30.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Vor 140 Jahren erster Hochofenabstich im thüringischen Unterwellenborn - Enge Kooperation Maxhütte als "Zonenbetrieb Nr. 1"

War die Maxhütte ein urbayerisches Unternehmen? Ganz sicher, schließlich wurde sie im Sauforst bei Burglengenfeld gegründet und stieg mit dem Herzstück, der Hütte Rosenberg, in ungeahnte Größenordungen auf. Aber schon früh wagte die MH auch den Schritt über die Grenzen des damaligen Königreichs: Das Werk Unterwellenborn in Thüringen und die benachbarten Eisenerzgruben in Kamsdorf bei Saalfeld waren nur der Anfang einer beeindruckenden Expansion.

Unterwellenborn 1878: Es dominiert die Hochofenanlage, wo fünf Jahre zuvor der erste Abstich erfolgt war.
von Redaktion OnetzProfil

Vor 140 Jahren erfolgte der erste Hochofenabstich der Maxhütte jenseits der bayerischen Grenzen. Das Unternehmen hatte 1873 das Werk Unterwellenborn in Thüringen in Betrieb genommen, kein Anhängsel, sondern ein Werk, das sich anschickte, den bayerischen Betrieben den Rang abzulaufen. Dass es anders kam, lag erst an einem bahnbrechenden neuen Verfahren der Stahlherstellung und dann an der Teilung Deutschlands in Ost und West.

Hochwertiger Stahl

Hauptgrund für den Schritt nach Norden war die Tatsache, dass die bei Sulzbach und Auerbach geförderten phosphorreichen Erze im Gegensatz zu den phosphorarmen Erzen thüringischen nicht für das damals führende Bessemer-Stahlherstellungsverfahren geeignet waren. Die bayerischen Staatsbahnen verlangten ausdrücklich Schienen aus diesem qualitativ hochwertigen Stahl.

Das in Unterwellenborn erschmolzene Eisen wurde per Bahn nach Haidhof transportiert, im dortigen Stahlwerk verarbeitet und zu Schienen ausgewalzt. Die hohen Frachtkosten und die geringe Kapazität des Haidhofer Stahlwerks hatten gravierende Folgen: Das Stahlwerk wurde stillgelegt und Unterwellenborn zu einem integrierten Hüttenwerk mit zwei Bessemer-Konvertern und einer Trio-Blockstraße ausgebaut. Dort konnte das Roheisen direkt in die Konverter gefüllt und dann verblasen werden.

Zwar mussten die Rohstahlblöcke oder später das Schienenhalbzeug immer noch nach Haidhof zum Auswalzen transportiert werden, aber zu diesem Zeitpunkt hielt Ernst Fromm sen., der langjährige Leiter der Maxhütte, den Höhepunkt des Unternehmens in Bayern für überschritten; die Stilllegung des Hochofenwerkes Rosenberg war für ihn schon beschlossene Sache.

In letzter Minute

Rettung kam in letzter Minute. 1879 wurde das Thomas-Verfahren erfunden. Die Maxhütte erwarb das Patent, errichtete in Rosenberg ein Thomas-Stahlwerk und übernahm 1892/93 auch die Schienenfertigung aus Haidhof. Unterwellenborn dagegen verlor seine Bessemer-Stahl- und Halbzeugstrecke und wurde für 30 Jahre wieder zum reinen Hochofenwerk, nun allerdings auf Thomas-Roheisen ausgelegt. Grundlage waren die geeigneten Erze aus Schmiedefeld im Thüringer Wald. Wie es weiterging, schildert ausführlich Hubert Keilwerth in "150 Jahre Maxhütte" (Schriftenreihe des Stadtmuseums und Stadtarchivs Sulzbach-Rosenberg 2003). In Unterwellenborn entstand 1930 ebenfalls ein Thomas-Stahlwerk, dazu 1932 ein Walzwerk mit zwölf Hallen.

Total-Stillstand

Wenig später wurde das gemischte Hüttenwerk zu einer Waffenschmiede für den Zweiten Weltkrieg, insbesondere mit den 1935 und 1937 in Betrieb genommenen Press- und Schmiedewerken. Dem verlorenen Krieg folgte ein fast einjähriger Total-Stillstand. Durch einen Bombenangriff waren im April 1945 die energetischen Versorgungsleitungen vernichtet worden.

Erst 1946 konnte die erste Charge "Friedensstahl" erblasen werden. Mit ihren vier Hochöfen war die Maxhütte Unterwellenborn bis 1951 einziger Roheisenproduzent in Ostdeutschland und wurde deshalb als "Zonenbetrieb Nr. l" bezeichnet.

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