Verwechslung mit Morchel kann fatale Folgen haben
Gefahr im Garten: Giftlorchel gefunden

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
02.05.2013
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Ein Mann aus dem Landkreis war sichtlich erfreut, als er sah, was da an der Böschung gleich neben seiner Terrasse wuchs: Pilze, von denen er glaubte, es seien Morcheln. Über ein Dutzend Fruchtkörper ragten aus dem Boden. Doch vorsichtshalber rief er seinen Freund Herbert Baumanis an. Dieser ist nämlich nicht nur ein leidenschaftlicher Schwammerlsammler, sondern auch geprüfter Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie.

Baumanis ließ sich zunächst per Mail ein Bild von den Pilzen schicken. Als er es sah, war ihm sofort klar, was bei seinem Freund im Garten wuchs: Frühjahrs-Giftlorcheln. "Finger weg", warnte er ihn. Baumanis fuhr zu seinem Freund und sah in natura, was er schon auf dem Bild erkannt hatte: Lorcheln, die mitunter mit Morcheln verwechselt werden. "Wer Morcheln als Speisepilz sammeln will, muss unbedingt die Giftlorchel kennen, um beide voneinander unterscheiden zu können", so der eindringliche Rat des Experten.

In der Natur draußen wachsen sie an unterschiedlichen Standorten, die essbare Spitzmorchel bevorzugt kalkhaltige Böden in Auwäldern, die Lorchel saure Sandböden. Doch beide sind häufig auf Rindenmulch anzutreffen und deshalb auch in Gärten: "Das ist für sie ein außerordentlich günstiges Substrat", so Baumanis. Er kennt Fälle, da wuchsen in einem Jahr die essbaren Delikatessen im Garten, im anderen Jahr dann die giftigen Exemplare. "Wer beide Pilze nicht sicher bestimmen kann, der sollte immer einen Fachmann fragen", so sein Ratschlag.
Morcheln sind die ersten Speisepilze der Saison, sie kommen von März bis Mai vor - die giftigen Lorcheln sogar noch ein bisschen früher. Der wissenschaftliche Name der Frühjahrs-Giftlorchel lautet "Gyromitra esculata". Eine irreführende Bezeichnung, da "esculata" übersetzt essbar bedeutet. Und in der Tat: "Früher wurde die Lorchel noch gegessen", erklärt Baumanis. "Auch in Finnland wird die Lorchel noch als Marktpilz angeboten." Wobei allerdings im hohen Norden der Pilz extrem lange getrocknet wird. Dadurch, aber auch durch langes Kochen, verliere die Frühjahrs-Giftlorchel an Giftstoffen, "sie fährt sie aber nicht auf Null runter", warnt der Experte.
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