26.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Zeitzeuge Hans Pirner erinnert sich Waffen für die Feuerwehr

Vor 70 Jahren, als die alliierten Streitkräfte in Riesenschritten auf Deutschlands Grenzen vorrückten und die zweite Weltkriegsniederlage nur noch eine Frage von Monaten war, beunruhigten immer neue Befehle auch die "Heimatfront". Einer vom Herbst 1944 betraf neben zahllosen anderen Städten unmittelbar auch Sulzbach-Rosenberg und lautete: Die Feuerwehr ist zu bewaffnen!

Die Balance-Leiter oder auch Drehleiter genannt wurde bis 1952 zu Übungen herangezogen.
von Redaktion OnetzProfil

Schon vorher hatte das nationalsozialistische Regime die bis dahin Freiwillige Feuerwehr einschneidenden Veränderungen unterworfen. Im Zuge der politischen Gleichschaltung verlor sie bereits 1934 ihren Status als Verein und ihren Vorstand, und die aktiven Wehrmänner wurden in die Hilfspolizeitruppe eingegliedert.

Als Kommandant übernahm der bisherige Postfachmann Hauptmann Konrad Haller das Ruder, der als Offizier ein strenges Regiment führte. Exerzieren stand ganz oben auf dem Dienstplan, immer wieder hieß es üben an der Balanceleiter und der Handdruckspritze. Als 1939 der Krieg ausbrach, profitierte die Feuerwehr erst einmal davon, sie wurde modernisiert. Emil Schmid hieß der neue Maschinist, der für die Fahrzeuge verantwortlich war.

Fahrzeuge unter Bäume

Schmiedemeister Kerler war als Nachbar des Feuerwehr-Gerätehauses der ideale Gerätewart. Er war es auch, der bei Fliegeralarm die Tore öffnete, damit die Fahrzeuge schnellstens außerhalb der Stadt versteckt unter Bäumen in Sicherheit gebracht werden konnten.

Mittlerweile gab es durch Einberufungen zur Front jedoch immer weniger Wehrmänner. Um dem entgegenzusteuern, kam der Erlass, Angehörige der Hitler-Jugend des Jahrgangs 1928/29 zum Feuerwehrdienst zu verpflichten. Als auch von denen immer mehr ihren Marschbefehl erhielten, wurden auch Burschen des späteren Jahrgangs 1929 verpflichtet.

Runden durch die Stadt

"Und da war ich dabei", sagt der langjährige SRZ-Pressefotograf Hans Pirner, der als damals blutjunger Feuerwehrmann heute einer der allerletzten Zeitzeugen jener Ereignisse ist. "Wir übernahmen von unseren Vorgängern die übliche Routine, die regelmäßigen Nachtwachen und den Streifendienst", fügt er hinzu, "aber nur in der Stadt, draußen war die Polizei zuständig. Das war schon ein eigenartiges Gefühl, so zu zweit durch die verlassenen und völlig verdunkelten Straßen zu ziehen."

Zum Glück blieben die Stadt und damit ihre jungen Bewacher von Luftangriffen verschont. Lediglich in Fichtelbrunn ging eine schwere Bombe nieder, ohne allerdings Schaden anzurichten.

"Im Herbst 1944 fiel dann für uns völlig überraschend auf einmal das Wort "Waffenkunde". Tatsächlich warteten in der Wachstube auf uns ein Maschinengewehr, eine Pistole 08 und ein Karabiner 98. Jetzt stand ein neues Lernprogramm an: Waffen zerlegen, zusammenbauen und natürlich bedienen." Von nun an drehten die jungen HJ-Feuerwehrmänner bewaffnet in Abständen von zwei Stunden ihre Runden durch die nächtliche Stadt. Hauptsächlich sollten sie nach eventuellen Spionen und nach Kriegsgefangenen Ausschau halten, die in Erwartung eines baldigen Anrückens der Amerikaner geflohen waren.

Auch darüber hinaus waren die jungen Burschen an kriegstypischen Einsätzen beteiligt. So verlegten sie nach einem Bombenangriff auf Regensburg lange Schlauchleitungen, um die erfahrenen Feuerwehrmänner an den Brandherden mit Löschwasser zu versorgen. Auch Bergleute wie der Vater von Hans Pirner wurden nach Luftangriffen vor allem nach Nürnberg beordert, um Brände zu löschen, Trümmer beiseite zu räumen, Tote und Verletzte zu bergen.

Alle Ämter verloren

Wie ging es weiter, als Deutschland 1945 endlich wieder Frieden einkehrte? Der bisherige Sulzbacher Feuerwehrkommandant verlor natürlich alle Ämter. Als neuer 1. Kommandant stand ab 1946 Konrad Fensel an der Spitze der nun wirklich wieder freiwilligen Feuerwehr mit ausschließlich zivilen Aufgaben. Vorsitzender wurde für mehrere Jahre Karl Zagel.

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