24.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Vielfältige Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg Ende August der erste Tote

Wer überlebt hat, mochte hinterher oft nicht mehr über das sprechen, was ihm im Ersten Weltkrieg widerfahren war. Doch haben sich viele Zeugnisse erhalten, die jetzt wieder ins Blickfeld rücken und den Nachgeborenen helfen, zu verstehen, warum der Krieg auch für viele Einzelne eine "Urkatastrophe" war, nicht nur für das gesamte 20. Jahrhundert.

Eine Postkarte des 3. Feldartillerie-regiments "Prinz Leopold", das 1914 nicht mehr in die Amberger Leopoldkaserne einziehen konnte, weil es in den Krieg musste. Repro: sön
von Markus Müller Kontakt Profil

Hier ein Überblick über Veranstaltungen, die rund um den 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs am 1. August 1914 in der Region Amberg-Sulzbach angeboten werden.

Ausstellungen

Vom bunten Waffenrock zur feldgrauen Uniform - militärischer Prunk und menschliche Schicksale im Ersten Weltkrieg anhand der Uniform- und Militariabestände des Museums

Sonderausstellung im Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg. Läuft noch bis 16. November. Führungen (keine Anmeldung erforderlich) sind am Donnerstag, 4. September, 19 Uhr (Abendführung), am Donnerstag, 30. Oktober, 19 Uhr (Abendführung) und am Sonntag, 16. November, (Finissage) 15 Uhr und 16 Uhr.

Die Ausstellung zeigt das sich damals wandelnde äußere und innere Bild des Soldaten. Auf die anfängliche Kriegsbegeisterung folgte schnell die Ernüchterung. Statt als ritterlicher Kämpfer erlebte sich der Soldat jetzt als wehrloses Objekt einer allmächtigen Kriegsmaschinerie. Der zermürbende Grabenkrieg an der Westfront gilt geradezu als Sinnbild des Ersten Weltkrieges. Darüber berichten auch die bewegenden Kriegstagebücher des Sulzbachers Erhard Strobel und des Rosenbergers Josef Steinberger. Beide fielen an der Westfront (Steinberger 1916 in Verdun, Strobel 1917 in Flandern).

Militärhistorische Sammlung

Die militärhistorische Sammlung der Garnison Amberg in der Leopoldkaserne beginnt mit dem Jahr 1715. Sie umfasst auch viele militärische Ausrüstungsgegenstände und Zeitdokumente aus dem Ersten Weltkrieg. Ab der zweiten Oktoberhälfte wird sie ergänzt um eine Ausstellung "100 Jahre Leopoldkaserne 1914-2014", die ebenfalls einen speziellen Teil zum Ersten Weltkrieg enthält. Die Leopoldkaserne wurde ab 1913 für ein Artillerieregiment gebaut, das die Unterkünfte dann nicht mehr benötigte, weil es gleich an die Front ging.

Führungen durch die gesamte Sammlung sind jederzeit möglich in Absprache mit dem Kasernenfeldwebel (Tel. 0 96 21/78 47 40 21).

Im Begleitprogramm zur Weltkriegs-Ausstellung des Sulzbach-Rosenberger Stadtarchivs gibt es zusätzlich zweistündige Sonderführungen an den Sonntagen 21. September, 12. Oktober und 9. November, jeweils um 14 Uhr (nur mit Voranmeldung im Stadtmuseum mindestens sieben Tage vorher).

Leben im Ersten Weltkrieg

Ausstellung vom 3. bis 5. Oktober in der Schulturnhalle Rieden, organisiert von Ortsheimatpfleger Hubert Haas, dem Heimatverein Rieden und der Gemeinde. Darin wird Material gezeigt, das die Bürger in Rieden und Umgebung nach einem öffentlichen Aufruf aus ihrem Familienbesitz zur Verfügung gestellt haben, aber auch Teile der Amberger Militärhistorischen Sammlung, die sich mit dem 6. Infanterie-Regiment beschäftigen, dem Amberger Hausregiment, in dem auch viele Riedener im Ersten Weltkrieg dienten.

100 Jahre Erster Weltkrieg - Spuren in der Gemeinde Ursensollen

Ausstellung vom 31. Oktober bis 3. November im Atrium der Mittelschule Ursensollen, zusammengestellt von Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer, dem Organisationsteam des Heimatkundlichen Arbeitskreises und den drei Reservistenvereinigungen der Gemeinde.

www.europeana1914-1918.eu

Gewissermaßen eine ständige Internet-Ausstellung zu weltweiten Alltags-Aspekten des Ersten Weltkriegs. Wer in das Suchfeld "Provinzialbibliothek Amberg" eingibt, bekommt sämtliche 4150 Stücke angezeigt, die hier im Januar 2012 bei einem Aktionstag "Erster Weltkrieg in Alltagsdokumenten" erfasst und digitalisiert wurden - vom Brieföffner aus einem Granatsplitter bis hin zum Kriegstagebuch. 90 Leute aus Amberg und Umgebung hatten damals Erinnerungsgegenstände ihrer Vorfahren vorbeigebracht.

Vorträge

Amberg in der Zeit des Ersten Weltkriegs

VHS-Reihe von Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger, ab Montag, 22. September, 19 Uhr, an vier Abenden im Stadtarchiv.

Am 6. August 1914 brachen die in Amberg stationierten Soldaten des 6. Bayerischen Infanterie-Regiments in den Krieg gegen Frankreich auf. Am 26. August kam der erste Lazarettzug mit 186 Verwundeten in Amberg an. Die erste Todesanzeige für gefallene Angehörige des 6. Infanterie-Regiments erschien in der Amberger Volkszeitung vom 27. August. Insgesamt starben allein aus Amberg 716 Soldaten. Auf der Bevölkerung lastete ein immer unerträglicher werdender Kriegsalltag, die Lebensmittelversorgung wurde dramatisch schlecht. Die Wirtschaft (durchaus nicht nur die Gewehrfabrik, sondern ebenso das Stanz- und Emaillierwerk der Gebrüder Baumann) war auf Kriegsproduktion umgestellt. Die ersten 473 französischen Kriegsgefangenen kamen am 28. August in Amberg an und wurden in Stallungen der neuen Leopoldkaserne untergebracht.

Das Ende der Mitteleuropäischen Welt. Der Erste Weltkrieg in Hans Carossas"Rumänischem Tagebuch"

Vortrag von Dr. Herbert W. Wurster, Archivdirektor i. K., am Dienstag, 14. Oktober, 19 Uhr, Staatsarchiv Amberg, veranstaltet vom Historischen Verein.

Das Rumänische Kriegstagebuch von Hans Carossa verdankt sich der Verwandlung persönlichen Erlebens in eine allgemeingültige Parabel vom Leben des Menschen und der Suche nach dessen Sinn. Dabei entstehen eindrucksvolle Bilder von Leiden und Härte des Krieges. Nicht zuletzt eröffnet der Dichter den Blick in die Abgründe der Endphase des habsburgischen Reichs wie auch des Verhältnisses zwischen den Verbündeten, dem Deutschen Kaiserreich und der K. u. K. Monarchie.

Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf diebayerisch-böhmische Grenze

Vortrag von Reinhold Balk am Freitag, 24. Oktober, 19 Uhr, im alten Rathaus Schnaittenbach. Veranstaltung der VHS Amberg-Sulzbach.

Der Erste Weltkrieg hatte massive Auswirkungen auf die bayerisch-böhmische Grenze. An seinem Ende standen sich zwei neue Nachbarn gegenüber, die sich erst aneinander gewöhnen mussten. Im Westen war der Freistaat Bayern, im Osten die neue tschechoslowakische Republik entstanden. Der Vortrag beleuchtet die Situation während und nach dem Weltkrieg und die kriegsbedingten Entwicklungen an der bayerisch-böhmischen Grenze.

1914/15 - Amberg im ersten Kriegsjahr

Vortrag von Johann Ott am Dienstag, 2. Dezember, 19.30 Uhr, KEB-Bildungszentrum, Amberg.

Über das Geschehen in Amberg von der Einberufung, über Einquartierungen in Kasernen, Schulen, die Lebensmittelversorgung bis hin zu den ersten Toten.

Ostasienreise und Gefangenschaft des Matrosen Georg Zach

Vortrag von Stadtheimatpfleger Sepp Strobl am Montag, 8. Dezember, in Hirschau.

Der Matrose Georg Zach (*1893) diente seit 1912 als Heizer auf der S.M.S. Gneisenau. Wegen einer Fußverletzung wurde er im Juli 1914 auf einer Pazifikinsel ausgeschifft und überlebte so den Untergang der Gneisenau am 8. Dezember 1914 bei den Falkland-Inseln. Er überstand den Krieg in japanischer Gefangenschaft und kam erst 1920 wieder nach Deutschland zurück.

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