04.03.2018 - 14:58 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Landfrauentag mit Barbara Stamm Vom hohen Wert der Heimat

Barbara Stamm und ihr Thema "Das ist Heimat" kommen gut an in Großenfalz. Lang war die Liste der Gäste aus Politik und Landwirtschaft an diesem Nachmittag. Und von einem jungen Mann lässt sich die Referentin gern in den Arm nehmen.

"Heimat ist eine Botschaft, die in einer aus den Fugen geratenen Welt mehr ist als ein Begriff." Zitat: Barbara Stamm
von Helga KammProfil

Als "Heide Keller der CSU" wurde sie betitelt von der Mama Bavaria auf dem Nockherberg. Für andere, weniger "Traumschiff"-Begeisterte ist Barbara Stamm "die Mutter des Landtags". Beim Landfrauentag in Großenfalz wurde die resolute CSU-Politikerin besonders ihrem dritten Namen gerecht als "die Kümmerin mit Herz". Ans Herz gingen auch die Geschichten und Erinnerungen, mit denen Josef Schmaußer, Ortsheimatpfleger aus Hohenkemnath, die gute alte Zeit wieder aufleben ließ. Und auch der BBV-Ortsbäuerinnenchor bot mit Liedern und einer kleinen Bühnenshow gute Unterhaltung.

Kreisbäuerin Brigitte Trummer hatte eine lange Reihe von Gästen aus Politik und Landwirtschaft zu begrüßen. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten war mit seinem Chef Wolfhard-Rüdiger Wicht vertreten, der Bauernverband unter anderem mit der Bezirksbäuerin Rita Blüml aus Regensburg. Wicht und Blüml richteten kurze Worte an die Landfrauen, während die Politiker-Riege dem OTV-Moderator Thomas Bärthlein Rede und Antwort stehen musste. Dieser war es übrigens, der wie schon einmal die Bundeskanzlerin nun auch die Landtagspräsidentin an sich drücken wollte. Barbara Stamm beantwortete die charmante Anfrage mit offenen Armen.

Die Landtagspräsidentin aus Franken kam nicht im legendären blauen Kleid, das bleibt der Fasnacht in Veitshöchheim vorbehalten. Aber auch im eleganten Grünen machte die bei Umfragen momentan beliebteste Politikerin in Bayern eine gute Figur.

Den Gästen im vollen Wagner-Saal versicherte sie: "Die Politik weiß, was von den Frauen in den Dörfern und Familien geleistet wird", um dann einen weiten Bogen zu spannen von den vielfachen Veränderungen in der heutigen, "ein wenig aus den Fugen geratenen Welt" und den damit verbundenen Herausforderungen. Der Begriff Heimat werde jetzt nicht mehr abgetan als Gefühlsduselei, sondern bedeute Wertegebundenheit, sei das Bedürfnis nach einer kleinen überschaubaren Struktur. Die Digitalisierung bringe zwar Erleichterung im beruflichen Bereich, führe aber auch dazu, dass junge Menschen Arbeit nicht mehr in ihrer Heimat fänden, sondern in Ballungszentren ausweichen müssten.

Leerstehende Ortskerne, fehlende Bäcker und Metzger im Dorf, geschlossene Wirtshäuser und - viel gravierender - zunehmende psychische Krankheiten sind für Barbara Stamm Folgen einer sich veränderten Welt. "Es ist ein Spagat, diese Herausforderungen zu erkennen, aber auch zu wissen, was Menschen brauchen", sagte sie. Der ländliche Raum biete da viele Vorteile: man kenne sich, helfe sich, wisse um den Wert von Familie und Kindern.

Es gebe Zusammenhalt und ein Miteinander jenseits von Ideologien und Parteizugehörigkeit. Veränderungen der Heimat sieht Stamm aber auch durch Flüchtlinge. Hier forderte die Landtagspräsidentin Menschlichkeit, Verantwortung und Toleranz, stellte aber klar: "Das kann nicht bedeuten, dass wir uns verändern lassen, sondern Toleranz muss auch von den Anderen erbracht werden".

Mutig, kreativ, eigenverantwortlich und miteinander die Probleme der Zeit angehen, das ist die Botschaft, die Barbara Stamm vermitteln wollte in einer interessanten Rede, in der - wie Brigitte Trummer feststellte - nicht geschwätzt, sondern aufmerksam zugehört wurde. Der Dank für ihren engagierten Auftritt: Blumen des Landrats, ein Korb mit regionalen Schmankerln und die Bitte um einen Eintrag ins Goldene Buch.

Heimat ist eine Botschaft, die in einer aus den Fugen geratenen Welt mehr ist als ein Begriff.Barbara Stamm

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