07.05.2018 - 16:52 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

65. Bayerische Meisterschaft im Fingerhakeln Mal so richtig am Riemen reißen

Der Lederriemen ist zum Zerreißen gespannt. Der Oberkörper weit nach hinten gebeugt. Das Knie gegen den Tisch gestemmt. Angefeuert von den heimischen Mitstreitern, mobilisieren die Fingerhakler die letzten Kraftreserven.

von Autor FRHProfil

Fingerhakeln ist eine bayerische Sportdomäne, die im Alpenraum ihre Heimat hat. Von dort kommen auch überwiegend die bei bayerischen und deutschen Wettbewerben gekürten Meister. Dass die 65. Bayerische Meisterschaft dieses Jahr in Sulzbach-Rosenberg am Sonntag im Bierzelt am Frühlingsfest stattfand, ist der Verdienst von Thomas Gebhardt.

Über Starkbierfeste und städtische Fingerhakel-Wettbewerbe bekam er Kontakt zu den Profis und brachte so die Meisterschaft in seine Heimatstadt. Er und Matthias Mutzbauer hielten auch die städtische Fahne hoch, indem sie als Teilnehmer für den Gau Altmühltal in den Lederriemen griffen. Teilnehmer aus acht Gauen bereiteten sich mit speziellen Sportgeräten und viel Talkum auf die Kämpfe vor. Geheime Favoriten: Ammergau, Werdenfels, Auerberg? Die Tagesform ist entscheidend. Und ein bisschen Glück gehört vielleicht auch dazu.

In insgesamt neun Gewichts- und Altersklassen von der Jugend bis zu den Senioren wird gehakelt. Der Vorsitzende des Landesverbandes der Fingerhakler, der Bader Anton vom Ammergau, begrüßte die Teilnehmer und hielt eine flammende Rede über Brauchtum, Heimat und Tradition. Das vollbärtige Urgestein setzte sich später selbst an den Tisch, zog sich beim Wettkampf souverän bis ins das kräftezehrenden Finale und schlug dort den Waibl Fabian vom Gau Auerberg.

Der Lederriemen ist etwa zehn Zentimeter lang und sechs bis acht Millimeter stark. Mit einer Zugfestigkeit von bis 500 Kilogramm widersteht er dem urbayerischen Kraftakt. Es ist ein Sport für gstandne Mannsbilder. Beim Loslassen des Riemens geht dann schon mal ein Stück Haut mit. Mancher Hakler hat beide Hände eingebunden. Wenn der rechte Finger bereits lädiert war, wurde mit dem linken weiter gekämpft. Die Devise "Nur nicht aufgeben" hat hier einen besonderen Stellenwert. So holte sich nach einem nicht gerade hautschonendem Finale der Huber Clemens vom Gau Werdenfels in der Jugend den Titel Bayerischer Meister. Bei den Junioren wurde der Titel intern bei den Auerbergern ermittelt. Der Schuster Phillip erhielt sozusagen die Krone.

Gau Altmühltal holte den Sieg mit dem Felner Siegfried bei den Senioren bis 85 Kilogramm. Bei den Leichtgewichten traten die Schlierachgauer Markus Weber und Barth Heidenthaler gegeneinander an. Weber erhielt verdient den Titel. Auch im Mittelgewicht waren die Schlierachgauer mit dem Weiß Helmut ganz vorn.

Der Schwergewichtler Josef Utzschneider vom Gau Werdenfels zieht seit Jahren gnadenlos seine Gegner über den Tisch. Im Finale traf er auf den Geisenhof Markus vom Auerberg. Auch er hatte schon viele Siege und Titel für seinen Gau heim geholt. Im Zelt kochte die Stimmung. Die Anfeuerungsrufe der Werdenfelser und der Auerberger vermischten sich zu einem Stakkato der Begeisterung. Der Utzschneider Josef spielte letztlich sein ganzen Können und seine Kraft aus und zog seinen Kontrahenten Markus Geisenhof auf den Tisch.

Es wurde fleißig gefeiert, als die Teilnehmer und Sieger ihre verdienten Urkunden erhielten. So mancher Maßkrug wurde mit einer Hand gestemmt, die in Mullbinden verpackt war. Das mindert den Spaß an diesem außergewöhnlichen Sport und der Begeisterung dafür keineswegs. Das bestätigte auch Matthias Mutzbauer, der als Trophäe einen blutigen Finger von dieser Veranstaltung mit nach Hause nahm.

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