24.04.2018 - 14:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

14 Hunde mit Ungefährlichkeits-Bescheinigung in Sulzbach-Rosenberg Kampfhunde mit gutem Zeugnis

Aggressive Kampfhunde, die Menschen töten, machen seit einiger Zeit Schlagzeilen. Kampfhunde gibt es auch in Sulzbach-Rosenberg - 14 Stück. Sie gelten allerdings als ungefährlich.

"Keks" landete 2016 im Amberger Tierheim, nachdem sein 17-jähriger Besitzer erst nach dem Kauf per Internet festgestellt hatte, dass das kein Boxermischling, sondern ein in Bayern verbotener Pitbull war. Bild: htl
von Kristina Sandig Kontakt Profil

(san/ll) In Hannover war es ein Staffordshire-Mix, der seine beiden Halter, eine 52-jährige Frau und deren 27 Jahre alten Sohn totbiss. Die nächste schockierende Nachricht kam aus dem hessischen Bad König: Ein Kampfhund, vermutlich ebenfalls ein Staffordshire-Mischling, biss ein sieben Monate altes Baby so heftig in den Kopf, dass der Säugling Stunden später in einem Krankenhaus starb.

Eine Nachfrage bei der Stadt ergab, dass in Sulzbach-Rosenberg das Halten von Kampfhunden der Kategorie 1 (siehe "Kampfhunderassen") nicht erlaubt ist. "Derzeit sind bei uns 14 Hunde der Kategorie 2 unterschiedlichster Rassen", erläuterte Ordnungsamtsleiterin Rosalia Wendl. Allerdings sei Gefährlichkeit und Aggressivität besagter 14 Hunde durch Gutachten widerlegt, weshalb sie nicht mehr als erlaubnispflichtige Kampfhunde gelten. Die Tiere verfügen demnach über ein sogenanntes Negativzeugnis. "Diese Negativzeugnisse sind selbstverständlich mit bestimmten Auflagen verbunden, die nach Vorlage eines entsprechenden Sachverständigengutachtens in Abstimmung mit dem Veterinäramt erfolgen", teilte Rosalia Wendl mit.

Diese Auflagen betreffen beispielsweise die ausbruchsichere Haltung auf dem Grundstück und den Leinenzwang. "Sie decken sich im Wesentlichen mit den Regelungen der städtischen Hundehaltungsverordnung." Diese werde grundsätzlich für alle großen Hunde angewandt. Ein Maulkorbzwang beispielsweise sei nicht zwingend damit verbunden. Dieser werde nur auferlegt, "wenn die besondere Situation dies erfordert". Die Stadt erhebt nach Angaben der Ordnungsamtsleiterin keine erhöhte Steuer für diese Hunde.

Angeblich Boxermischlinge

Im Tierheim des Amberg-Sulzbacher Tierschutzvereins haben die Meldungen über die Kampfhund-Attacken laut der Vorsitzenden Sabine Falk nicht zur Ablieferung solcher Hunde geführt. Man habe hier aber vor einiger Zeit schon zwei Fälle gehabt, in denen die Besitzer ihre Vierbeiner mit der Begründung abgaben, sie hätten sie "als Boxermischling gekauft", ehe ihnen die Kampfhund-Eigenschaft aufgegangen sei. In einem solchen Fall sieht das Gesetz vor, dass die Tiere in ein anderes Bundesland vermittelt werden müssen, in denen die Haltung dieser Kampfhunde erlaubt ist.

Wer es darauf anlegt, kann laut Sabine Falk per Internet leider ziemlich einfach einen Kampfhund beziehen ("bis das Ordnungsamt draufkommt"). Aber wer möchte überhaupt so ein Tier halten? "Besondere Leute wollen besondere oder auffällige Hunde", formuliert die Tierschützerin ihre Erfahrung. Es seien eher junge Menschen, die damit angeben wollten oder die den "Reiz des Verbotenen" auskosteten.

Was Menschen anrichten

Nach den beiden Fällen im Tierheim könne sie sagen, dass nicht jeder Kampfhund automatisch aggressiv sei: "Der eine davon war verschmust wie ein Kind, an den anderen hätte ich mich nie rangetraut." Meist sei die Haltung durch den Menschen für solche Charaktereigenschaften verantwortlich. "Wenn sie einen Hund Tag und Nacht in eine Box einsperren, wird auch ein Rehpinscher aggressiv", verdeutlicht Sabine Falk, was sie damit meint. Das Problem bei den eigens für den Kampf gezüchteten Hunden, die selbst nicht viel Schmerz empfänden, sei aber ihre gewaltige Beißkraft. "Die erkennt man oft schon an der Kopfform."

Kampfhunderassen

Kampfhunde der Kategorie 1 sind in Bayern die Rassen Pitbull, American Pitbullterrier, Bandog, Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Tosa-Inu sowie alle Kreuzungen dieser Rassen untereinander oder mit anderen Hunden. Als Kategorie 2 sind folgende Rassen gelistet: Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Bullterrier, Cane Corso, Dog Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Perro de Presa Canario (Dogo Canario), Perro de Presa Mallorquin und Rottweiler. Der Unterschied zwischen Kategorie 1 und 2 laut Wikipedia: Bei 1 wird die Eigenschaft als Kampfhund stets vermutet, bei 2 nur, solange nicht für den einzelnen Hund ein Negativnachweis vorliegt. (san)

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