13.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Gewerkschaften fordern Veränderungen in Gesellschaft, Beruf und Privatleben, um Frauenarmut zu ... "Einen Mann weit von der Armut entfernt"

Weil die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in weiten Teilen der Gesellschaft noch nicht verwirklicht sei, halten der Verdi-Ortsverein und das DGB-Ortskartell den Internationalen Frauentag nach wie vor für notwendig. Für eine Veranstaltung dazu holten sie Marina Mühlbauer, Mitglied im Verdi-Frauenrat Bayern und im Bezirksvorstand der Oberpfalz, in den Bayerischen Hof. Das Frauenwahlrecht und die Gründung des Freistaats Bayern seien nicht das Ergebnis bürgerlicher Politik, sondern auf die Revolution 1918 und den Druck der Arbeiter-, Gewerkschafts- und proletarischen Frauenbewegung zurück zu führen, betonte der Ortsvorsitzende von Verdi, Manfred Weiß einleitend. Leider werde diese Tatsache oft verschwiegen und der Internationale Frauentag als weiterer Muttertag begangen.

"Nur Frauen und Männer zusammen können die Gleichberechtigung durchsetzen", sind sich (von links) DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Berndt, Verdi-Ortsvorsitzender Manfred Weiß, die Referentin Marina Mühlbauer und die stellvertretende Verdi-Ortsvorsitzende Maya Fischer einig. Bild: mfh
von Wolfgang BerndtProfil

"Armut ist weiblich", konstatierte Marina Mühlbauer. Prekäre Beschäftigung habe die Folge, dass Frauen auf das Einkommen des Partners oder, wenn sie alleinstehend sind, auf staatliche Sozialleistungen angewiesen seien. Bei einer Trennung oder Scheidung bestehe ein hohes Risiko, zu verarmen. "Frauen sind einen Mann weit von der Armut entfernt", brachte es die Referentin auf den Punkt.

Frauen, die sich beruflich weiter qualifizieren und eine unabhängige finanzielle Basis schaffen, befänden sich immer noch in der Minderheit. Unterbrochene Erwerbsbiografien wegen der Geburt und Erziehung von Kindern wirkten sich negativ auf das Berufsleben, aber auch auf die Höhe der Rente aus.

Gewalt in der Ehe werde erst seit 1975 gesetzlich thematisiert. Wenn sie eine solche Beziehung verlasse, müsse eine Frau von jetzt auf gleich den Lebensunterhalt für sich selbst, aber auf für die Kinder erarbeiten, weil sich gewalttätige Männer meist weigerten, sofort Unterhalt zu leisten. Frauen mit Behinderung und alleinstehende wohnungslose Frauen seien besonders von Armut betroffen. "Ohne strukturelle Veränderung in der Gesellschaft, im Berufs- und Privatleben kann Frauenarmut nicht bewältigt werden", resümierte Marina Mühlbauer.

"Ohne Frauen wäre die Gewerkschaftsbewegung um einiges ärmer und könnte ihre Aufgabe, eine menschenwürdige Gesellschaft für alle zu erreichen, nicht erfüllen", war sich der DGB-Kreisvorsitzende Wolfgang Berndt sicher.

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