03.09.2017 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Gewerkschaftsjugend kritisiert Bundeswehr-Kampagne "Mach, was wirklich zählt" Krieg mit cooler Musik unterlegt

Am Antikriegstag erinnern die Gewerkschaften an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939. Die Mahnung zum Frieden begleiten sie mit Hinweisen auf aktuelle Ereignisse. Stoff liefert ihnen dieses Mal die Bundeswehr.

Einen Willkommensgruß entbot der Gewerkschaftssekretär Matthias Scherr (vorne links) besonders Bürgermeister Michael Göth, dem Organisationssekretär des DGB, Peter Hofmann, und dem Referenten Matthias Winter (hinten links). Bild: gf
von Wolfgang BerndtProfil

Die Gedenkveranstaltung der IG Metall anlässlich des Antikriegstags eröffneten Tanja und Michael Dandorfer mit dem Lied von den Moorsoldaten. "Jedes Jahr könnte man sagen, heuer ist es besonders wichtig, diesen Tag zu begehen, da die Krisenherde immer mehr zunehmen", sagte der Gewerkschaftssekretär der IG Metall, Matthias Scherr, bei der Begrüßung.

Gerade Deutschland und Europa sah er in der Pflicht, friedenspolitisch Verantwortung zu übernehmen. Die massive Erhöhung der Militärausgaben sei dazu der falsche Weg. "Wenn Profit größere Bedeutung als ein Menschenleben genießt, dann ist dies ein großes Hindernis, um Frieden zu schaffen", betonte Scherr.

Ein aktuelles Beispiel komme aus dem Rüstungsbetrieb Heckler & Koch: Dort habe der Aufsichtsrat den Vorstandsvorsitzenden entlassen, nachdem dieser gefordert habe, keine Geschäfte mit undemokratischen und korrupten Ländern zu machen.

Damit sich das Leid und das Grauen der beiden Weltkriege nie wiederholen, forderten in den 1950er-Jahren Gewerkschafter "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus". Dem stellte der Vorsitzende des IG Metall-Ortsjugendausschusses, Matthias Winter, die heutige Situation gegenüber. Rund 35 zwischenstaatliche Konflikte würden mit Waffen ausgetragen; mehr als 65 Millionen Menschen befänden sich weltweit auf der Flucht. Gleichzeitig bröckle Europa als Wertegemeinschaft von innen heraus. In vielen EU-Ländern gingen Rechtspopulisten erfolgreich auf Stimmenfang.

Um dem entgegenzuwirken, sei eine europäische Friedenspolitik dringend nötig. Eine Bundesregierung, die das Friedensgebot des Grundgesetzes ernst nehme, müsse die Bundeswehr aus Kriegsschauplätzen abziehen, die zivile Konfliktbewältigung stärken und die unsägliche Diskussion über die Wiedereinführung der Wehrpflicht beenden.

Derzeit sei es aber kaum mehr möglich, der Bundeswehr-Kampagne "Mach, was wirklich zählt" aus dem Weg zu gehen. 12,5 Millionen Euro würden dafür ausgegeben. Krieg werde, zum Beispiel im Youtube-Video "Die Rekruten", mit cooler Musik unterlegt und spielerisch harmlos dargestellt. Tatsächlich sei die Bundeswehr eine zutiefst undemokratische Organisation und somit kein legitimer Diskussionspartner. "Jeder aus Afghanistan kommende Sarg ist eine Warnung, wie eine vermeintlich große Karriere bei der Bundeswehr enden kann", gab Winter zu bedenken.

Es sei an der Zeit, eine neue Initiative für Frieden und Entspannung in Europa und in der Welt zu starten. Bei der Bundestagswahl am 24. September liege es in der Hand der Wähler, den Einzug rechtspopulistischer und ausländerfeindlicher Parteien wie AfD und NPD ins Parlament zu verhindern.

Jeder aus Afghanistan kommende Sarg ist eine Warnung, wie eine vermeintlich große Karriere bei der Bundeswehr enden kann.Matthias Winter
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