da Männer aus dem Raum Weiden gab, die Brennholz kostenlos abzuholen gedachten. Das Duo kam samt Auto und Anhänger, lud zunächst Bretter und Bänke auf, die dem 50-Jährigen gehörten. Dabei erfuhren die Leute von ihm, dass da auch noch der bereits gefällte Kirschbaum mitgenommen werden könne.

Nicht genug für Schrank

Als nun am zweiten Prozesstag die Amtsrichterin Jacqueline Sachse zur Befragung von einem der Holz-Holer ansetzte, erfuhr sie, um was es sich da eigentlich gehandelt hatte. Um "a Stammerl von oanahalb Meter Länge" nämlich. Worauf sich die Erkenntnis festigte: Ein Schrank wäre wohl nie daraus geworden. Allenfalls eine hölzerne Schatulle. Doch vielleicht hätte auch sie bei "Kunst & Krempel" Ehre einlegen können.

Die Brennholz-Spezialisten kehrten Tage darauf noch einmal zurück. "Net wecha dem Kirschbaam", wie die Richterin vernahm. Vielmehr deswegen, weil der 50-Jährige plötzlich seine den Abholern überlassenen Bänke zurückhaben wollte. Und weil sie nun schon einmal da waren, setzte einer der beiden die Motorsäge an und begann, eine Kerbe in den Kirschbaumstamm zu treiben. Da schritt plötzlich ein Nachbar ein, witterte Diebstahl, lief erbost in den Garten und ließ nach eigenen Angaben vernehmen: "Ihr werd's Schwierigkeiten kriagn!"
Also traten die Holz-Männer den Rückzug an und der gefällte Stamm blieb, wo er war. Später fotografierten ihn nicht nur zwei vom Bruder des Eigentümers alarmierte Polizisten. Auch ein von dem jetzt angeklagten 50-Jährigen zur "Beweissicherung" eigens angeforderter Berufsfotograf, herbeigeeilt aus Sulzbach-Rosenberg, lichtete ihn ab. Alle Aufnahmen belegten: Die Kerbe im Kirschbaumstamm war lächerliche zwei Zentimeter tief.

Nach dem zweiten Akt der Komödie, erinnernd an Karl Valentins Film "Die Kirschen in Nachbars Garten", schloss sich der Vorhang. Und das ziemlich rasch. Die Richterin hatte genug gehört und sie entschloss sich mit Zustimmung des Staatsanwalts zu salomonischer Vorgehensweise. Das Verfahren gegen den Beschuldigten, der (primär) angeblich eigenmächtig den Abtransport des Kirschbaums und damit (sekundär) auch dessen Einkerbung (also eine Sachbeschädigung) veranlasst hatte, wurde eingestellt.

Zu geringfügig

Nicht wegen erwiesener Unschuld. Der Mann müsse momentan noch etliche Monate absitzen und dann in eine längere Alkoholtherapie, wusste Jacqueline Sachse aus den Akten. Da falle eine neuerliche Bestrafung wegen der Kirschbaum-Angelegenheit nicht ins Gewicht.

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