09.02.2018 - 15:58 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Auf den letzten Drücker im Kostüm-Laden Feen, Clown und Eisköniginnen

Auf dem Laufsteg begegnen sich Eskimos, Hippies und Stewardessen. Vampire, Eisprinzessinnen und Clowns sind ihr Publikum. Im Strickwarenladen Wyrobisch ist das möglich. Vor allem im Fasching.

von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

(mip/anv) Für die Geschwister Julia und Dominik Meidinger gehören Verkleidungen zur närrischen Zeit dazu. "Wir sind schon eine faschingsbegeisterte Familie", sagt die Ebermannsdorferin. Früher habe ihr Vater sogar eigene Faschingsbälle organisiert. Bei den Kostümen ist daher Kreativität gefragt. Julia will in diesem Jahr als Schokobon gehen. Dazu fehlt ihr nur noch ein roter Tüllrock. "Die Idee habe ich aus dem Internet und das Kostüm größtenteils selbst gebastelt", sagt die 22-Jährige.

Ihr Bruder ist beim Kostüm-Kauf als moralische Unterstützung dabei. Was seine Verkleidung angeht, ist er noch unentschlossen: "An Fasching will ich auch weggehen, ich weiß nur noch nicht als was. Das entscheide ich spontan." Immer mehr Kunden betreten den Laden. Die einen haben, wie Julia, ganz genaue Vorstellungen. Bei manchen Veranstaltungen ist ein Motto bereits vorgegeben. Allen anderen steht Verkäuferin Marlies Widmann beratend zur Seite. "Es kommt immer darauf an, ob die Party drinnen oder draußen steigt und wie viel das Kostüm kosten soll", sagt sie. "Besonders beliebt sind Tierkostüme, die halten auch im Februar schön warm."

Küss den Frosch

Inzwischen hat sich das Geschwisterpaar umgesehen. Doch statt Julia hat Dominik ein Kostüm für sich entdeckt. Der Froschkönig: eine grüne Kappe mit Froschgesicht und goldenem Krönchen. Doch als die Verkäuferin ihm dazu den passenden, hautengen Ganzkörper-Body anbietet, steigt er aus. Während sich der 23-Jährige weiter umsieht, sind Lotte und ihre Oma Marianne an der Reihe. "Sie will auf den Hahnbacher Faschingszug", erzählt die Seniorin aus Kötzersricht. "Da will ich einen Clown machen", ergänzt ihre elfjährige Enkelin. Eine lilafarbene Bob-Perücke hätte sie gerne. Das hat ihr ihre Mutter empfohlen.

Nach etwas hin und her begeistern sie aber die lila Locken viel mehr, die die Verkäuferin ausgesucht hat. Hoffentlich gefällt es auch der Mama. Im Wyrobisch-Laden gibt es nicht nur Kleidung oder Perücken. Zu jedem Kostüm findet sich passendes Zubehör - von falschen Wimpern über Masken bis hin zum Zauberstab. "Da kann jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen", sagt Karin Hofmann, ebenfalls Verkäuferin in dem Faschingsgeschäft. Die Kunden stellen ihre Outfits ganz individuell zusammen.

Philipa ist erst vier Jahre alt - trotzdem weiß sie genau, was sie will. Als Königin Elsa, bekannt aus dem Disney-Film "Die Eiskönigin", will sie beim Kindergarten-Fasching verzaubern. "Elsa ist ein sehr beliebtes Kostüm in diesem Jahr", erzählt Marlies Widmann. "Und Einhörner. Die sind schon so gut wie ausverkauft." Mama Martina sucht gemeinsam mit der Beraterin zwei Prinzessinnen-Kleider aus. Philipa macht große Augen. Schon im ersten Kleid fühlt sie sich sichtlich wohl. Ein Krönchen komplettiert das Kostüm. Gerne hätte die Sulzbacherin ihre Tochter noch in dem zweiten Kleid gesehen. Aber Philipa hat sich entschieden. Zum ersten Mal, seit sie den Laden betreten hat, meldet sie sich zu Wort. Ein bestimmtes "Nein" ertönt. Nach einer guten halben Stunde ist jetzt auch Dominik fündig geworden. "Und, passt's?", ruft Julia in die Umkleidekabine. Dann kommt er raus und präsentiert sich den Anwesenden: ein zartrosa, glänzendes Mini-Kleid mit Glitzer-Applikationen, rosa Tüll und einer Rose am Dekolleté. Dazu eine blonde Langhaar-Perücke mit rosa Krönchen und ein Glitzerzauberstab.

Auch Gummi-Brüste

"Habt ihr auch Flügel?", fragt Dominik. Na klar - mit den passenden rosa Feder-Flügeln ist sein Zahnfee-Kostüm fertig. Seine Schwester und die Verkäuferinnen sind begeistert. Ingrid Wyrobisch bietet ihm noch Gummi-Brüste an, die er aber dankend ablehnt. Und seine Schwester Julia? Die schaut sich noch nach einem anderen Rock um. Wenn der Fasching am Aschermittwoch endet, geht die Arbeit für Ingrid Wyrobisch und ihr Team jedoch weiter. Kostüme und Requisiten sind das ganze Jahr über gefragt.

Hintergrund

1948 gründete Alexander Wyrobisch den Stickwarenladen. Angefangen hat er in der Museumsstraße. Später zog der Laden in das Schloss. Seit fast 50 Jahren ist er in der Neustadt ansässig. Dort ist Ingrid Wyrobisch in dritter Generation Inhaberin. Seit der Jahrtausendwende bietet sie auch Faschingsartikel an. Mittlerweile ist das Geschäft Wyrobisch vor allem dafür bekannt. "Unser Sortiment geht von einfach bis luxuriös. Die Deluxe-Kostüme haben Theaterqualität. Das Teuerste, das wir dahaben, kostet 119 Euro", erklärt Wyrobisch. (anv)

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