30.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Zusammenschluss von Sulzbach und Rosenberg vor 80 Jahren - Gespräch mit dem Stadtarchivar Keine richtige "Liebesheirat"

Mit einem Festakt besiegelten die Machthaber vor 80 Jahren am 26. August 1934 den Zusammenschluss von Stadt und "Dorf": Geboren war Sulzbach-Rosenberg. Mit diesem anfangs wenig geliebten Konstrukt begann eine gemeinsame Historie mit vielen Höhen und Tiefen. In Interview schildert Stadtarchivar Johannes Hartmann den Weg zum Zusammenschluss und die damaligen Umstände in den Rathäusern.

von Andreas Royer Kontakt Profil

SRZ: Sulzbach und Rosenberg - manchmal keimt immer noch so etwas wie Rivalität auf. Wo liegen die Ursachen?

Johannes Hartmann: Nun, es gab früher schon den Unterschied zwischen den Bürgern in der alten Herzogstadt Sulzbach und dem "Dorf" mit der Hüttenindustrie und den daraus gewachsenen sozialen Schichten. Aber heutzutage neckt man sich damit eigentlich nur noch - ernst ist da sicher nichts mehr.

Wie ging die Vereinigung eigentlich über die Bühne? Mehr als Nacht-und-Nebel-Aktion?

Hartmann: Wenn man das so nennen will. NS-Kreisleiter Paul Arendt hatte jedenfalls bei der Sitzung von Gemeinderat Rosenberg und Stadtrat Sulzbach schon den Vereinigungsbeschluss in der Tasche. Alles wurde natürlich von nationalsozialistischer Propaganda begleitet. Es sollte schnellstmöglich eine 10 000-Einwohner-Stadt geschaffen werden. Arendt ging geradezu versessen an diese Aufgabe heran.

Gab es den Fusionsgedanken auch schon vor der Nazi-Herrschaft?

Hartmann: Ja, den gab es auch schon in den 1920er Jahren der Weimarer Republik. Damit sollte der gesunkenen Bedeutung der alten Residenzstadt Sulzbach entgegengewirkt werden. Außerdem fürchtete man eine Auflösung des damaligen Landkreises Sulzbach und damit verbunden eine Zusammenlegung mit dem Amberger Kreis. Es gab dann kurz vor der Machtergreifung schon ganz konkrete Vorstellungen von einer Doppelstadt.

Wie sah der Zeitplan zur Fusion der beiden Orte aus?

Hartmann: Der Beschluss zur Vereinigung und der entsprechende Antrag wurden am 7. April von beiden Gemeindegremien im Schlössl gefasst. Die offizielle Bestätigung kam vom Innenministerium am 5. Juli rückwirkend zum 1. Juli 1934. Auch der Stadtrat musste sich nun neu konstituieren, dies war dann am 17. Juli der Fall. Ein Staatsakt Ende August mit dem bayerischen Innenminister Adolf Wagner sowie Gauleiter Hans Schemm besiegelte offiziell den Zusammenschluss. Gefeiert wurde vor dem Rathaus und anschließend auf dem Annaberg.

Fühlte sich der körperlich kleine Arendt in der Provinz etwa als eine Art Führer-Kopie?

Hartmann: Dieses Verhalten von Funktionären der Nazis ist ja nicht ungewöhnlich. Dafür gibt es genügend Beispiele. Aber bei Arendt treten schon gewisse Allüren oder die Neigung zur Großmannssucht zutage. Unter anderem übernahm er für die Doppelstadt den Titel Oberbürgermeister, der ihm eigentlich nicht zustand, oder machte Sulzbach-Rosenberg zum Luftkurort - neben den Schloten der Maxhütte. Auch die von Arendt selbst lancierten Artikel in der Presse über ihn zeugen von einer gewissen Profilneurose oder Selbstüberschätzung.

Für welche Aktionen zeichnete Arendt noch verantwortlich?

Hartmann: Hier muss man noch auf den Anschluss von Großalbershof 1935 kurz eingehen. Auch dieser verlief auf Seiten des kleineren Partners nicht gerade freiwillig. Auf Druck der NSDAP-Stellen und massiver Propaganda wurde auch dieser Anschluss vollzogen. Sulzbach-Rosenberg kam damit an die wertvollen Erzgruben und erreichte durch die 660 Großalbershofer Bürger endlich den Sprung über die kommunalrechtlich wichtige 10 000-Einwohner-Marke.

Hatte Kreisleiter Paul Arendt noch weitere "große" Pläne?

Hartmann: So ist es, er wollte die neue Doppelstadt weiter aufwerten. Unter anderem sollte sie den Status einer kreisfreien Stadt erlangen, was aber übergeordnete Stellen verhinderten. Ein weiteres Ansinnen war eine unmittelbare Bahnverbindung zwischen Sulzbach-Rosenberg und Großalbershof. Die Stadt sollte damit zum Eisenbahnknotenpunkt werden. Auch dieses Unterfangen fand bei Reichsbahndirektion, Regierung und Innenministerium keine Zustimmung.

Begann Arendts Stern allmählich zu sinken?

Hartmann: Ja. Mit dem Unfalltod von Gauleiter Hans Schemm, der für ihn Förderer und Rückhalt in der Partei war, kam es zu einem Umbruch. Beschwerden über den unbeliebten Arendt nahm die neue Gauleitung aufmerksam auf. Schließlich stolperte er über einige Ungereimtheiten bei Finanz- und Grundstücksgeschäften, was seinen Rückzug 1936 beschleunigte. Em Ende verzog er nach Nürnberg, wo er in späterer Zeit den "Modischen Arendt" gründete und als Geschäftsmann erfolgreich war.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.