Denkmalschutz soll fallen - Rückbau-Pläne auf dem Maxhütte-Gelände in Sulzbach-Rosenberg
Der Dinosaurier stirbt langsam

Politik
Sulzbach-Rosenberg
02.01.2017
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Der etwa 30 Meter hohe Hochofen III soll als Denkmal an die Maxhütte erhalten bleiben, wenn sich ein Geldgeber findet. Bild: Lösch
 
Der frühere Geschäftsführer des Maxhütte-Rohrwerks, Karl Reyzl, skizziert die Pläne zum Dokumentationszentrum Maxhütte. Bild: Lösch

Als die Maxhütte 2002 den Betrieb einstellte, wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Nun sollen die vor sich hin rostenden Anlagen ihren Schutzstatus verlieren. Geplant sind: Abriss, Sanierung und Neunutzung. Dennoch soll die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten.

Bislang fanden Rückbau und Altlastensanierung nur in Teilschritten und vornehmlich im Ostteil des über 220 000 Quadratmeter großen Geländes der Maxhütte (MH) statt. Den weiteren Rückbau von Walzwerkgebäude und Stahlwerk im Westbereich verhinderte der Denkmalschutz.

Dieser Status soll nun nach dem Willen des Eigentümers fallen, damit der Rückbau der Anlagen und die Altlastensanierung fortgesetzt und zu Ende gebracht werden können, auch im Interesse des Umweltschutzes. Allein im Bereich des ehemaligen Walzwerks haben entsprechende Untersuchungen eine mehrere Meter tief reichende massive Verseuchung des Erdreichs durch Ölrückstände und andere Schadstoffe ergeben. Diese machen einen Bodenaustausch unumgänglich.

Stadt für Teil-Rückbau

Nachdem eine große Denkmalschutz-Lösung, mit der die komplette Anlagenkonfiguration des einst größten Eisen- und Stahlwerks in ganz Süddeutschland als Industriemuseum fortbestehen könnte, von allen Beteiligten allein schon aus Kostengründen als nicht realisierbar angesehen wird, liegt eine zügige Fortführung der Rückbau- und Sanierungsarbeiten auch im Interesse der verantwortlichen Kommunalpolitik. Stadt und Landkreis wollen den notwendigen Maßnahmen zum Umweltschutz und zur künftigen Neunutzung des altindustriellen Geländes nicht im Wege stehen. So fasste der Sulzbach-Rosenberger Stadtrat Ende vergangenen Jahres den einstimmigen Beschluss, die bereits seit zwei Jahren vorliegenden Anträge auf den Restrückbau zu genehmigen, wenn auch der staatliche Denkmalschutz dazu grünes Licht gibt.

Dies alles aber auch nur unter dem zusätzlichen Vorbehalt, dass für den einzigen noch erhaltenen MH-Hochofen samt dazugehörigen Kauperanlagen (Winderhitzer) und Gießhallen ein realisierbares Museums- und Eventkonzept angestrebt wird. Denn diese letzten Zeugen einer über 150-jährigen Maxhütte-Geschichte und einer 2000 Jahre alten Montantradition möchte die Stadt Sulzbach-Rosenberg unbedingt für die Zukunft erhalten und gesichert sehen. Schon in der Zeit der Kelten wurde in der Region Eisen erschmolzen und verarbeitet. Diese Stoßrichtung verfolgt auch eine inzwischen gegründete Interessengemeinschaft "Freunde Rosenbergs", die im Dezember 2016 eine Unterschriftenaktion "Rettet den Hochofen und die Hochofen-Plaza" gestartet hat.

Finanzierung fehlt

Dem Wunsch nach einem abgespeckten "Industriedenkmal Maxhütte" stünde auch der Eigentümer, die Aicher-Unternehmensgruppe, aufgeschlossen gegenüber, wie wir in einem Gespräch mit dem langjährigen Geschäftsführer des Maxhütte-Rohrwerks, Karl Reyzl, erfuhren. Reyzl war bereits in den Jahren 2000 bis 2012 als Rohrwerk-Chef federführend für den Aufgabenbereich MH-Rückbau und Altlastensanierung verantwortlich und ist bis heute als Berater der MHT (Maxhütte Technologie) und des Rohrwerks weiter mit dieser Thematik befasst.

In Abstimmung mit dem Eigentümer, so Karl Reyzl, sei bereits bei der Änderung des Flächennutzungsplans für das MH-Altgelände festgelegt worden, den Hochofen mit Kauper, Gießhallen und Plaza zu erhalten. "Allerdings ist bis dato keine Lösung zur Finanzierung dieses Vorhabens in Sicht." Eine aktuelle Kostenermittlung nennt allein für die Sicherung des Hochofens einen Aufwand von rund 1 Million Euro. Das angedachte Modell, den Hochofenbereich dauerhaft als Museum und für Kultur und Freizeit nutzbar zu machen, würde Startinvestitionen von rund 5 Millionen erfordern. Hinzu kämen jährliche Unterhalts- und Betriebskosten von geschätzt 80 000 bis 100 000 Euro. Ein Aufwand also, den Stadt und Landkreis alleine nicht stemmen können.

Nach einhelliger Auffassung aller beteiligten Ebenen müsste hier der bayerische Staat als früherer jahrzehntelanger maßgeblicher Anteilseigner an der Maxhütte mit ins Boot, um dieses einzigartige Monument als Denkmal an die Frühzeit der Industrialisierung Bayerns zu retten.

Die Pläne für das Areal der ehemaligen MaxhütteWas ist bisher geschehen mit dem "Koloss Maxhütte"? Wie soll es weiter gehen, was ist geplant, was ist machbar? Nach dem zweiten Konkurs des Unternehmens, der 2002 in die endgültige Schließung des Eisenwerks führte, ersteigerte 2004 das Maxhütte-Rohrwerk im Auftrag der Aicher-Gruppe die Produktionsanlagen und startete in den Folgejahren in Teilabschnitten den Rückbau und Verkauf von wichtigen Aggregaten und Anlageteilen.

Verkauf von Anlagen

So wurde die hochmoderne Stranggußanlage an den Stahlkonzern Großmann (Osnabrück) veräußert, die Sauerstoffanlage arbeitet inzwischen in Indien, Walzwerkgerüste gingen in die Türkei. Nach gescheiterten Verkaufsverhandlungen mit mehreren Interessenten aus Indien und Bangladesch ist inzwischen auch das OBM-Stahlwerk an einen türkischen Unternehmer verkauft, der bereits mit dem Abbau von Anlageteilen begonnen hat.

Gewerbegebiet

Der rund 60 000 Quadratmeter große Ostteil des MH-Areals wurde zur Erweiterung des dort angrenzenden Gewerbegebietes Lohe bis 2013 komplett rückgebaut, das Gelände saniert und neu profiliert (Kostenaufwand 5 Millionen Euro). Laut aktueller Flächennutzungsplanung soll künftig der Großteil der MH-Flächen gewerblich oder industriell genutzt werden. "Es ist ja auch sinnvoll", so Karl Reyzl, "solche altindustriellen Standorte weiter zu verwenden, statt für neue Gewerbegebiete Wald und Wiese umzupflügen."

Vermietung und Wohngebiet

Bis heute haben sich in verschiedenen Gebäuden und Hallen der einstigen Eisenhütte bereits mehr als zehn kleine und mittlere Betriebe mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung angesiedelt (von einer Kfz-Werkstätte über eine Glasmühle bis hin zu Holzhandwerk, Logistik- und Lagerunternehmen). "Laufend gehen beim Eigentümer weitere Anfragen von potenziellen Nutzern und Mietern ein." Lediglich im rund 160 000 Quadratmeter umfassenden Westbereich ist die Erschließung neuer Wohngebiete mit rund 120 Wohneinheiten geplant, was eine bedeutende strukturelle Stärkung des Stadtteils Rosenberg bedeuten würde.

Dokumentationszentrum

Relativ weit gediehen und detailliert sind nach Angaben von Karl Reyzl auch die Pläne für ein Industriemuseum Hochofen. "Wir haben bereits in den zurück liegenden Jahren wichtige Teile aus der Produktionslinie nicht verkauft oder verschrottet, sondern für eine künftige Verwendung in einem Dokumentationszentrum gesichert, so eine der historischen Dampfmaschinen des Walzwerks oder auch einen kompletten Konverterboden mit den Aggregaten zum Sauerstoffeinblasen."

In der Gießhalle am Hochofen III soll nach Reyzls Angaben eine Dauerausstellung mit Videopräsentation zur Geschichte Platz finden, außerdem ein Modell des gesamten integrierten Hüttenwerks in einer Abmessung von etwa 3 mal 8 Metern, aufgebaut als von oben einsehbares Miniaturwerk mit beweglichen Anlageteilen, das den kompletten Produktionsablauf und Stoff-Fluss von der Eisenerschmelzung im Hochofen über die Veredelung im Stahlwerk bis zur Fertigung der Walzprodukte (Schienen, Profilstähle usw.) erlebbar werden lässt. (rlö)

Angemerkt: Bayerische Geschichte

Von Alexander Rädle

Das Jahr 2017 wird das Jahr der Entscheidung darüber, was von der Montan-Industrie-Geschichte der Oberpfalz übrig bleibt. Zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert galt die Region als Zentrum der Eisenproduktion im deutschsprachigen Raum - das "Ruhrgebiet des Mittelalters". Aus Hämmern entwickelten sich Eisenwerke, wie in Sulzbach-Rosenberg, Amberg, Bodenwöhr, Weiherhammer oder Fronberg. Für diese Geschichte steht stellvertretend der letzte konventionelle Hochofen Bayerns - in Sulzbach-Rosenberg. Obwohl an der Denkmalwürdigkeit keine Zweifel bestehen, hält sich der Freistaat vornehm zurück. Es wäre auch seine Aufgabe, dieses Stück bayerischer Geschichte zu erhalten. Warum nicht als Außenstelle des Museums der Bayerischen Geschichte, das 2018 in Regensburg eröffnet werden soll?
3 Kommentare
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Werner Schneider aus Gleiritsch | 03.01.2017 | 10:02  
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Joachim W aus Sulzbach-Rosenberg | 03.01.2017 | 10:20  
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Stefan Kreuzeck aus Weiden in der Oberpfalz | 03.01.2017 | 17:07  
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