18.10.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Wie ein Nachbarschaftsstreit eskalieren kann - Hund zu Unrecht verdächtigt - Richterin setzt ... Eine Stabtaschenlampe und viel Blut im Schnee

von Autor HWOProfil

Es geht doch nichts über ein gutnachbarschaftliches Verhältnis. Trübt es sich, kann das Leben bisweilen zur Hölle werden. Meist wird dann über den Zaun hinweg gestritten. Zugeschlagen eher selten. Ein solcher Fall beschäftigt jetzt das Amberger Amtsgericht. Als Waffe, so viel steht bisher fest, wurde eine lange und schwere Stabtaschenlampe eingesetzt, die auf dem Kopf des Opfers eine heftig blutende Wunde hinterließ.

Die Richterin Dr. Barbara Tutsch hat Mühe, sämtliche Hintergründe aufzuklären. Der Angeklagte, 63 Jahre alt, versichert mit allem Nachdruck, er habe sich gegen eine jähe Attacke wehren müssen und deshalb ("Es war ein Reflex") seine an einem Januarabend dieses Jahres mitgeführte Taschenlampe als Waffe eingesetzt. Der zum Schlagwerkzeug umfunktionierte Lichtspender krachte auf den Kopf eines Mannes, der in einem Ort im nördlichen Landkreis gleich neben dem 63-Jährigen wohnt.

Wer war der Angreifer?

Während der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte mutmaßliche Täter steif und fest behauptet, er sei beim abendlichen Spaziergang mit seinem Hund plötzlich angegriffen worden, erinnert sich der übel malträtierte Nachbar eines ganz anderen Hergangs. Er sei, erzählte der Mann dem Gericht, gerade heimgekommen, als erst der Vierbeiner und dann dessen Herrchen wie aus dem Nichts um die Ecke bogen. Danach sei alles sehr rasch vonstatten gegangen: Erst drückte ihm der sich aus der Hinterhand erhebende Hund, offenbar von großer Rasse, die Vorderpfoten ins Kreuz. Dann soll es Schläge in die Nierengegend und gleich darauf einen Hieb mit der Taschenlampe auf den Schädel gesetzt haben.
Der Arbeiter (ein Zeuge: "Der hat wirklich geblutet wie ein Schwein") musste anschließend vier Tage ins Krankenhaus, war wochenlang arbeitsunfähig. Hinzukommende Siedlungsbewohner kümmerten sich um ihn und brachten den Schwerverletzten in die Klinik. Ein ebenfalls rein zufällig mit seinem Auto am Tatort vorüberfahrender Polizist erteilte dem noch immer dort stehenden 63-Jährigen einen Platzverweis und forderte ihn unter Vorhalt des Dienstausweises auf, in seinem Haus das Eintreffen der Streife abzuwarten.

Immer so pingelig

Die Versionen vom Hergang des winterlichen Intermezzos mit viel Blut im Schnee sind ebenso unterschiedlich wie die Angaben dazu, was denn wohl Auslöser für die Auseinandersetzung gewesen sein könnte. Die Richterin erfuhr, dass da schon seit langer Zeit eine nachbarschaftliche Fehde am Schwelen sei. Der Angeklagte sagt, er und seine Frau würden durch entweichende Rauchgase aus dem Kamin von gegenüber schikaniert. Das Opfer lässt wissen, durch allerlei Pingeligkeiten immer wieder vom Nachbarn genervt zu werden.
Grundlose Attacke oder Reflexbewegung während einer sich nach Wortwechseln anbahnenden Balgerei? Die Richterin sah am Ende des ersten Prozesstages weiteren Klärungsbedarf und ließ zwei am Tatort ermittelnde Landespolizeibeamte laden. Der Hund, vom Herrn an der Leine geführt, ist als "Mittäter" unterdessen ausgeschieden. "Er soll zugefasst haben, ist mir gesagt worden", berichtete ein Zeuge. "Nein", widersprach das Opfer, "er hat nicht zugebissen." Doch dem Mann, daraus machte er kein Geheimnis, reichten die zugefügten Blessuren ohnehin. In der kommenden Woche wird weiter verhandelt.

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