10.10.2017 - 16:16 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hans Lauterbach über "Sulzbach-Rosenberg hilft" und die Stimmung in der Bevölkerung "Druck auf die Ehrenamtlichen wächst"

Als "Vorbild und Wegweiser im Bereich der Integration" ist die Bürgerinitiative "Sulzbach-Rosenberg hilft" mit dem Integrationspreis der Regierung der Oberpfalz ausgezeichnet worden. Hans Lauterbach als Sprecher der Initiative ist stolz auf diese Ehrung, sieht allerdings auch noch viele Aufgaben, die vor den ehrenamtlichen Helfern liegen.

"Vorher haben die Ehrenamtlichen viel Anerkennung erfahren, jetzt werden sie hin und wieder belächelt oder bekommen auch den einen oder anderen blöden Spruch zu hören." Zitat: Hans Lauterbach über den Stimmungsumschwung durch die Bundestagswahl
von Markus Müller Kontakt Profil

Herr Lauterbach, seit wann gibt es "Sulzbach-Rosenberg hilft"?

Hans Lauterbach: Seit dem Oktober 2014, als Pegida aufkam.

Dann war die Gründung eine Reaktion auf die Pegida-Aktivitäten?

Sie war vor allem eine Gegenreaktion zu ausländerfeindlichen und rassistischen Kommentaren auf Facebook-Seiten in Sulzbach-Rosenberg.

Wie viele Leute machen bei "Sulzbach-Rosenberg hilft" mit?

Das sind jetzt so um die 30 Ehrenamtliche. Zu Zeiten der Turnhallen-Unterbringung waren es aber weit über 100.

Und dann ist das abgeschmolzen?

Es hat sich geändert, viel hat sich verselbstständigt. Etliche von denen, die damals in der Turnhalle mitgeholfen haben, betreuen heute einen Flüchtling oder eine Flüchtlingsfamilie eher privat.

Und bei den Zielen ging es "Sulzbach-Rosenberg hilft" von Anfang an um Flüchtlingshilfe?

Ja, aber auch sozial schwache deutsche Familien können in unserer Kleiderkammer Kleider haben. Die ist in der Berufsschule untergebracht und hat alle 14 Tage am Mittwochnachmittag geöffnet.

Was hat sich denn an den ursprünglichen Aufgaben von "Sulzbach-Rosenberg hilft" verändert?

In den ersten eineinhalb Jahren ging es vor allem um eine Grundversorgung der Flüchtlinge mit dem Nötigsten. Als dann die Turnhallen-Unterbringung kam, ging es viel um Sprachkurse, Sportangebote, Kinderaktionen, ein Frauencafé - wir wollten die Leute halt auch aus der Halle rausbringen. Außerdem haben wir ihnen mit Vorträgen von Staatsanwälten und Richtern unsere Werte vermittelt. Später waren dann mehr Patenschaften im Blickpunkt, also die aktive Betreuung. Heute sind die Hauptaufgaben die Jobsuche und die Wohnungssuche - und die Nachhilfe für die Kinder.

Was bereitet "Sulzbach-Rosenberg hilft" derzeit bei der alltäglichen Arbeit die meisten Probleme? Wo könnten Sie gut Hilfe gebrauchen?

Wir bräuchten noch mehr ehrenamtliche Paten, die sich um Flüchtlinge kümmern. Zum Beispiel als Lesepaten oder Hausaufgabenhelfer für Kinder. Wir könnten auch handwerklich Begabte brauchen, die Fahrräder reparieren oder herrichten.

Was bedeutet die Auszeichnung mit dem Integrationspreis denn für "Sulzbach-Rosenberg hilft"?

Die letzten Jahre wurden da ja Projekte ausgezeichnet, die es schon ganz lange gibt. Da sind wir schon stolz, dass wir uns mit ihnen in eine Reihe stellen können. Für uns ist wichtig, dass wir Integration leisten und den Flüchtlingen unsere Normen und Werte beibringen, damit wir in der Stadt ein Klima schaffen, mit dem das Zusammenleben gut funktioniert.

Ist das in letzter Zeit schwieriger geworden?

Durch den Stimmungsumschwung rund um die Bundestagswahl merken wir schon, dass sich was verändert, dass sich der Druck auf die Ehrenamtlichen verstärkt. Vorher haben sie viel Anerkennung erfahren, jetzt werden sie hin und wieder belächelt oder bekommen auch den einen oder anderen blöden Spruch zu hören. Von diesem wachsenden Druck haben wir bei der Preisverleihung auch Sozialministerin Emilia Müller erzählt.

Wissen Sie schon, wofür Sie die 700 Euro Preisgeld verwenden werden?

Nein, wir sind ja eine Bürgerinitiative und kein Verein und entscheiden nach Bedarf, mal braucht ein Kind eine Schultasche, mal gibt es einen Zuschuss für Fahrkosten, die das Jobcenter nicht zahlt. Wir nutzen das Preisgeld zielgerichtet, wo der Bedarf am nötigsten erscheint. Vielleicht für eine ärztliche Behandlung, die sonst nicht gezahlt wird.

Wissen Sie eigentlich, wer Sie für den Preis vorgeschlagen hat?

Es gab eine offizielle Ausschreibung, und wir haben uns selbst beworben. Gewundert haben wir uns dann allerdings, dass wir bei den Kommunen und nicht bei den Vereinen eingeordnet worden sind. Aber das war uns dann auch Wurst.

Vorher haben die Ehrenamtlichen viel Anerkennung erfahren, jetzt werden sie hin und wieder belächelt oder bekommen auch den einen oder anderen blöden Spruch zu hören.Hans Lauterbach über den Stimmungsumschwung durch die Bundestagswahl

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