Rededuell der Bürgermeister-Kandidaten in Sulzbach-Rosenberg
Göth und Koller im Angriffsmodus

Gut einen Monat vor der Bürgermeisterwahl in Sulzbach-Rosenberg stellten sich auf dem Podium im Capitol den Fragen der Bürger: Bürgermeister Michael Göth (SPD, rechts) und Herausforderer Günter Koller (CSU). (Foto: Petra Hartl)
Politik
Sulzbach-Rosenberg
13.12.2017
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Bild: Hartl

Das Interesse ist enorm: Wer keinen Stuhl mehr ergattert, wählt einen Stehplatz im Foyer und hält zweieinhalb Stunden durch. So lange dauert das Rededuell der Sulzbach-Rosenberger Bürgermeisterkandidaten im Capitol. Doch Langeweile kommt nicht auf.

Dafür sorgen ein bisweilen recht angriffslustiger Amtsinhaber Michael Göth (SPD) und ein nicht minder kämpferischer Herausforderer Günter Koller (CSU). Sie geraten sich nach einer kurzen persönlichen Vorstellung gleich beim Thema Bauen und Wohnen in die Haare. Leser Manfred Pickel hatte per E-Mail eine Frage zu den Straßenausbaubeiträgen eingereicht. Koller ist für das System der wiederkehrenden Ausbaubeiträge, Göth dagegen. "Wir sollten abwarten, wie die Popularklage ausgeht", sagt der amtierende Bürgermeister. Er könne nicht verstehen, warum Koller da ohne Not vorpresche.

"Freistaat in der Pflicht"

Beide Bewerber um den Bürgermeisterposten - die Wahl ist auf Sonntag, 14. Januar, terminiert - sind sich einig, dass die Verkehrsbelastung im Ortsteil Loderhof verringert werden muss. Doch beim Thema Nutzung des Maxhütten-Areals kracht es erneut. "Es reicht nicht, Ende September 2017 einen Arbeitskreis zu gründen", wirft Koller dem Rathauschef vor. "Wir hätten schon viel länger in die Puschen kommen müssen." Koller will eine städtische Betreibergesellschaft gründen, die formuliert, was die Stadt mit dem ehemaligen Industriegelände anfangen will.

Teil 1 - Bauen und Wohnen/Maxhütte


Göth hält dagegen: "Der Freistaat steht in der Pflicht", unterstreicht er unter dem Beifall seiner Parteifreunde. Bayern kümmere sich um Schlösser und Burgen und habe auch eine Verantwortung für die Industriehistorie. Da meldet sich Ex-Kreis- und Stadtrat Franz Kick (SPD) zu Wort, um Göth Rückendeckung zu geben. Das Erbe der Maxhütte zu bewahren sei eine Pflichtaufgabe des Freistaats "und keine Wohltat".

Reicht nicht, Brief zu schreiben

Koller allerdings bleibt dabei. Er vermisst die Initiative des Bürgermeisters. "Es reicht eben nicht, einen Brief an den Ministerpräsidenten zu schreiben. Das kann ich am Tag drei Mal machen", sagt er. Die Themen schweifen über Storg-Immobilie und Liliencenter zum Seidel-Anwesen. Göth wiederholt seine altbekannte Position zu dem historischen Gebäude in der Innenstadt: "Wenn die Stadt es nicht erwirbt, wird es auf Dauer leerstehen." Und er greift Koller direkt an. Wenn der politische Gegner behaupte, er habe die Kontrolle über die Finanzen verloren, "dann sage ich: die haben die Kontrolle über ihren Anstand verloren".

Vehement fordert Martin Morgenschweis (Junge Union), vom Bürgermeister ein, die Kosten für das Seidel-Anwesen klar zu benennen. Es dauert ein bisschen, aber schließlich nennt Göth den Betrag von 3,6 Millionen Euro für die Sanierung des rückwärtigen Teiles, der den Seidel-Saal beinhaltet, und bekräftigt, das Projekt bis März auf den Weg bringen zu wollen. Koller betont: "Solange die Zahlen nicht zu 100 Prozent auf dem Tisch liegen, werde ich meine Hand nicht heben."

2000 Aufrufe im Internet

Auch die seit Jahren schwelende Diskussion um ein Ganzjahresbad kommt auf den Tisch. Beide Kandidaten sprechen davon, sich für eine "Winterschwimmgelegenheit" stark zu machen. Dass der Standort dafür unbedingt das Waldbad sein muss, sagt keiner. Onetz Amberg überträgt den Schlagabtausch live via Facebook. Bis Mittwochmorgen wird das Video mehr als 2000 Mal aufgerufen, zahlreiche Kommentare und Fragen gehen ein, einige davon werden sofort an die Diskutanten weitergereicht.

Teil 2 Jugend, Kultur, Soziales/Waldbad



Höchstens zwei Stunden sollte der Diskurs dauern, es sind zweieinhalb geworden. Michael Göth zeigt sich zufrieden. "Hat schon gepasst", resümiert er anschließend im Kreis seiner Anhänger. Genauso macht es Günter Koller. Sein Parteifreund Patrick Fröhlich bestellt ihm ein Weizenbier. "Das wird knapp", meint ein älterer Herr, als er sich die Jacke anzieht und sich in die Nacht verabschiedet. Bei der Stichwahl vor sechs Jahren trennten die beiden nur 236 Stimmen.

Die Videos von der kompletten Veranstaltung sind auf Facebook unter Onetz Amberg nach wie vor abrufbar. Wir berichten in den folgenden Tagen noch detaillierter über die einzelnen Themenkomplexe.
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